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Sidux 2009-02 im Überblick

20.08.2009
Sie finden Debian zu konservativ und Ubuntu zu langweilig? Dann greifen Sie doch zum "Sid"-Derivat Sidux: Mit topaktueller Software und echtem Debian-Charme kombiniert es das Beste beider Welten.

README

Sidux basiert auf Debian unstable und bietet als Rolling-Release-Distro stets topaktuelle Software. Eine vorbildliche Dokumentation und ein rege Community helfen bei Problemen.

Sidux basiert, wie der Name bereits vermuten lässt, auf Debian unstable alias "Sid". Ziel der Macher ist es, den Unstable-Zweig für Desktop-Anwender benutzbar zu machen. Die Distribution [1] gibt es in den Varianten KDE-full, KDE-lite und XFCE jeweils in 32- und 64-Bit-Versionen als Live-CD mit integriertem Installer. Die Medien enthalten ausschließlich freie Software nach den Richtlinien der DFSG (Debian Free Software Guidelines, [2]).

Das neue Release 2009-02 [3] basiert auf einem Kernel der Reihe 2.6.30, den der Sidux-Entwickler Stefan Lippers-Hollmann um viele Patches für neueste Hardware ergänzte. Die beiden KDE-Varianten der Distribution verwenden KDE 4.2.4, die KDE-lite-Version setzt zusätzlich voll auf Qt4. Sidux ließ sich bis jetzt Zeit mit dem Umstieg auf KDE 4, um eine möglichst saubere Integration dieses bislang noch nicht ganz fehlerfreien Desktops zu gewährleisten. Neu ist daneben auch die Unterstützung von Ext4 als zusätzlichem Filesystem im Installer.

Sowohl beim Start von der Live-CD als auch nach der Installation erweist sich Sidux schnelles Desktopsystem, das sich nach Belieben an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Sidux setzt wie Debian auf Dpkg als Paketmanager und bringt das Konsolentool Apt als Frontend dazu mit. Neben einem kleinen eigenen Repository mit originären Tools und Skripten nutzt Sidux in der sources.lst das Archiv von Debian unstable und hat so Zugriff auf fast 30 000 Pakete aus dem Fundus der Mutterdistribution.

Sidux – nomen est omen

Der Name "Sid" stammt, wie die Codenamen aller Debian-Zweige, aus dem Film "Toy Story". Dort macht der Nachbarjunge Sid immer alle Spielzeuge kaputt – das hat natürlich Symbolcharakter: Sid bildet sozusagen die unterste Debian-Ebene, in die neue Pakete testweise einziehen. Bewähren sie sich dort, steigen sie testing auf, von wo sie nach weiteren bestandenen Prüfungen ins nächste Debian-Release einfließen.

Das bedeutet für Sidux, dass dessen Benutzer ständig Zugriff auf die neuesten Pakete haben: das unstable- Repository wird zur Zeit vier Mal täglich neu synchronisiert. Dabei kommt es durchaus vor, dass ein defektes Paket durchrutscht oder Paketabhängigkeiten kurzzeitig nicht passen. Hier versuchen die Entwickler und Supporter von Sidux, im Vorfeld solche Pakete ausfindig zu machen und den Anwender zu warnen.

Rolling Release

Sidux funktioniert nach dem Rolling-Release-Verfahren – Sie brauchen die Distribution also nicht neu zu installieren, wenn ein neues Release erscheint. Der Umstieg etwa von KDE 4.2.4 aus dem letzten Release auf das inzwischen erschienene KDE 4.3 lässt sich so fließend bewerkstelligen. Das gleiche gilt für die vielen anderen Pakete, die täglich neu in Sid einfließen.

Das Prinzip des Rolling Release verlangt zwar periodische Dist-Upgrades [4], ermöglicht es damit aber, eine Installation über Jahre hinweg zu pflegen. So pflegt der Autor beispielsweise eine Sidux-Installation der ersten Stunde seit fast drei Jahren. Es empfiehlt sich, Sidux mindestens alle zwei Wochen zu aktualisieren, der Vorgang dauert dann etwa 15 Minuten.

