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© Jeff Hire, sxc.hu

Prickelndes KDE

Plasmoiden und Aktivitäten unter KDE 4

04.09.2009
In der Standard-Konfiguration von KDE 4 bietet Plasma einen traditionellen Desktop mit Startmenü, Kontrollleiste und Arbeitsfläche. Damit sind die Fähigkeiten von Plasma jedoch noch lange nicht ausgeschöpft: Nur die Phantasie des Anwenders setzt den Möglichkeiten des neuen K-Desktops Grenzen.

Auf einem traditionell strukturierten Desktop findet sich jeder halbwegs erfahrende Computeranwender schnell zurecht. Angesichts dessen erscheint die verbreitete Tendenz nur allzu verständlich, an Gewohnheiten festzuhalten, auch wenn diese Einschränkungen mit sich bringen. So trafen einige Ansätze der Entwickler des Plasma-Desktops von KDE 4 erst einmal auf Unverständnis bei den Anwendern. Besonders das Fehlen der Symbole aus dem Desktop-Ordner traf viele Anwender unvorbereitet und sorgte für Protest. Doch wer über Beschränkungen hinaus gehen möchte, der probiert Neues aus.

Die KDE-4-Arbeitsfläche bietet einen sehr großen Spielraum für Entdecker. Der Plasma-Desktop vereint die Kontrollleiste, mehrere Startmenü-Varianten, die Arbeitsfläche, den Programmstarter KRunner sowie eine praktisch beliebige Anzahl weiterer Elemente (so genannte Plasmoiden) unter einem gemeinsamen Dach.

Ein Plasmoid besteht aus der Programmlogik, einer Grafik im SVG-Format, Metadaten sowie einer Konfigurationsdatei [1]. Sogenannte Behälter – im Englischen "Containments" – wie etwa den für den Desktop selbst sowie die Kontrollleiste ordnen mehrere Plasmoiden in einem Bereich passend an.

Ein Rechtsklick auf den Desktop oder ein Klick in der oberen rechten Bildschirmecke auf die "Cashew-Nuss", die "Wunderlampe" oder die "Eishockey-Scheibe" – wie sie der Plasma-Entwickler Aaron Seigo nennt – erschließt die Welt der Plasmoiden. Das Hinzufügen eines neuen Plasmoiden gelingt intuitiv per Doppelklick oder Drag & Drop auf den Desktop oder in die Kontrollleiste. Die Kontrollleisten selbst bieten für das Hinzufügen und Konfigurieren von Plasmoiden ebenfalls eine solche Cashew-Nuss.

Aktivitäten

Es gibt Plasmoiden zur Dateiverwaltung, für die Integration von Webdiensten, es gibt kleine Spiele für den Desktop, Systemmonitore und vieles weitere mehr. Da erscheint es sinnvoll, thematisch zueinander passende Plasmoiden auf unterschiedliche Arbeitsflächen zu verteilen. Dafür eignet sich hervorragend die (von den Entwicklern ziemlich gut versteckte) Möglichkeit, so genannte Aktivitäten einzurichten [2].

Mittels eines Linksklick auf die Cashew-Nuss und Auswahl des Menüpunkts Verkleinern stellt der KDE-4-Desktop Aktivitäten neben- und untereinander dar (Abbildung 1 und Abbildung 2). Wollen Sie mehr als eine davon nutzen, klicken Sie im Menü links oben auf den Punkt Aktivität hinzufügen. Jede Aktivität lässt sich mit unterschiedlichen Miniprogrammen bestücken und mit eigenen Einstellungen versehen.

Abbildung 1: Das Lupensymbol Verkleinern bildet der Schlüssel zu den Aktivitäten.
Abbildung 2: Die Zoom-Ansicht mit einer auf die Hälfte verkleinerten Aktivität und dem Aktivitäten-Menü.

