Für manche unter Windows lieb gewonnenen Programme gibt es unter Linux keine Entsprechungen. Wer solche Software unter Linux nutzen möchte, kommt nicht umhin, sie entweder in einer virtuellen Maschine zu starten – oder mit Wine. Ersteres setzt jedoch ein vorhandenes Windows-Installationsmedium samt Lizenz voraus, das Sie zur Installation in der virtuellen Umgebung benötigen. Da Wine [1] nur den für Programmstarts wichtigen Teil von Windows simuliert und die dafür benötigten Bibliotheken mehrheitlich selbst mitbringt, brauchen Sie hier weder ein Windows noch eine Lizenz.
Bei Wine handelt es sich nicht um einen Emulator im herkömmlichen Sinne, wie schon der Name sagt, der für das rekursive Akronym "Wine is not an Emulator" steht. Es bietet vielmehr eine zu Windows kompatible Laufzeitumgebung für POSIX-kompatible Betriebssysteme. Entsprechend besteht der Kern von Wine in der Hauptsache aus nachgebauten Windows-APIs. Beim Start biegt er die Funktionsaufrufe ("System Calls") der mit Wine gestarteten Programme darauf um und leitet sie von dort aus an den Linux-Kernel weiter.
Eines der größten Probleme des Nicht-Emulators waren stets die Inkompatibilitäten verschiedener Wine-Versionen. So kam es immer wieder vor, dass Windows-Programme, die unter der Vorgänger-Release noch anstandslos ihren Dienst versehen hatten, mit der neuen Version nicht mehr liefen. Ähnlich gestaltete es sich mit dem Kernel: Bereits ein Update konnte genügen, damit eine Anwendung nicht mehr startete. Ob die Entwickler das Versprechung in die Tat umsetzen konnten, mit Wine 1.0 werde alles besser, prüft dieser der Kurztest. Zum Einsatz kamen dabei die derzeit aktuelle Wine-Version 1.1.26 unter Ubuntu 9.04 (Kernel 2.6.28-13) und OpenSuse 11.1 (Kernel 2.6.27.7-9).
Installation
Bei allen großen Distributionen findet sich Wine bereits im Haupt-Repository. Allerdings handelt es sich dabei nicht um selten veraltete Versionen. Legen Sie Wert auf das neueste Release, dann fügen Sie der Softwareverwaltung die von Wine angebotenen Downloadquellen hinzu. Danach installieren Wine wie gewohnt über den Paketmanager.
Das Setup legt das Verzeichnis ~/.wine an. Den darin enthaltene Ordner drive_c verwendet Wine als Arbeitsbasis – er entspricht dem Windows-Laufwerk C:\. Anders als Windows hält Wine die nachempfundene Registrierdatenbank als Textdatei darin vor. Zum Editieren genügt entsprechend ein Editor wie Vim, Kate oder Gedit. Allerdings stellt die Applikation auch einen "echten" Registry-Editor bereit, den Sie mit dem Kommandozeilenaufruf wine regedit (Abbildung 1) starten.
Trickreich
Bevor Sie Wine in Betrieb nehmen, sollten Sie zunächst einige wichtige Bibliotheken installieren, die viele Programme benötigen. Am einfachsten erledigen Sie das mit den Winetricks [2]. Während das Wine-Paket von OpenSuse diese bereits enthält, müssen Anwender von Ubuntu sie manuell einrichten. Dafür reicht es aus, den Text des Bash-Skripts in eine Textdatei zu kopieren und diese ausführbar zu machen. Der Aufruf winetricks in der Konsole startet ein kleines Auswahlfenster, in dem die die gewünschten Zusatzmodule, Laufzeitumgebungen und Bibliotheken auswählen, die Sie installieren möchten.
Winetricks lädt die gewählten Dateien direkt beim Hersteller herunter, etwa Microsoft oder Adobe, und installiert sie in der Wine-Umgebung. Bricht das Skript die Installation eines Pakets wegen Fehlern ab, stoppt es danach komplett. Entsprechend ignoriert es die Auswahl der Programme, die danach gefolgt wären.
Wine selbst richten Sie in erster Linie über den Konfigurationsmanager (Abbildung 3) ein, den Sie in der Konsole mit dem Aufruf winecfg starten. In ihm stellen Sie sowohl das Audio- als auch das Video-Verhalten des Programms ein. Desweiteren bestimmen Sie damit, welchem Programm Wine welche Windows-Version vorgaukelt. Zur Auswahl stehen von 2.0 bis 2008 praktisch alle erschienenen Varianten.



