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© Okea, fotolia.de

Eiszeit

Fenstermanager IceWM

02.09.2009 Gnome und KDE fressen mit jeder neuen Versionsnummer mehr Hauptspeicher und Rechenleistung. Das macht sich gerade auf älteren PCs schnell unangenehm bemerkbar. IceWM bietet da eine schlanke, effiziente Desktop-Alternative.

Mit ihrer Marktmacht haben Gnome und KDE fast alle übrigen Fenstermanager in Nischen abgedrängt. So leistete die Konkurrenz fast nur noch auf Rettungs-CDs ihre Dienste oder hauchte in Spezialdistributionen älteren Rechnern neues Leben ein. Erst mit der Einführung der Netbooks erlebten die schlanken Fenstermanager eine kleine Renaissance. Einer der beliebtesten Vertreter dieser Gattung hört auf den Namen IceWM. Er steckte sogar unter der schicken Oberfläche der ersten EeePCs von Asus. Höchste Zeit also, sich den kleinen Kerl etwas näher anzuschauen.

Ins Leben gerufen wurde IceWM bereits 1997 von Marko Macek, der seinen Fenstermanager nach wie vor emsig weiterentwickelt. Besonderen Wert legt er dabei auf eine hohe Geschwindigkeit, Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit. Als minimale Hardwarevoraussetzung nennt die Homepage einen 386-Prozessor, wie er Ende der 80er Jahre aktuell war. IceWM läuft folglich auf jedem Rechner, auf dem eine grafische Oberfläche in Form des X Window Systems startet.

All inclusive

Die unter der freien und liberalen GNU-LGPL-Lizenz stehende Software liegt fast jeder Distribution bei. Möchten Sie IceWM einmal ausprobieren, müssen Sie also in der Regel dazu nur den Paketmanager anwerfen. Das entsprechende Paket trägt für gewöhnlich den schlichten Namen icewm (Abbildung 1). Zusätzlich finden Sie meist noch eine als icewm-lite oder icewm-light titulierte Spielart. Hier handelt es sich um eine abgespeckte, absolut minimalistische IceWM-Fassung. Zwar arbeitet sie besonders genügsam, dafür fehlt jedoch mitunter sogar die Taskleiste am unteren Bildschirmrand. Legen Sie auf eine gewisse Auswahl bei der optischen Gestaltung Wert, dann lohnt der zusätzliche Griff zum Paket icewm-themes. Manche Distributionen (wie etwa OpenSuse) installieren den schlanken Fenstermanager übrigens sogar standardmäßig – vermutlich vorsorglich als Rettungsschirm für Notfälle.

Abbildung 1: Je nach Distribution besteht IceWM aus mehreren Paketen, von denen man aber nur icewm einspielen muss.

Wie man anschließend auf IceWM umschaltet, hängt von der verwendeten Distribution ab. Bei Ubuntu melden Sie sich zunächst wieder ab und klappen im Anmeldebildschirm links unten die Einstellungen auf. Dort aktivieren Sie Sitzung wählen ..., markieren den Punkt IceWM und lassen die Sitzung ändern (Abbildung 2). Anschließend melden Sie sich wie gewohnt an. Ubuntu fragt jetzt nach, ob Sie den neuen Fenstermanager zukünftig immer verwenden und ihn deshalb Zur Vorgabe machen wollen. Sofern Sie das erste Mal mit IceWM arbeiten, sollten Sie ihn Nur für diese Sitzung aktivieren. Nach dem Abmelden ist dann wieder alles beim Alten.

Abbildung 2: Im Anmeldebildschirm der Distribution (hier von Ubuntu) wählt man bequem einen Fenstermanager aus.

Ähnlich gehen auch OpenSuse-Besitzer vor: Wählen Sie im Anmeldebildschirm den Benutzer, woraufhin neben der Frage zum Passwort am unteren Rand mehrere Ausklapplisten erscheinen. In der mit dem nach links gerichteten Pfeil dürfen Sie dann auf IceWM umschalten.