Die Sidux-Maintainer bieten hier eine Hilfestellung, indem sie in einer eigenen Forensektion (Upgrade Warnings) vor defekten Paketen warnen. Es kann auch Perioden geben, wo sich Dist-Upgrades grundsätzlich nicht empfehlen – etwa, wenn es gerade größere Upgrades bei X.org oder KDE gibt. Hierzu gibt es dann an prominenter Stelle in den News eine Warnung, die über das Tool Hermes auch im Panel erscheint.

Sidux einrichten

Das Sidux-Image laden Sie von einem der Spiegelserver [5] und brennen es entweder auf CD oder starten es mittels des Grub-Parameters fromiso von der Festplatte [6]. Beim Hochfahren stellen Sie im Grub-Menü mittels [F4] die gewünschte Sprache ein, die später auch das installierte System übernimmt. Voreingestellt ist hier Englisch.

Das System begrüßt Sie mit einem aufgeräumten Desktop, der vier Icons für Handbuch, Installer, Release Note und einen direkten Zugang zum Sidux-IRC-Supportkanal anbietet. Beim K-Menü entschied sich das Sidux-Team für die klassische Menüstruktur aus KDE 3, ein Rechtsklick auf das Icon erlaubt aber den Wechsel zum neuen Kickoff-Menü.

Ein Doppelklick auf das Icon sidux-installer öffnet das Installationsfenster (Abbildung 1). Der Installer selbst lässt sich einfach bedienen, bietet allerdings auch keine Einstellungen zu fortgeschrittenen Optionen wie RAID oder Verschlüsselung.

Abbildung 1: Der erste Reiter des Sidux-Installers erlaubt das Einrichten auf einem USB-Medium.

Auf dem sich öffnenden Reiter befindet sich unten ein Schalter zum Kopieren des Livesystems auf einen USB-Stick oder eine SD-Karte [7]. Hierbei können Sie unter anderem die Option persist wählen, die es erlaubt, während der späteren Benutzung Einstellungen zu speichern und Programme nachzuinstallieren [8]. Auf diese Weise gelingen sogar Dist-Upgrades: Dazu müssen Sie lediglich das Kernel-Metapaket entfernen, da Kernel-Upgrades prinzipbedingt beim Live-System nicht möglich sind.

Die Installation auf eine Festplatte [9] beginnt auf dem zweiten Reiter mit dem Partitionieren und er Auswählen der Partition(en) für das System. Eventuell bereits vorhandene Home-Verzeichnisse aus anderen Distributionen sollten Sie nicht hier einbinden, sondern die gewünschten Daten und Einstellungen aus einem Backup nach der Installation einfügen. Die weiteren Reiter fallen selbsterklärend aus. Im letzten davon stoßen Sie die Installation nach einer Sicherheitsabfrage bezüglich der Root-Partition an. Zeit zum Kaffeetrinken bleibt kaum: Sidux installiert das komplette System je nach Hardware in 2 bis 10 Minuten.

TIPP

Ist Sidux das einzige installierte Linux, schreiben Sie Grub wie voreingestellt in den MBR. Bei mehreren installierten Distributionen verlegen Sie den Bootloader dagegen in die Root-Partition und laden ihn aus der bereits installierten Grub-Instanz per Chainload [11].

Befindet sich der Rechner hinter einem Router, findet Sidux via DHCP automatisch Anschluss ans Netz. Für WLAN-Interfaces gilt das allerdings nur insofern, als die Geräte freie Treiber verwenden. Da Sidux ausschließlich freie Software mitbringt, gilt es für die meisten Wireless-Devices erst einmal die unfreien Treiber einzurichten [10]. Danach konfigurieren Sie die drahtlose Netzwerkschnittstelle mittels des Sidux-eignen Tools Ceni (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Netzwerkschnittstellen richten Sie mit dem simplen und effektiven Tool Ceni ein.

Bei der weiteren Konfiguration des System helfen das in 16 Sprachen verfügbare Online-Handbuch und eine vitale Community in Foren und IRC über die ersten Hürden hinweg, sodass auch interessierte Anfänger mit Sidux klarkommen. Der zukünftige Nutzer sollte allerdings etwas Interesse und Zeit mitbringen, um sich in die Handhabung eines Debian-Systems einzulesen.

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