Egal ob OpenOffice, Content Management System oder E-Book: das XML-Format hat sich als Standard für sehr viele Aufgaben etabliert. Wer damit arbeiten möchte, kommt um einen guten Editor nicht herum, zum Beispiel Syntext Serna [1]. Den gibt es seit Ende Juni in einer unter der GPL stehenden Variante Syntext Serna Free. Auf der Homepage findet sich daneben die Serna Enterprise Edition sowie eine Trial-Version zum Download.

Die Enterprise-Version enthält neben dem eigentlichen Editor zusätzlich spezielle Module für das gemeinsame Bearbeiten von XML-Dateien und Referenzen. Zudem gibt es Plugins für den Drag-&-Drop-Support aus Microsoft Word und für Active X. Die Serna-Homepage listet die Unterschiede zwischen der freien und der Enterprise-Version in einem Feature-Vergleich [2].

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, für die Enterprise-Version eine freie Lizenz zu beantragen – Syntext bietet diesen Dienst an, da es die GPL-Version als nicht getestet bezeichnet. Für diesen Artikel nutzten wir die GPL-Variante in der Ende August aktuellen Version 4.2 [3]. Der Quellcode der freien Version steht in einem Subversion-Repository zum Download bereit. Der folgende Befehl überträgt diesen auf den heimischen Rechner:

svn checkout svn://oss.syntext.com/oss/serna-free/trunk

Für den Kompiliervorgang benötigt der XML-Editor allerdings sehr viele externe Bibliotheken, sodass sich in den meisten Fällen der Aufwand nicht lohnt und Sie besser zum RPM- oder TGZ-Paket greifen.

Vorlagensammlung

Nach der Installation starten Sie Serna nach der Installation über den Befehl serna-4.2. Das Programm zeigt beim Start einen Auswahldialog an, über den Sie zwischen den gängigen XML-Publikationsformaten wählen können, darunter zum Beispiel Dito- und Docbook-Beispiele. Arbeiten Sie zum ersten Mal mit dem Programm, empfiehlt sich die Serna Users's FAQ als Einstiegsdokument zu lesen.

Die grafische Oberfläche (Abbildung 1) gliedert sich in vier Bereiche: neben dem eigentlichen XML-Dokument in der rechten Fensterhälfte und der Menü- und Werkzeugleiste am oberen Fensterrand, zeigt Syntext Serna auf der linken Seiten die Struktur des Dokuments in einer Baumansicht dar.

Abbildung 1: Die Content-Map auf der linken Seite zeigt die Struktur mit den zugehörigen Tags an. Welche Dokumente Sie gerade bearbeiten, sehen Sie unten links.

Am unteren Fensterrand befindet sich die Statuszeile beziehungsweise Fehlerausgabe von Serna. Zwei wichtige Elemente befinden sich in der unteren linken Ecke: über die vier Symbole schalten Sie zwischen den einzelnen Ansichtsmodi um und aktivieren das Infofenster. Haben Sie mehrere Dokumente geöffnet, holen Sie zudem per Klick auf den passenden Reiter das gewünschte Dokument in den Vordergrund.

Neben dem Startdialog bietet Syntext Serna über Document | New Document einen weiteren Auswahldialog, der die am weitesten verbreiteten XML-Contenttypen zur Auswahl listet (Abbildung 2). So erstellen Sie über wenige Mausklicks zum Beispiel ein Docbook-Dokument. Syntext Serna installiert sich im Verzeichnis /usr/local/serna-Versionsnummer: Möchten Sie Änderungen an den Stylesheets oder DTD-Dateien vornehmen, müssen Sie hier suchen.

Abbildung 2: Vorgefertigte Dokumentenschablonen sorgen für einen schnellen Start.

Arbeiten mit Serna

Wer zum ersten Mal in Serna ein Dokument editiert, kommt sich vor wie ein Umsteiger von Word auf Lyx [4]: Serna hält sich strikt an das benutzte XML-Schema und erlaubt keine beliebigen Tags. Die wichtigste Taste bei der Arbeit mit Serna ist die Steuerungstaste. Über [Strg]+[Eingabe] öffnen Sie ein neues Tag. Serna zeigt dazu eine entsprechende Auswahlbox mit den möglichen Elementen an.

Bei XML-Elementen, die eine Auswahl benötigen (zum Beispiel die Autoreninformation), erscheint ein grünes Feld mit der Aufschrift Choose. Hier wählen Sie per Mausklick die weiteren Unterelemente aus. Widerspricht der Validierungsmodus von Serna dem eigenen Wissen, lässt sich die strikte Validierung über Edit | Validation ausschalten oder von Strict auf On umstellen. Im diesem Modus fügt Serna das gewünschte Element zwar ein, zeigt aber einen Warnhinweis an, wenn es der strikten Validierung widerspricht.

