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© Leo Blanchette, 123RF

Smarter Android

Android-Smartphones mit Linux synchronisieren

14.09.2009
Smartphones machen erst Spaß, wenn sich die Daten mit dem heimischen PC abgleichen lassen. Unter Linux klapppt das oft mangels Hersteller-Unterstützung nicht. Google Android dagegen setzt auf offene Schnittstellen.

Lange Jahre war der Markt für PDAs recht überschaubar. Anfangs dominierte Palm mit seinem Palm-OS das Geschehen, bis mit Einführung der Smartphones Symbian den Markt aufrollte und sich auch Microsoft ein ordentliches Stück des Kuchens schnappte. Danach folgten die großen Erfolge des Blackberry bei Geschäftsleuten und des iPhone bei Privatkunden. Und der Markt verbreitert sich immer noch: Palm versucht mit dem Palm Pre längst verlorenen Boden wieder gut zu machen, und auch die Allianz um Googles Android sichert sich so langsam immer größere Teile des Markts.

Die Bedienung von Android-Handys geht leicht von der Hand, wobei die Eingabe von langen Texten auf der Bildschirmtastatur schnell ermüden kann. Besonders wenn das Gerät hochkant steht, lassen sich die Tasten recht schwer treffen. Bequem ist die Installation von zusätzlichen Anwendungen über den so genannten Market: Hier stehen zahlreiche kostenlose und kostenpflichtige Anwendungen bereit, die sich mit wenigen Klicks installieren lassen. Die Programme kosten größtenteils erschwingliche 1 bis 2 US-Dollar. Die Bezahlung erfolgt über Google Checkout; in Zukunft soll es auch möglich sein, die Beträge über die Telefonrechnung zu begleichen. Für die folgenden Tests setzten wir ein Samsung Galaxy ein (siehe Kasten "Samsung Galaxy I7500"). Dabei handelt es sich um das erste Android-Handy, das nicht vom taiwanesischen Konzern HTC stammt, wie das im vorigen Artikel getestete HTC Hero [1].

An Android-Geräten gefällt Linux-Anwendern insbesondere die einfache Synchronisation von Handy und Linux-Desktop: Die Desktopumgebung Gnome mit ihrem persönlichen Informationsmanager Evolution integriert Dienste wie Google Kalender oder die Kontaktdatenbank aus Google Mail bereits gut.

Samsung Galaxy I7500

Das Samsung Galaxy macht einen soliden Eindruck, die Verarbeitung überzeugt. Die Spaltmaße sind gering, nichts klappert oder knarrt, und die Knöpfe gefallen durch einen angenehmen Druckpunkt. Das Galaxy wiegt nur 114 Gramm, fast ein Viertel weniger als Apples iPhone 3GS. Das auch bei strahlendem Sonnenschein noch gut ablesbare Display ist hell und äußerst scharf, so dass selbst kleine Schriften keine Probleme machen.

Aktueller Schwachpunkt des Samsung Galaxy sind jedoch technische Probleme. Viele Galaxy-Anwender ärgern sich über äußerst geringe Akkulaufzeiten [2] und Abstürze [3]. So hält der 1440-mAh-Akku im Standby oft weniger als 10 Stunden. Auch beim Exemplar der Redaktion sorgten diese Eigenheiten für Probleme, wobei jedoch ein Full-Reset für Besserung sorgte. Der Akku hält nun im Standby und normalen Gebrauch wenigstens einen Tag. Von den versprochenen 450 Stunden Standby-Zeit ist das Gerät jedoch meilenweit entfernt.

Ein Full-Reset löscht sämtliche Daten auf dem Samsung Galaxy und spielt die Firmware neu ein. Um solch einen Reset vorzunehmen, müssen Sie sowohl die Speicher- als auch die SIM-Karte entfernen, das Gerät starten und im Telefonmodus die Nummer *2767*3855# eingeben. Das setzt das Gerät auf den Auslieferungszustand zurück, alle im Telefon gespeicherten Daten werden dabei gelöscht.

