E-Learning gibt es in vielen Varianten: Neben der Reinform, die sämtliche Inhalte eines Fortbildungs- oder Studienprogramms via Internet vermitteln will, sind auch Mischformen mit klassischem Präsenzunterricht interessant, die dann "Blended Learning" heißen. Software, die E-Learning unterstützt, sollte dabei mehr leisten, als nur eine rund um Kurse organisierte Datensammlung und die zugehörige Benutzerverwaltung anzubieten.
Zur Kategorie Course-Management-System (auch: Learning-Management-System, LMS) zählt das Programm Moodle [1], das ursprünglich der Informatiker und Pädagoge Martin Dougiamas nach didaktischen Überlegungen entwickelt hat. Die Software stellt nicht die Dateiverwaltung, sondern das Kursdesign in den Mittelpunkt, und bietet Dozenten, Lehrern und Professoren zahlreiche Möglichkeiten, interaktive Elemente in einen Kurs zu integrieren – darunter auch in Gruppen zu erledigende (Haus-)Aufgaben und Tests.
Ein besonders nützliches Feature von Moodle: Es stellt Elemente wie Glossare oder Wikis bereit, die Dozenten mit Aufgaben für die Kursteilnehmer verknüpfen können. So könnte es etwa eine Aufgabe sein, fünf neue Glossareinträge zu erstellen. Auf diese Weise erweitern die Kursteilnehmer die im Kurssystem gespeicherte Wissensbasis: Nach Kontrolle durch den Dozenten landen neue Einträge auf Wunsch in einem allgemeinen Informationspool, der allen Teilnehmern zur Verfügung steht und sich auch in späteren Kursen wiederverwenden lässt.
Moodle-Installation
Moodle setzt einen laufenden Webserver voraus – auf den meisten Rechnern wird das ein Apache 2.x sein. Legen Sie in der Apache-Konfiguration eine neue Domain an oder bearbeiten Sie die Einstellungen einer bereits vorhandenen, die Sie um ein Unterverzeichnis /moodle erweitern. Viele Moodle-Installationen enthalten neben dem LMS auch normalen Webcontent, weswegen die Verwendung eines Unterordners sinnvoll ist. Gibt es zunächst keine ergänzenden Inhalte für diese Domain, legen Sie eine Apache-Rewrite-Regel an, um vom Wurzelverzeichnis direkt nach /moodle zu springen. Listing 1 zeigt eine beispielhafte Apache-Konfiguration für die fiktive neue Domain moodletest.local. Die Rewrite-Engine arbeitet unter OpenSuse übrigens nur, sofern Sie in der Variable APACHE_MODULES in /etc/sysconfig/apache2 das Modul rewrite ergänzen.
# moodletest.local.conf <VirtualHost *> ServerName moodletest.local ServerAlias www.moodletest.local DocumentRoot /var/www/moodletest.local # folgende zwei Zeilen nur, falls es keinen # Content außer dem Moodle-System gibt RewriteEngine On RewriteRule ^/$ /moodle/ [R] ErrorLog /var/log/apache2/moodletest.local/error.log CustomLog /var/log/apache2/moodletest.local/access.log Combined </VirtualHost>
Die Virtual-Host-Datei gehört auf Debian-Systemen ins Verzeichnis /etc/apache2/sites-available, und Sie müssen sie von /etc/apache2/sites-enabled aus verlinken. Opensuse-Anwender kopieren die Datei hingegen in den Ordner /etc/apache2/vhosts.d/. Vergeben Sie die Dateiendung .conf, damit der Server sie erkennt. Falls Sie die Installation auf Ihrem Rechner daheim testen, legen Sie in /etc/hosts einen Eintrag der Form
127.0.0.1 moodletest.local
an, damit Sie später im Webbrowser diesen Rechnernamen verwenden können. Mit mkdir -p /var/log/apache2/moodletest.local erstellen Sie ein Verzeichnis für die Apache-Logdateien.
Debian-Anwender installieren mit apt-get die Pakete php4-gd, libgd-gd2-perl, mysql-server-5.0, php4-mysql und php4-curl und konfigurieren den MySQL-Server mit
# dpkg-reconfigure mysql-server-5.0
Unter OpenSuse 11.1 richten Sie die nötige Software ein, indem Sie mit zypper die Pakete php5, php5-gd, mysql, apache2-mod_php5, php5-mysql, php5-curl, php5-mbstring, php5-openssl, php5-xmlrpc und php5-zlib installieren. Den MySQL-Server aktivieren Sie hier mit
# rcmysql start; mysqladmin -u root password Passwort
Danach läuft der Server, und Sie haben dafür auch gleich noch ein Root-Passwort vergeben.
MySQL-Datenbank für Moodle
Legen Sie eine MySQL-Datenbank moodle an, auf die ein Benutzer moodle mit Passwort moo!dle zugreifen kann – Listing 2 zeigt die nötigen Befehle. Danach lassen Sie Apache und MySQL mit /etc/init.d/apache2 reload und /etc/init.d/mysql reload die jeweilige Konfiguration neu einlesen.
# mysql -u root -p mysql> create database moodle; Query OK, 1 row affected (0.00 sec) mysql> grant all on *.* to 'moodle'@'localhost' identified by 'moo!dle'; Query OK, 0 rows affected (0.01 sec) mysql> flush privileges; Query OK, 0 rows affected (0.00 sec) mysql> quit Bye
Die Befehle aus Listing 3 installieren Moodle in ein Unterverzeichnis von /var/www/moodletest.local – passen Sie den Pfad hier und in den folgenden Schritten an, wenn Sie einen anderen Ordner verwenden möchten.
$ export WEBROOT=/var/www/moodletest.local $ mkdir -p $WEBROOT; cd $WEBROOT $ wget http://download.moodle.org/stable19/moodle-weekly-19.tgz $ tar xzf moodle-weekly-19.tgz
Moodle benötigt ein Datenverzeichnis; standardmäßig /var/www/moodledata. Für dieses Verzeichnis muss der Benutzer, mit dessen Rechten Apache läuft, Lese- und Schreibzugriff haben. Suchen Sie in der Prozessliste nach apache oder httpd, um herauszufinden, unter welcher Benutzer-ID der Webserver läuft (Listing 4, Zeilen 1 bis 3). Dabei ignorieren Sie den ersten Apache-Prozess, der immer mit Root-Rechten läuft. Die richtige Benutzerkennung lautet in diesem Beispiel auf einem Debian-System www-data, andere Distributionen lassen Apache zum Beispiel unter der Kennung wwwrun laufen. Das moodledata-Verzeichnis richten Sie nun mit den Befehlen aus den Zeilen 4 bis 6 von Listing 4 ein.
# ps -ef | grep apache | head -2 root 24231 1 0 Mar15 ? 00:00:00 /usr/sbin/apache2 -k startwww-data 16310 24231 0 11:59 ? 00:00:00 /usr/sbin/apache2 -k start # mkdir /var/www/moodledata # chown www-data /var/www/moodledata # chown www-data $WEBROOT/moodle