Installation per Hand

Liegt IceWM Ihrer Distribution wider Erwarten nicht bei, installieren Sie den Fenstermanager Ruck-Zuck aus dem Quellcode. Dazu laden Sie unter [1] die aktuellste stabile Version herunter und entpacken das nur wenige KByte große Archiv auf der Festplatte. Stellen Sie sicher, dass der C++-Compiler (in der Regel im Paket g++) und das Entwicklungspaket von libxpm installiert sind. Unter Ubuntu 9.04 benötigen Sie zusätzlich noch die Pakete gettext, libxft-dev, libxinerama-dev, imlib11-dev und libxrandr-dev. Anschließend setzen Sie den Befehl ./configure ab. Alternativ führt ./configure --enable-lite zur abgespeckten Fassung. Ein make erstellt IceWM, während es sudo make install den Fenstermanager einspielt. Zum Schluss müssen Sie noch die Zeile

exec icewm-session

in die Datei ~/.xsession eintragen – bei einer Anmeldung an der Konsole verwenden Sie stattdessen ~/.xinitrc. Am besten legen Sie zunächst ein Backup der Datei an und erstellen eine neue Version inklusive der obigen Zeile.

TIPP

Ganz ohne Installation lässt sich IceWM von einer der zahlreichen Live-CDs ausprobieren, besonders empfehlenswert ist hier das winzige Puppy Linux. Um auf IceWM zu wechseln, gibt es – wie auch bei vielen anderen Live-CDs – einen gut versteckten Schalter. Im Fall von Puppy Linux wählen Sie beispielsweise im Startmenü Shutdown, wechseln auf das Register Advanced und klicken dort auf Restart With Icewm.

Fensterln für Anfänger

Direkt nach dem Start von IceWM erscheint je nach Distribution ein mehr oder weniger karger Bildschirm, an dessen unterem Rand einsam eine Leiste hockt (Abbildung 3). Mit dem Erscheinen dieser so genannten Taskbar ist bereits der gesamte Desktop einsatzbereit. KDE- und Gnome-Besitzer dürfte die Startgeschwindigkeit sicherlich verblüffen.

Abbildung 3: Standardmäßig gibt sich IceWM ziemlich karg. Ubuntu verteilt die Programmauswahl zudem auf zahlreiche Untermenüs.

Bei der Bedienung fühlt sich IceWM ein bisschen an wie eine Mischung aus rudimentärem Windows, dem entschlafenen OS/2 und Gnome: Hinter der Schaltfläche am äußeren linken Rand der Taskbar steckt ein Startmenü, das zu allen installierten Anwendungen führt. Die Beschriftung des Knopfs hängt genau so von der Distribution ab wie die dahinter stehende Menüstruktur. In der Regel weicht letztere von den ansonsten gewohnten Gruppierungen ab. Beispielsweise findet man unter Ubuntu alle Systemprogramme noch einmal fein säuberlich sortiert unter Programme | Anwendungen | System. Den Inhalt des Startmenüs erhalten Sie auch jederzeit über einen Rechtsklick auf den freien Desktop. Auf diesem Weg bedienen Sie auch die abgespeckte Variante des IceWM.

Über den Startmenü-Eintrag Fenster wechseln Sie auf einen der vier virtuellen Desktops. (Klicken Sie dabei direkt auf den – optisch abgetrennten – Pfeil, so erscheint ein Untermenü und nicht gleich ein Fenster.) Noch schneller geht das mit einem Klick auf die von 1 bis 4 beschrifteten Knöpfe in der Taskbar. Welche Schaltflächen direkt rechts vom Startmenü stecken, hängt wieder von der Distribution ab.

Im Fall von Ubuntu (Abbildung 3) verschafft der erste Knopf einen freien Blick auf den Desktop, der mit den Fenstern schaltet auf einen virtuellen Desktop um, der Monitor startet ein Terminalfenster und das WWW einen Browser. Auf der genau gegenüberliegenden Seite der Taskbar tickt die Uhr; die schwarzen Symbole daneben zeigen den Netzwerkverkehr und die derzeitige Auslastung des Rechners als kleine fortschreibende Diagramme. Ein Doppelklick auf eines der Symbole startet ein passendes Programm, im Fall der Uhr beispielsweise XClock. Der noch freie Bereich der Taskbar nimmt wie gewohnt alle geöffneten Fenster auf.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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