Samsung versucht derzeit die Situation zu verbessern. So hat der koreanische Hersteller Anfang August eine neuere Firmware veröffentlicht. Nachdem jedoch weitere Abstürze auftraten und auch Tethering – also die Verwendung des Handys als Internetmodem – nicht mehr möglich war, zog Samsung das Update zurück. Eine fehlerbereinigte Aktualisierung soll in den nächsten Wochen die verärgerten Anwender versöhnen. Für das Update benötigt man allerdings zwingend das Windows-Programm "Samsung New PC Studio", über die Internetverbindung des Handys klappt es nicht.

E-Mails abgleichen

Die Synchronisation von E-Mails gelingt am einfachsten, indem Sie Google Mail verwenden oder einen IMAP-fähigen E-Mail-Account verwenden. Im Fall von Google Mail erweist sich die Integration als perfekt: Sobald Sie Ihre Zugangsdaten in das Handy eingetragen haben, lädt Android die E-Mails. Für E-Mail-Accounts abseits von Google bringt Android einen Mailclient mit, der den Empfang von Nachrichten via IMAP oder POP unterstützt. Zusätzlich gibt es im Market weitere E-Mail-Programme, die erweiterte Funktionalität bieten.

Um E-Mails von Google Mail via IMAP und Evolution auf dem heimischen PC zu lesen, müssen Sie in Google Mail zuerst den Zugriff via IMAP erlauben. Dazu aktivieren Sie im Webfrontend von Google Mail unter Einstellungen | Weiterleitung und POP/IMAP die passende Option.

Nun legen Sie in Evolution unter Bearbeiten | Einstellungen | E-Mail-Konten einen neuen Account an. Die Daten dazu entnehmen Sie entweder der Online-Hilfe von Google Mail [4], der Tabelle "Google Mail via IMAP" oder auch der Abbildung 1.

Abbildung 1: E-Mails per IMAP von Google Mail abrufen.

Google Mail via IMAP

Option Wert
Server-Art IMAP
Server imap.googlemail.com
Benutzername max.muster@googlemail.com
Sicherheit SSL-Verschlüsselung
Legimitationsart Passwort
Einstellungen zum Versand
Server-Art SMTP
Server smtp.googlemail.com
Server erfordert Legimitation aktiv
Sicherheit SSL-Verschlüsselung
Legimitationsart Klartext
Benutzername max.muster@googlemail.com

Nun rufen Sie die E-Mails von Google Mail ab – deren Stand ist dann im Webfrontend von Google Mail, auf dem Desktop und auf dem Handy identisch. Schieben Sie eine E-Mail auf einem Rechner in einen anderen Ordner oder löschen sie, dann wirkt sich diese Änderung auch auf allen anderen Rechnern aus, die auf dieses IMAP-Konto zugreifen. KDEs Kontact lässt sich ähnlich konfigurieren, über den Postfach-Assistenten richten Sie das IMAP-Konto schnell ein.

Termine und Kontakte synchronisieren

Evolution 2.26 – beispielsweise in Ubuntu 9.04 oder Fedora 11 enthalten – ermöglicht es, Termine und Kontakte aus Google Mail beziehungsweise Google Kalender abzugleichen. Dazu öffnen Sie Evolution und klicken mit der rechten Maustaste in die Kalender- bzw. Adressbuchliste auf der linken Seite des Programms. Wählen Sie die Option Neuer Kalender respektive Neues Adressbuch (Abbildung 2). In beiden Dialogen wählen Sie unter Art den Eintrag Google aus. Als Benutzername genügt Ihr E-Mail-Name (max.muster für max.muster@googlemail.com). Die restlichen Einstellungen übernehmen Sie aus Abbildung 3.

Abbildung 2: Einen neuen Kalender in Evolution erzeugen.
Abbildung 3: Den Google-Kalender importieren.

