Ausblick

Zeitgleich zum Erscheinen von Gnome 2.28 gaben die Entwickler eine frühe Preview der nächsten großen Version heraus. Gnome 3.0 bricht mit so ziemlich allen bisherigen Bedienkonzepten, was Panels und Windowmanager betrifft. An deren Stelle rückt die Gnome Shell (Abbildung 7). Ein Übersichtsmodus zeigt die Desktops, auf denen der Anwender momentan arbeitet.

Abbildung 7: Im Übersichtsmodus von Gnome 3.0, den Sie über Alt+ F1 erreichen, haben Sie alle Fenster im Überblick.

Das Panel-Menü findet sich in sehr veränderter Form wieder: Die gerade laufenden Anwendungen, die Lesezeichen und zuletzt geöffneten Dokumente stellt die Shell im Übersichtsmodus im linken Teil des Bildschirms dar. Eine Suchfunktion für Programme und Dokumente findet sich dort ebenfalls.

Im Vergleich zu früheren Versionen schraubten die Entwickler kräftig an den neuen Komponenten, so dass die Oberfläche kaum noch den früheren Versionen gleicht – weder im Aussehen noch in Bezug die Funktionalität. Netbook-Besitzer profitieren von dem neuen Bedienkonzept, denn die Shell eignet sich bestens für kleine Bildschirme.

Angesichts wachsender Datenmengen und der entsprechend größeren Festplatten fällt es mitunter schwer, Dateien zu finden. Mit Gnome Zeitgeist, das den Zugriff auf oft benutzte Dateien ermöglicht, versuchen die Entwickler hier künftig Abhilfe zu schaffen: Zeitgeist indiziert Lesezeichen, die Browser-History und die Liste der zuletzt geöffneten Dokumente. Bei Bedarf versehen Sie Dateien mit Schlagworten, um sie dann später in einem Rutsch schneller aufzufinden. Inwieweit diese Funktionen allerdings als Ansicht in Nautilus einfließen, steht noch nicht fest.

Die deutlich verschlankte Plattform macht nächstes Jahr für Programmierer Schluss mit der ständigen Suche nach Funktionen – vieles ist bereits in GTK+ beziehungsweise Glib [19] vorhanden, zahlreiche veraltete Bibliotheken fliegen aus der Plattform.

Die Entwickler betonten in der Vergangenheit mehrfach, dass es kein Problem sei, Gnome 3.0 notfalls auf den Herbst-Termin 2010 zu verschieben. Die Grundfunktionalität ist in der Gnome Shell zwar jetzt schon vorhanden – allerdings fehlen im Moment viele Konfigurationsmöglichkeiten und im Wiki [20] bereits vorgeschlagene, aber noch nicht umgesetzte Ideen.

Auf der anderen Seite ist es beachtlich, wie schnell das Gnome-Team das noch vor einem Jahr nur auf dem Papier existierende Gnome-3.0-Konzept innerhalb kürzester Zeit umsetzte. Das mag mit daran liegen, dass die Shell größtenteils in Javascript programmiert wurde: Im Vergleich zu C/C++ oder Java lassen sich so wesentlich schneller sichtbare Erfolge zu erzielen. Ein weiterer Vorteil von Javascript liegt darin, dass viele Webprogrammierer die Sprache bestens beherrschen und so die Möglichkeit besteht, dass ein wesentlich größerer Entwicklerkreis Verbesserungen zu Gnome beiträgt.

Im November beschließen die Entwickler, ob Gnome 3.0 im März oder erst September 2010 erscheint. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Mit dem neuen Bedienkonzept setzt sich Gnome von der breiten Masse der freien und kommerziellen Konkurrenz ab, die noch dem in die Jahre gekommenen WIMP-Paradigma folgt. Interessierten Entwicklern, die sich eingehender mit den Änderungen und Neuerungen an den Bibliotheken befassen möchten, seien die Versionshinweise [21] ans Herz gelegt.

Glossar

DJVU

Offenes Rastergrafik-Dateiformat (ausgesprochen: "déjà vu"), Dateiendung .djvu oder djv.

WIMP

"Windows, Icons, Menus, Pointer" [22]. Das derzeit dominierende GUI-Grundkonzept, das auf den Analogien Schreibtisch/Desktop, Datei/Papierblatt und Verzeichnis/Ordner basiert.

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