Während die Auswahlbox zum Beispiel bei einem einfachen Docbook-Text mit wenig Elementen das Schreiben durch die sehr vielen möglichen Elemente eher verlangsamt, zeigt sich der wahre Nutzen des WYSIWYG-Editors beim Einfügen einer Grafik oder einer Tabelle. Hier klicken Sie einfach auf das entsprechende Symbol in der Werkzeugleiste oder wählen Edit | Custom Content und fügen so über wenige Klicks eine Grafik oder auch komplizierte Tabellen ein.

Wählen Sie zum Beispiel für ein neues Dokument die Kategorie Docbook V4.5 und als Schablone Book, dann erstellt der Editor ein neues Dokument mit den Einträgen Title, Table of Contents und Draft area for "book" metainfo auf der Startseite. Springen Sie als erstes mit dem Cursor auf das Tag Title oder klicken Sie einfach auf Title, um den neuen Titel einzufügen.

Anschließend öffnen Sie über [Strg]+[Eingabe] die Auswahlbox für die Elemente und wählen zum Beispiel subtitle für einen Untertitel oder chapter für das erste Kapitel. Je nachdem, wo sich der Mauszeiger befindet, ändert sich die Liste der möglichen Elemente. Beim chapter müssen Sie zudem mindestens eines der Tags chapterinfo oder title einfügen, um mit para fortfahren zu können und so weiter (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein einfaches Docbook-Dokument. Die englischen Einträge ändern Sie über das Attribut lang='de'.

In der Grundeinstellung nutzt Serna für alle Dokumente Englisch als Standardsprache. Möchten Sie dies ändern, können Sie entweder die Sprache für das komplette Dokument auf Deutsch umstellen, oder nur für einzelne Elemente. Dazu klicken Sie mit einem Rechtsklick auf ein Element und wählen Edit Attributes. Im neuen Dialog klicken Sie unten links auf das Symbol mit dem @- und dem Plus-Zeichen und wählen über die Dropdownliste das Attribut lang aus. Ins Wertefeld tragen Sie dann von Hand de oder eine andere Sprachabkürzung.

Fügen Sie das Attribut zum Haupttag hinzu (beim Docbook-Beispiel das Tag book), dann ändert sich die Sprache für sämtliche Elemente, wählen Sie das Attribut zum Beispiel nur für ein Kapitel, dann gilt es nur für die jeweilige Überschrift bzw. den Kapitelinhalt. So bringen Sie zum Beispiel in einem deutschen Text eine Zusammenfassung in Englisch unter und umgekehrt.

Kritikpunkte

Die Schwachstelle von Serna liegt beim Editor: Obwohl die Arbeit mit wohlgeformten und validen XML-Dateien theoretisch nie einen echten Editor benötigt, sahen wir uns in den Tests doch ab und zu gezwungen, über [F6] den textbasierten Editor einzuschalten. Hier bietet Serna außer einem einfachen Syntax-Highlighting fast keine Features. Es fehlen zum Beispiel Zeilennummern oder reguläre Ausdrücke beim Suchen und Ersetzen. Auch eine deutsche Rechtschreibprüfung fehlt dem Programm.

Als alternativer Editor bietet sich zum Beispiel das KDE-Programm Kate an, wer eine hübsche grafische Oberfläche sucht, findet eventuell am Java-Programm XXE von Xmlmind [5] Gefallen. Es verfolgt allerdings keinen WYSIWYG-Ansatz.

Für das Layout setzt Syntext Serna komplett auf XSL/XSLT und die entsprechenden Formatierungsobjekte (XSL-FO). Wer seinen XML-Dokumenten bisher über CSS-Dateien zu einem hübschen Aussehen verhalf, muss mit Syntext Serna auf dieses Feature verzichten.

Fazit

Syntext Serna richtet sich in erster Linie an professionelle Anwender, die mit Docbook oder Dito arbeiten und über passende Dokumenttyp-Definitionen verfügen. Für diese Aufgabe bietet die freie Version sehr viele Werkzeuge und Vorlagen mit. Wer sich wenig bis gar nicht um validen XML-Code kümmert und nur mal kurz eine XML-Datei editieren möchte, kommt mit einem gewöhnlichen Editor und Syntax-Highlighting schneller zum Ziel.

Das eigentliche Publishing beziehungsweise die Transformation ins PDF- oder HTML-Format klappte im Test nur teilweise, da die Pfadnamen für die Document Type Definitions nicht immer stimmten.

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