Anschließend ruft Evolution automatisch die bei Google hinterlegten Einträge ab. Tragen Sie in den gerade erzeugten Adressbüchern oder Kalendern Termine ein, kopiert Evolution sie automatisch auch in Google Mail oder Google Kalender. Die Synchronisation erfolgt also in beide Richtungen.

Allerdings stoßen wir in Evolution auf ein kleines Ärgernis mit der Synchronisation von Kontakten: Google Mail übernimmt automatisch E-Mail-Adressen aus gesendeten E-Mails als Kontakt in das Adressbuch. Das Adressbuch von Google Mail unterscheidet hier zwischen Meine Kontakte und Alle Kontakte. Unter Meine Kontakte lagern nur händisch angelegte oder aus Alle Kontakte übernommene Einträge. Evolution kennt diese Unterscheidung jedoch nicht, übernimmt alle Kontakte und müllt damit das Evolution-Adressbuch zu.

Bei KDE sieht die Lage derzeit noch nicht so gut aus wie unter Gnome. Es gibt keinen einfachen Weg, Kontakte und Termine aus Kontact mit Google Mail abzugleichen. Die entsprechende Funktion sollte eigentlich das für Anfang August 2009 geplante KDE 4.3 enthalten, sie wäre somit auch im kommenden Kubuntu "Karmic Koala" 9.10 verfügbar. Doch es sieht momentan nicht so aus, dass diese Änderungen schon in KDE 4.3 einfließen.

Bis dahin können Sie versuchen, die Synchronisierung von Akonadi [5] (der Datenbank hinter Kontact und KOrganizer) mit Google Kalender und Google Kontakte selbst zu kompilieren. Im Kasten "Libgcal und Googledata für Akonadi kompilieren" finden Sie weitere Informationen.

Libgcal und Googledata für Akonadi kompilieren

Die Installation dieser Module benötigt eine sehr aktuelle Version von KDE 4, wie sie beispielsweise Kubuntu "Jaunty Jackalope" 9.04 beinhaltet. Andere Distributionen bringen oft die benötigen Abhängigkeiten nicht mit. Zuerst müssen Sie die benötigen Bibliotheken und Kompilierwerkzeuge installieren:

$ sudo apt-get install akonadi-kde libcurl4-openssl-dev libxml2-dev ca-certificates autoconf libtool git-core cmake kdelibs5-dev kdepimlibs5-dev subversion

Danach laden Sie die aktuelle Entwicklerversion von Libgcal herunter und kompilieren diese Bibliothek. Den Quellcode dafür holen Sie aus der Versionsverwaltung des Projekts:

$ git clone git://repo.or.cz/libgcal.git
$ cd libgcal
$ autoreconf -i -f
$ mkdir build && cd build
$ ../configure && make && sudo make install

Anschließend müssen Sie das Plugin Googledata für Akonadi kompilieren:

$ svn co svn://anonsvn.kde.org/home/kde/trunk/extragear/pim/googledata/
$ cd googledata
$ mkdir build && cd build
$ cmake -DCMAKE_INSTALL_PREFIX=/usr -DCMAKE_BUILD_TYPE=debugfull ..
$ make && sudo make install

Nun starten Sie den Akonadi-Server unter Systemeinstellungen | Erweitert | Akonadi-Einrichtung | Einrichtung des Akonadi-Servers neu. Danach sollten Sie wie in Abbildung 4 gezeigt unter Einrichtung der Akonadi-Ressourcen die neuen Google-Ressourcen hinzufügen. Abschließend richten Sie in KOrganizer noch einen neuen Kalender mit dem Typ Akonadi-Ressource ein – die Quelle nennt sich akonadi_gcal_ressource_0. Für die Google-Kontakte in Kontact ist das Vorgehen identisch. Allerdings erwies sich Kontact im Test danach als instabil und stürzte oft ab.

Abbildung 4: Akonadi kann ebenfalls mit Google synchronisieren.