Das via Rechtsklick erreichbare Menü bietet Zugriff auf die Einstellungen. Unter Arbeitsflächen-Aktivität geben Sie der Aktivität einen Namen. Unter Typ wählen Sie die Art des Desktop-Behälters (Abbildung 3). Der Behälter Arbeitsfläche nimmt einfach beliebige Plasmoiden auf. Die Ordner-Ansicht verwandelt die Aktivität indes in eine Arbeitsfläche, die den Inhalt eines Ordners wie Desktop anzeigt. Die Entwickler empfehlen zwar, zu diesem Zweck an einer passenden Stelle die Ordner-Ansicht als räumlich begrenztes Plasmoid zu platzieren. Möchten Sie aber, wie Sie es aus KDE 3 gewohnt sind, auf dem gesamten Desktop Dateien und Verzeichnisse platzieren, bietet dieser Behälter die Möglichkeit dazu. Die Einstellungen für die Arbeitsfläche verwandeln sich in die Einstellungen für Ordner-Ansicht. Einige KDE-Entwickler arbeiten an weiteren Desktop-Behältern.

Abbildung 3: Einstellungen für eine Aktivität mit der ausgeklappten Auswahl für den Desktop-Behälter.

Das Lupensymbol unterhalb einer Aktivität vergrößert die Ansicht wieder. Bei doppelter Verkleinerung füllt die Aktivität danach wieder den gesamten Bildschirm aus. So wählen Sie also die Aktivität, die Sie gerade nutzen möchten. Alternativ verwenden Sie dafür das (jedoch noch sehr rudimentäre) Plasmoid Aktivititätsleiste. Um von jeder Aktivität aus die Aktivitäten zu wechseln, müssen Sie es dieses Plasmoid auf jeder Aktivität oder alternativ in einer Kontrollleiste platzieren. Da die Aktivitätsleiste aber sehr viel Platz belegt, ist es sinnvoll, eine eigene Kontrollleiste für dieses Widget zu verwenden. Das Definieren eines Tastenkürzels für das Plasmoid hatte im Test indes keinen Effekt.

Als verwirrend erweist sich das Konzept der Aktivitäten in Zusammenhang mit den bereits aus früheren KDE-Versionen bekannten virtuellen Arbeitsflächen. Aktivitäten und virtuelle Arbeitsflächen haben zunächst einmal nicht das Geringste miteinander zu tun. Die gerade eingestellte Aktivität erscheint vielmehr standardmäßig auf sämtlichen virtuellen Desktops. Wer Plasmoiden zu einem Thema mit den passenden KDE-Anwendungen auf einer virtuellen Arbeitsfläche kombinieren möchte, der kommt mit diesen Ansatz nicht weit, da eine Aktivität nur den Desktop-Behälter mit Hintergrundbild und Plasmoiden umfasst. Ein Wechsel der Aktivität beeinflusst also nicht, welche Fenster der Fenster-Manager präsentiert.

Für diesen wohl gebräuchlichen Anwendungsfall gibt es dennoch eine Lösung. Wählen Sie in der verkleinerten Ansicht aus dem Menü links oben Plasma einrichten... und aktivieren Sie dort Unterschiedliche Aktivitäten für jede virtuelle Arbeitsfläche (Abbildung 4). Zusätzlich besteht die Möglichkeit, für das Dashboard eine eigene Aktivität zu verwenden.

Abbildung 4: Ziemlich versteckt, aber sehr praktisch ist die Möglichkeit, jeder Arbeitsfläche eine eigene Aktivität zuzuordnen.

