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© chidsey, sxc.hu

Farbecht

Scanner-Profile selbst erstellen

07.10.2009 Unter Windows müssen Käufer tief in die Tasche greifen, um für ihren Scanner ein Profil zu erstellen. Linux-User erledigen das mit freier Software in wenigen Minuten.

Kein Scanner erzeugt farbechte Abbilder der Vorlagen: Jedes Gerät hat sein eigenes Farbcharakteristikum. Meist fallen die Unterschiede zur Vorlage nur gering aus und spielen daher im nichtprofessionellen Bereich kaum eine Rolle. Manchmal weicht der Scan aber vom Original derart gravierend ab, dass man nicht darum herum kommt, jedes gescannte Bild nachzubearbeiten. Das kostet Zeit und Nerven.

Die Ursachen für die Differenzen zwischen Original und Scan liegen zum einen in den Geräten selbst, zum anderen spielt aber auch die Qualität der Vorlage eine Rolle. Abbildung 1 zeigt den Scan eines Kodachrome-Dias, Abbildung 2 die farbkorrigierte Version. Die drastischen Unterschiede zwischen den beiden haben nichts mit Linux oder dem verwendeten Scanner zu tun.

Abbildung 1: Scans von Kodachrome-Dias weisen aufgrund des Aufbaus des Ausgangsmaterials falsche Farben auf.

Abbildung 2: Mit einem passenden Profil korrigieren Sie schon beim Scannen den Farbstich.

Kodachrome-Dias weisen einen anderen physikalischen Aufbau auf als normale Dias. Auch Scans unter anderen Betriebssystemen zeigen bei Kodachromes einen starken Farbstich ins Bläuliche. Bei einzelnen Scans beheben Sie Farbfehler leicht per Hand, etwa mit Gimp oder Digikam. Scannen Sie aber ganze Serien ein, empfiehlt sich ein anderer Ansatz: Sie lösen das Problem mithilfe von Farbmanagement.

Farbprofile erstellen

Wie im Kasten "Grundzüge des Farbmanagements" beschrieben, benötigen Sie ein so genanntes Farbprofil, das zu Ihrer Kombination aus Scanner und Vorlage passt. Windows-Anwender können ihre Scanner nur profilieren, wenn sie dazu Scanner-Bundles mit teurer Software kaufen. Linux-Anwendern steht dafür eine stabile und freie Alternative zur Verfügung: ArgyllCMS [1]. Das Paket installieren Sie über das Paketmanagement Ihrer Distribution, eventuell müssen Sie dazu zusätzliche Repositories einbinden (für OpenSuse 11.1 zum Beispiel multimedia:photo).

Grundzüge des Farbmanagements

Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Scanner, der stets die Farben Rot und Blau vertauscht. Bilder, die dieser Scanner erzeugt, wären unbrauchbar – außer, Sie rechnen die Scans anschließend wieder um. Die Umrechnungsvorschrift "Rot- und Blauwerte tauschen" wäre technisch in einer Umrechnungstabelle hinterlegt.

Statt die Bilder direkt nach dem Scan umzurechnen, könnten Sie die Umrechnungstabelle auch den Bildern mitgeben: Jedes geeignete Programm könnte dann beim Öffnen des Bildes die Farben korrekt umrechnen, und niemand würde in diesem Fall merken, dass die Farben des Bildes falsch sind.

Genauso funktioniert Farbmanagement. Natürlich geht es hier nicht um grobe Farbfehler wie im Beispiel, sondern um meist feine Farbverschiebungen.In der Fachsprache des Farbmanagements heißt die Umrechnungstabelle Farbprofil. Das Format solcher Profile ist normiert, und alle gängigen Bildformate (so etwa auch JPG und TIFF) erlauben es, solche Profile direkt an das Bild anzuhängen.

Jedes Gerät, das Farben verarbeitet (aufnimmt, anzeigt, ausgibt), weist eine eigene Farbcharakteristik auf. Damit Sie ein gescanntes Bild farbrichtig sehen, benötigen Sie also nicht nur für den Scanner ein Farbprofil, sondern auch für den Monitor. Um das Beispiel von vorhin fortzuspinnen: Würde der Monitor ebenfalls immer Blau- und Rottöne vertauschen, passte er erst einmal perfekt zum defekten Scanner. Wenn aber Gimp beim Öffnen das Farbprofil des Scanners auswertet und die Farben korrigiert, dann wäre das Ergebnis nach wie vor falsch. Deswegen müsste Gimp nun sowohl das Profil des Scanners, als auch jenes des Monitors kennen und letztlich zwei Umrechnungen vornehmen.

