Endlich angekommen
KDE 4.3 in der Praxis
Der Desktop
Der Systemabschnitt der Kontrollleiste gruppiert zusammengehörige Benachrichtigungen und blendet diese nach einer Weile automatisch aus, sofern Sie das nicht abschalten. So legt sich etwa eine Passwortabfrage der digitalen Brieftasche KWallet nicht mehr störend in den Vordergrund, während man gerade woanders tippt – das selbe Verhalten würde man sich auch für Termin-Erinnerungen wünschen.
Die anzuzeigenden Aktionen lassen sich flexibel wählen, etwa nur Benachrichtigungen von Anwendungen, nur Meldungen zu Dateiübertragungen oder andere Aktionen. Bei vielen anstehenden Nachrichten bekommt das System allerdings Probleme: Ungruppierte Nachrichten muss man einzeln schließen (Abbildung 3), bei über rund drei Dutzend Nachrichten ließ sich im Test die Ansicht nicht mehr öffnen. Manchmal stellt der Systemabschnitt Nachrichten nicht vollständig oder mit überlappenden Texten dar.
Welche Kategorien von Symbolen im Systemabschnitt zu sehen sind, können Sie ebenfalls individuell einstellen. Bestimmte Symbole zeigt das Applet nur im ausgeklappten Zustand an – welche, das legen Sie über Automatisch ausblenden in den Einstellungen fest. Zudem bietet der Systemabschnitt ein neues Framework zur Kommunikation mit Anwendungen, das Probleme mit dem alten Ansatz beheben soll. Der Schlüsselverwalter KGpg nutzt es bereits.
Der neue KRunner bringt mehr Übersichtlichkeit, in dem er die gefundenen Elemente untereinander anstatt nebeneinander anordnet und mit einem erklärenden Text ergänzt (Abbildung 4). Als nützlich erweist sich die über das Fragezeichen-Symbol zugängliche Hilfe. Neben Programmen findet KRunner auch die zuletzt geöffneten Dokumente, Kate-Sitzungen, besuchte Webseiten, Dateimanager-Orte, Konqueror-Profile und vieles weitere mehr. Nützlich sind auch die Konqueror-Webkürzel: Geben Sie Webkürzel ein, um diese einzusehen oder zu ändern.
Das traditionelle KDE-Menü zeigt wahlweise die zuletzt geöffneten Anwendungen und einen Menüpunkt für die System-Einstellungen (Abbildung 5). Die Zwischenablage Klipper bietet für ausgeschnittene Dateinamen automatisch passende Aktionen an. Diese praktische, aber bisweilen noch etwas aufdringliche Funktion schalten Sie via Zwischenablageaktionen aktivieren im Kontextmenü des Klipper-Symbols aus.
Die Systemeinstellungen bringen als Option die von einigen KDE 3-Nutzern vermisste Baumansicht wieder. Ein Einstellungsmodul für Solid erlaubt, Aktionen für eingesteckte Geräte oder eingelegte Medien zu definieren (Abbildung 6).
Auch Dolphin kommt mit neuen Funktionen. Symbole für Verzeichnisse mit Bildern versieht der Dateimanager mit durchwechselnden Thumbnails. Zudem spielt das Programm auch für Audio- und Video-Dateien Vorschauen ab. Unter Ansicht | Sortieren nach wählen sie, ob Dolphin Ordner vor Dateien anzeigt oder beides mischt.
Praktisch – wenn sie denn funktioniert – ist die neue Desktop-Suche in Dolphin, die auf Nepomuk und Soprano zurückgreift. Sie erreichen sie über das Suchfeld oder die Eingabe von nepomuksearch:/ als URL. So finden Sie im Handumdrehen kürzlich abgespielte Musikstücke oder suchen Dateien nach Stichwörtern, die Sie zum Beispiel mit Dolphin vergeben haben. Mit dem Redland-Backend für Soprano funktionierte dies jedoch mit keiner der getesteten Distributionen auf Anhieb. OpenSuse und Ubuntu paketieren in soprano-backend-sesame das alternative, auf Java basierende Backend Sesame. Das Debian-KDE-Team wartet derzeit noch auf ein brauchbares Backend [8].
Die PolicyKit-Integration bietet einen einheitlichen Authentifizierungsmechanismus, um Privilegien zu erlangen [9]. Außer dem entsprechenden Einstellungsmodul ist davon jedoch noch nicht viel zu sehen. Die Idee dahinter: Programme, die Aktionen als root vornehmen müssen, starten dafür einen Dienst, der mit administrativen Rechten läuft. Dann verwenden sie PolicyKit, um den Zugriff auf den Dienst zu regulieren.
PolicyKit eignet sich zum Beispiel zum Einsatz für Systemeinstellungen, die sich nur mit Root-Rechten ändern lassen – etwa diejenigen für den Anmeldungsmanager KDM. PolicyKit bietet hier eine Alternative zum unsicheren Einbetten eines komplett mit Root-Rechten laufenden Einstellungsmoduls, wie es unter KDE 3 noch üblich war. Der bislang noch externe Paketquellenmanager KPackageKit nutzt diesen Mechanismus bereits.
Anwendungen
Auch bei den Anwendungen hat sich einiges getan. Kopete verfügt über eine überarbeitete, an Qt4 angepasste Kontakt-Liste. KMail unterstützt das Einfügen von Bildern in HTML-Nachrichten, KAlarm beherrscht den Export von Alarmen in eine Kalenderdatei. Das Programm erstellt zudem einen neuen Alarm für eine aus KOrganizer herübergezogene Aufgabe.
Der Dateiviewer Okular liest das weit verbreitete, von der französischen Amazon-Tochter Mobipocket SA entwickelte E-Book-Format Mobipocket. Der Desktopglobus Marble zeigt auch den Mond sowie andere Planeten wie Venus oder Mars an und integriert die Online-Dienste Wikipedia und Flickr (Abbildung 7). Der komfortable Hex-Editor Okteta erhielt einen Dateisystembrowser, eine Übersicht über die geladenen Dokumente sowie eine Lesezeichenverwaltung. Der Archivierer Ark unterstützt Infozip-Archive und kommt mit Gzip oder Bzip2 gepackten Dateien besser zurecht. Verständlichere Fehlermeldungen erhöhen zudem die Benutzerfreundlichkeit. KGpg importiert Schlüssel nun auch von einem Schlüsselserver, nicht nur aus lokalen Dateien.
Die Spiele-Entwickler waren ebenfalls fleißig: So enthält KDE 4.3 das Spiel KTron wieder. Viele Games kommen mit einem neuen ägyptisch angehauchten Standardthema (Abbildung 8). KGoldRunner, ein Minerunner-Clone, zeichnet Partien auf und spielt sie auf Wunsch wieder ab. Ein Demo-Modus verdeutlicht das Spielprinzip. KPatience merkt sich optional den Zustand vor dem Verlassen, damit der Spieler beim nächsten Mal genau dort weitermachen kann. KMahjongg bringt 70 von KDE-Anwendern beigesteuerte neue Level mit.



