Als erstes sticht am ProBook 4710s das schlichte, edle Design ins Auge. Obwohl die Außenhaut schwarz (oder optional burgunderrot) glänzt, hat HP den Bildschirm überraschenderweise entspiegelt. Freunde der Hochglanz-Displays bedient der Hersteller jedoch auch: Das ProBook gibt es optional auch mit "Brightview". Die stark glänzende Gehäuseoberseite zieht Stäubchen und Fingerabdrücke geradezu magisch an, und auf der Oberfläche sieht man jegliche Verunreinigung und Kratzer sofort. Bei seinen Business-Notebooks verzichtet HP auf die Muster, mit denen es die aktuelle Consumer-Linie verziert. Die Unterseite des Gehäuses ist etwas dröge in aufgerautem Plastik gehalten, wird aber immerhin nicht durch Fächer, aufgeschraubte Module oder zahllose Aufkleber verunstaltet.
Ausstattung und Verarbeitung
Auf der mit eigenem Nummernblock erweiterten Tastatur mit abgeflachten Tasten tippt es sich angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen die beim Drücken nach vorne unten wegklappenden Maustasten sowie das deutlich nach links versetzte Trackpad. HP verbaut beim ProBook 4710s recht ungewöhnliche, türkisfarben leuchtende LEDs – eine angenehme Abwechslung im blau-grün-roten LED-Einheitsbrei (Abbildung 1). Mit nur 3 Kilogramm Gewicht gibt sich das 41 mal 27 Zentimeter große und 3,2 bis 3,7 Zentimeter flache Notebook sehr portabel. Das Gehäuse weist kaum Rundungen auf, die eckigen Kanten sollen wohl ein "seriöses" Design unterstreichen Abbildung 2). Völlig unverständlicherweise hat HP dem Gerät keinen Verschlussmechanismus spendiert, man "klemmt" den Bildschirm einfach zu. Daher lässt sich das Notebook nicht mit einer Hand öffnen, sondern es gilt dazu die Unterseite festzuhalten. Der 17,3 Zoll große Bildschirm weist eine Auflösung von 1600 x 900 Pixeln auf, ist hell und bietet eine gute Blickwinkelunabhängigkeit.
Im Innern bietet das ProBook 4710s eine gute, jedoch keineswegs üppige Ausstattung: Eine Intel-CPU des Typs Core 2 Duo mit 2,1 GHz Taktrate mit DDR2-800-RAM bietet gute Leistung, die ATI Radeon HD 4330 mit 512 MByte Video-RAM zählt allerdings eher zum Durchschnitt. Immerhin bietet sie deutlich mehr Performance als die bei Business-Notebooks sonst oft übliche Chipsatzgrafik. Eine 320-Gigabyte-Platte dient als Massenspeicher, 2 GByte RAM (maximal 8 in zwei SO-DIMM-Slots) sind heutzutage für normale Laptops ebenfalls durchschnittlich. Ein Dual-Layer-DVD-Lightscribe-Brenner, eine 2-Megapixel-Webcam, Marvell-Gigabit-Ethernet, Bluetooth 2.0 EDR und 802.11g-WLAN runden die interne Ausstattung ab.
An Ports (Abbildung 3) gibt es neben Audio-In/Out vier Mal USB, HDMI, VGA, einen Multi-Cardreader sowie einen Expresscard-Schacht in der schmalen 34-Millimeter-Ausführung. Optional bietet HP das Gerät mit einem Modem an (Agere Systems HDA). Da dieses aber zu den unter Linux traditionell problematischen Winmodems zählt, hat der Linux-Anwender damit wenig Freude. Ein eSATA- oder wenigstens Firewire-Anschluss fehlt, flottes Kopieren von externen Festplatten fällt demgemäß flach. Auf Anfrage kommentierte HP dazu, dass man sich bei der Produktreihe "s" explizit nur auf grundlegende Features konzentriert habe, um den Preis möglichst niedrig zu halten. Dennoch: Der Intel-Chipsatz liefert von Haus aus schon vier SATA-Ports, es wäre also nur die Buchse nötig – bei Einbau einer USB/eSATA-Kombi-Buchse, wie sie HP in anderen Laptops verbaut, noch nicht einmal das.
Linux-Installation
Unser Testgerät kam mit vorinstalliertem Windows XP, üblich ist laut HP-Homepage [1] jedoch derzeit Vista Home. Interessanterweise bietet HP das ProBook 4710s alternativ mit Suse Linux an und verspricht auch Kompatibilität dazu. Dieses Angebot gilt jedoch nicht für Endkunden, sondern ausschließlich für die Firmen-Klientel. Wir testeten die Installation von Ubuntu 9.04, OpenSuse 11.1 und Fedora 11, und wie sich herausstellte, ist das ProBook 4710s tatsächlich sehr Linux-kompatibel.
Unter Ubuntu 9.04 funktioniert alles vom Start weg, mit Ausnahme des Schlaf-Modus und – wie bei modernen HP-Laptops unter Ubuntu 9.04 leider üblich – der Audioausgabe. Eine Installation des aktuellen Alsa-Treibers [2] mittels ./configure, make und sudo make install behebt das Audioproblem, Ubuntu gibt den Sound dann sogar über das integrierte 5.0-Surround-Soundsystem aus. Die Installation des ATI-Treibers geht gewohnt reibungslos mittels der Option Hardware-Treiber in der Systemverwaltung vonstatten. Ethernet, WLAN, Bluetooth, die Multimedia-Tasten, die Kamera und das optisches Laufwerk verrichten sofort und einwandfrei ihre Dienste.
Ein ähnlich gutes Bild zeigt sich unter OpenSuse 11.1 – hier raten wir jedoch dringend, zu allererst ein System-Update zu machen, denn direkt nach der Installation von der DVD funktioniert einiges nicht. Die Sound-Ausgabe lässt sich ohne Installation der Alsa-Treiber durch Aufruf von alsaconf einrichten. Auch mit aktualisiertem Alsa bleibt Stereo-Sound jedoch unter OpenSuse 11.1 das höchste der Gefühle. Auch nach Installation des Grafiktreibers gibt es keine Probleme: OpenSuse beherrscht damit sogar den Suspend-to-RAM-Schlafmodus, wobei der Lüfter nach dem Aufwachen manchmal stark hochdreht. Verzichten müssen OpenSuse-Anwender – außer auf Surround-Sound – lediglich auf die Multimediatasten und Suspend-to-Disk.
Unter Fedora 11 läuft dank des neueren Kernels 2.6.29 (aktualisiert sogar 2.6.30) nahezu alles vom Start weg: Bluetooth, WLAN, Sound (mit Surround), Cardreader, eSATA, Webcam, LAN, Multimediatasten – sogar der Suspend-to-RAM Schlafmodus klappt sofort. Der neuere Kernel bedeutet jedoch unangenehmerweise auch, dass ATIs Catalyst-Treiber noch nicht funktioniert, denn er unterstützt momentan nur Kernel bis Version 2.6.28. Auch auf den Suspend-to-Disk-Modus gilt es zu verzichten.