In der Praxis funktionieren Scans, Anzeige und Druck deswegen recht gut ohne Farbmanagement, weil es mit sRGB ein Quasistandard-Profil gibt, das alle Hersteller für ihre Geräte implementieren. Es ergibt durchaus Sinn, Scans nach dem Einlesen in das sRGB-Profil umzurechnen, anstatt das Profil an den Scan anzuhängen: Viele Programme nehmen von sich aus sRGB als Profil an, falls sie kein anderes finden.

Den Ablauf der Profilierung zeigt die Grafik in Abbildung 3. Sie scannen eine Vorlage (in der Fachsprache "Target"), die bekannte Soll-Werte liefert. Im nächsten Schritt analysiert das Programm Scanin diesen Scan, bestimmt die Ist-Werte und vergleicht diese mit den Sollwerten. Das Ergebnis legt Scanin in einer Zwischendatei ab. Anschließend errechnet das Programm Colprof daraus das eigentliche Profil.

Abbildung 3: Schematischer Ablauf der Profilerstellung.

Die Sache haben Sie also in wenigen Minuten erledigt: Scannen, Ist-Werte bestimmen, Profil errechnen. Das oben erwähnte ArgyllCMS-Paket liefert unter anderem das Analyse- sowie das Profilberechnungsprogramm mit. Zusätzlich enthält es eine ausführliche Dokumentation einschließlich eines Tutorials. Die benötigten zwei Befehle stechen aber in der Menge der Information nicht gerade hervor.

Das ganze Verfahren steht und fällt natürlich mit dem Target. Ein solches können Sie bei verschiedenen Anbietern erwerben, die Preisspanne liegt zwischen 25 und 300 Euro. Bei teuren Targets bestimmt der Hersteller die Farbwerte individuell, bei billigeren Targets jeweils einmal für eine Produktionscharge.

Für viele alte Filme, die noch vor der Digitalära ausgestorben sind, existieren keine Targets mehr. Das macht das Erstellen eines Profils unmöglich, obwohl gerade alte Vorlagen oft farbstichig sind. Hier weichen Sie auf das am Ende des Artikels beschriebene Verfahren aus.

Schritt für Schritt

Als erstes geht es an das Scannen des Targets. ArgyllCMS erweist sich als sehr robust in Bezug auf die Ausrichtung und Größe des Scans. Die Vorlage sollte zwar nicht zu viel Rand enthalten, aber Millimeterarbeit ist nicht angesagt. Bei Filmtargets klappt es am einfachsten, wenn Sie die Vorlage rahmen und den Diarahmenhalter des Scanners verwenden.

Beim Scanprogramm lohnt sich ein kritischer Blick: Xsane wendet zum Beispiel normalerweise verschiedene automatische Korrekturen an, die Sie alle abschalten sollten. Die verschiedenen Optionen dazu verteilt Xsane allerdings über diverse Menüs und eine Reihe von Optionsfenstern. Besser eignet sich daher das Programm Scanimage aus dem Sane-Paket. Das Kommandozeilenprogramm greift – genau wie Xsane – auf das Sane-Backend zu. Sie haben damit dieselben Möglichkeiten wie unter der grafischen Oberfläche, die Kommandozeile vereinfacht aber den Batch-Betrieb mit identischen Parametern.

Als einzige Arbeit wartet auf Sie das Zusammensuchen der notwendigen Optionen. Listing 1 zeigt ein Beispiel für einen Epson-Scanner. Es sieht kompliziert aus – aber die Arbeit haben Sie nur einmal, und bei vielen Scanvorgängen lohnt es sich unabhängig von einer Profilierung.

Listing 1
#!/bin/bash
scanResolution=1600
targetFile="$1"
scanimage -p -B --format=tiff --mode Color \
  --source Transparency --film-type "Positive" \
  --depth 16 --resolution $scanResolution \
  --focus-position "Focus 2.5mm" \
  -l 33.4mm \
  -t 16.1mm \
  -x 34.5mm \
  -y 23mm > "$targetFile"

Wie immer Sie letztlich Scannen: Wichtig ist, dass Sie die Einstellungen des Profilscans später für die eigentlichen Scans nutzen. Speichern Sie den Profilierungsscan im TIFF-Format ab. Falls Ihr Scanprogramm das nicht unterstützt (bei Xsane fehlt je nach Konfiguration in einigen Fällen der TIFF-Support), dann verwenden Sie PNG und konvertieren das Bild anschließend per convert Bild .png Bild .tif auf der Kommandozeile.

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LinuxUser 06/2012

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