Als besonders praktisch erwies sich im Test, jedem virtuellen Desktop fest eine Aktivität zuzuordnen und beide gleich zu benennen. Die Wahl erfolgt in der Zoom-Ansicht über das Lupensymbol Vergrößern unterhalb der gewünschten Aktivität. Bei diesem Setup wechseln Sie mit dem Umschalter für virtuelle Arbeitsflächen gleichzeitig die Aktivitäten und sparen sich zusätzlich das Plasmoid zum Wechseln der Aktivitäten. Praktischerweise erhält so jeder Desktop wahlweise auch ein eigenes Hintergrundbild. So entstanden im Test vier Aktivitäten-Desktop-Paare (Abbildung 5):

  • Dokumente mit Ordneransicht, Vorschau und Dolphin,
  • Kommunikation mit Kontact und den passenden Widgets,
  • Informationen für Webbrowser und webbasierte Plasmoiden, sowie
  • System mit Konsole und Monitor-Plasmoiden.
Abbildung 5: Die Aktivität Information mit den Plasmoiden News, YAWP und Webseite.

Plasmoiden

KDE 4.3 liefert bereits eine Standard-Auswahl von Plasmoiden mit. Weitere Plasmoiden sowie diverse Plasma-Zusätze finden sich bei Debian und Ubuntu in den Paketen plasma-widgets-addons und kdeplasma-addons. Unter OpenSuse installieren Sie das Paket plasma-addons. Zusätzlich gibt es noch weitere Quellen im Internet.

Ein Plasmoiden-Paket enthält das Plasmoid in einem wohldefinierten Format für die automatische Installation und Deinstallation. Jedes zusätzlich vom Anwender installierte Plasmoid landet in einem Unterverzeichnis in ~/.kde/share/apps/plasma/plasmoids beziehungsweise ~/.kde4/share/apps/plasma/plasmoids. Einige Plasmoiden, wie Yet Another Weather Plasmoid, kommen indes mit einer Installationsroutine, die das Plasmoid systemweit unterhalb von /usr oder /opt/kde installiert.

Drei Quellen erschließt Neue Miniprogramme hinzufügen im Fenster zum Hinzufügen von Miniprogrammen. Der Menüpunkt Neue Miniprogramme herunterladen lädt neue Plasmoiden aus dem Internet, derzeit ausschließlich von KDE-Look.org. Anfangs liefen Python-basierte Plasmoiden weder unter Debian und Ubuntu noch unter OpenSuse [3]. In Ubuntu ist dieses Problem allerdings mittlerweile behoben (Abbildung 6). So lassen sich laut Statistik von KDE-Look.org nun so beliebte Plasmoiden wie Magic Folder zum Einsortieren von Dateien in Verzeichnisse, Tarmoid zum Erstellen von Archiven, QuickUrl zum Zugriff auf Lesezeichen sowie das Plasma-basierte Mini-Terminal PlasmaCon nutzen.

Abbildung 6: Die Python-Plasmoiden Magic Folder, Tarmoid, Plasmacon, Logviewer und Pyweather unter Ubuntu.

Die Auswahl von Herunterladen neuer Google Gadgets startet den Gadget-Browser für Google-Gadgets, sofern Sie vorab die Skript-Engine für die Google-Gadgets (plasma-scriptengine-googlegadgets unter Debian und kdebase4-workspace-google-gadgets unter OpenSuse) installiert haben. Für Ubuntu fanden sich allerdings keine passenden Pakete, bei der Auswahl eines Google-Gadgets stürzte Plasma reproduzierbar ab [4]. Warten Sie also besser auf einen Bugfix für den Gadget-Browser oder installieren Sie die Google-Gadgets direkt von Google.

Den Punkt Neues Miniprogramm aus lokaler Datei installieren... nutzen Sie, um ein manuell heruntergeladenes Plasmoid einzurichten. Für diese Installationsart kommen nicht nur "echte" Plasmoiden, sondern auch Mac-OS-X-Dashboard-, Superkaramba-, Web-, Google-Gadgets- und QEdje-Miniprogramme ([5],[6]) infrage. Ziehen Sie die Befehlszeile vor, dann nutzen Sie dort für den selben Zweck den Befehl plasmapkg mit den Optionen --list, --install. Bei der Installation lässt sich mit --type der Paket-Typ (wie etwa dashbord) angeben. Die Option --remove schließlich bietet ein einfache und schnelle Möglichkeit zum Entfernen von Plasmoiden.

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