Scan mich!
Proprietäres Scan-Programm von Hamrick
Im Praxistest
Für unsere Tests benutzten wir die Professional Version von Vuescan 8.5.19. Als Testgerät kam ein schon etwas älteres Kombigerät des Typs HP PSC 1315 zum Einsatz. Vuescan erkannte den Scanner erst, nachdem wir über den HPLIP-Treiber den Drucker eingerichtet hatten. Ein weiteres Problem trat auf, als wir in den Tests die Geschwindigkeit von Vuescan und X-Sane messen wollten: Während der Wechsel von X-Sane zu Vuescan problemlos funktionierte, ließ sich X-Sane auch nach dem Beenden von Vuescan nicht mehr starten. Wir mussten das HP-Gerät dann jeweils aus- und erneut einschalten, damit X-Sane Zugriff auf die Hardware hatte. Vuescan selbst erkannte das Gerät jedoch weiterhin.
Im direkten Vergleich mit X-Sane lässt sich Vuescan zwar etwas einfacher bedienen und bringt auch mehr Funktionen mit, in Sachen Geschwindigkeit kann die proprietäre Anwendung jedoch – zumindest beim HP PSC 1315 – nicht mit dem Sane-Frontend mithalten. So benötigte Vuescan für eine 17 x 25 Zentimeter große Grafik in 600 dpi rund zwei Minuten für den Vollscan, X-Sane zeigte das Resultat bereits nach 70 Sekunden an. Für die Vorschau benötigten beide Programme gleich lang: 12 Sekunden.
Der Unterschied fiel bereits während des Scan-Vorgangs akustisch auf, so legte der Scanner mit Vuescan in kurzen Abständen kleine Pausen ein, während er bei X-Sane die Daten fortlaufend einlas – eventuell ein Problem mit dem Datendurchsatz über USB 2.0: Die von Vuescan erstellte Grafik belegte immerhin 200 MByte auf der Platte, während die X-Sane-Version mit 80 MByte auskam. Setzten wir die Auflösung hingegen auf 300 dpi herunter, lasen beide Scanner fortlaufend ein und benötigten für unser Testbild rund 35 Sekunden.
Bei entsprechendem Kontrast wählt Vuescan bei vielen Vorlagen automatisch den richtigen Scan-Bereich aus. Dadurch kann die Vorschau wegfallen, was bei größeren Aufträgen Zeit spart.
Sehr gut gefielen in den Tests die über den Button Mehr zuschaltbaren Optionen. So bleibt die Oberfläche in der Grundeinstallung aufgeräumt, und man kommt trotzdem schnell an die erweiterten Optionen heran. Während man bei X-Sane etwa die Auflösung in Ein-dpi-Schritten einstellen muss, bietet Vuescan die üblichen Werte von 150, 200, 300 und 600 dpi zur Auswahl an, erlaubt aber über Benutzerdefiniert auch feinere Einstellungen.
Praktisch fanden wir auch die Symbole unter der Bildansicht für ein schnelles Speichern, Drehen und Vergrößern der eingescannten Grafiken. Weniger gut gelungen ist Hamrick hingegen der Dialog zum Speichern, der sich als gewöhnlicher Reiter (Ergebnis) unter die übrigen Dialoge mengt. Ein Extrafenster hätte hier den Zweck besser erfüllt. Vuescan bietet kein PNG-Format zur Auswahl an, dafür lassen sich in den JPEG-Bildern gleich Exif-Informationen sichern (Abbildung 3).
Fazit
Wer einen Scanner besitzt, für den es unter Linux keinen nativen Support gibt, für den ist Vuescan die Software erster Wahl. Durch die freie Demoversion kann man zudem die Scannerunterstützung vor dem Kauf testen. Wer bereits einen von Linux unterstützten Scanner besitzt und diesen nur gelegentlich nutzt, kommt mit X-Sane ebenfalls zum Ziel. Der große Vorteil von Vuescan gegenüber X-Sane liegt klar beim Farbmanagement: Hier können Hobbyfotografen und Profis über die entsprechenden Profile noch an ihren Aufnahmen und Ausdrucken feilen, was mit freien Linux-Programmen relativ schwer fällt. Im Vergleich mit anderen proprietären Programmen fällt der Preis von Vuescan relativ moderat aus.
Glossar
ICC
International Color Consortium. Von Adobe und zahlreichen Drucker-Herstellern geführtes Konsortium für ein einheitliches Farbmanagement auf Computersystemen. Die ICC-Profile von Adobe gibt es auch für Linux. Sie stehen allerdings unter keiner freien Lizenz.
IT8
Vom Committee for Graphics Arts Technologies Standards (CGATS) verwalteter Standard für die Farbkontrolle, das ein einheitliches Farbmanagement für Scanner, Digitalkameras, Monitore und Drucker bringen soll.