Aufgabenverwaltung

Android bringt von Haus aus kein Programm mit, um Aufgabenlisten zu verwalten. Dafür empfiehlt sich das quelloffene Programm Astrid [6], das Sie über den Market installieren. Zusammen mit dem kostenlosen Internetdienst Remember The Milk [7] verwalten Sie dann ihre Aufgaben am Android-Handy, im Internet und mit diversen Programmen wie beispielsweise Tasque [8].

Datenaustausch

Der Transfer von Daten vom Android-Handy auf den Linux-PC klappt problemlos. Sobald Sie das USB-Kabel an das Handy und den Rechner anstecken, fungiert das Gerät als Wechseldatenträger. So laden Sie mit dem Handy erstellte Fotos oder Videos bequem auf Ihren PC und andersherum Musik komfortabel und schnell auf das Handy.

Für den Betrieb mit WLAN lassen sich Android-Handys mit einem FTP- oder SSH-Server aufrüsten. Einen FTP-Server wie etwa SwiFTP [9] installieren Sie über den Market mit wenigen Klicks, ein SSH-Server bräuchte jedoch ein "gehacktes" Android, das über einen Root-Zugriff verfügt. Seit dem ersten Update von Samsung kann man sich auf dem Galaxy Root-Rechte verschaffen. Anleitungen dafür kursieren in den einschlägigen Foren – bei solchen Manipulationen am System ist aber immer Vorsicht geboten.

Einziger Wermutstropfen in Sachen Datentransfer ist das Kapitel Bluetooth: Bislang wurde das Obex-Push-Protokoll, das Dateitransfers via Bluetooth ermöglicht, noch nicht für Android umgesetzt. Erst Android 2.0 soll die Bluetooth-Fähigkeiten des Androiden weiter ausbauen. "Donut", der permanente Entwicklungszweig von Android, soll die entsprechenden Fähigkeiten im Spätsommer 2009 erhalten – bis dahin müssen Sie also auf Datentransfers via Bluetooth verzichten.

GPS-Tracks aufzeichnen

Android Handys wie das Samsung Galaxy verfügen über die Möglichkeit, GPS-Signale zu empfangen und so die Position des Geräts exakt zu bestimmen. Das ermöglicht beispielsweise, eine Karte mit der aktuellen Position anzuzeigen. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Anwendungen im Market, die das Galaxy zu einem vollwertigen GPS-Empfänger machen.

Als Beispiel sei hier MyTracks [10] genannt. Das Programm speichert fortlaufend die aktuelle Position und Geschwindigkeit. Die Daten stellt das Handy in der Karte dar, auf Wunsch laden Sie diese dann zu Google Maps hoch oder exportieren sie als GPX-Datei. In Anwendungen wie GPX Viewer [11] betrachten Sie die GPS-Tracks dann auf Ihrem Desktop. Wer lieber mit Openstreetmap arbeitet, der findet mit dem DroidCollector [12] im Market auch eine Anwendung, die direkt mit OSM kooperiert.

Fazit

Die Kinderkrankheiten einmal außer Acht gelassen, stellen Android-Handys im Allgemeinen und das Samsung Galaxy im Speziellen eine gute Alternative zu den etablierten Smartphones mit proprietären Betriebssystemen dar. Auch ohne Betriebsystem aus Redmond oder Cupertino bietet Android eine einfache Synchronisation mit dem (Linux-) Desktop und einfachen Datenaustausch per Datenkabel oder WLAN.

Glossar

IMAP

Im Gegensatz zu POP verbleiben bei IMAP die E-Mails auf dem Server. Desweiteren lassen sich auch ausgehende E-Mails auf dem Server speichern. So greifen Sie von allen Geräten aus auf einen identischen Datenbestand zu.

GPX

GPS Exchange Format. Ein offenes und lizenzfreies Datenformat zur Speicherung von Geodaten (GPS-Daten). Es erleichtert den Austausch von Geodaten zwischen verschiedenen Programmen und wird von zahlreichen Anwendungen unterstützt.

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