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© Zoe Talkin, sxc.hu

Scan mich!

Proprietäres Scan-Programm von Hamrick

20.08.2009 Der Scanner-Support gehört unter Linux weiterhin zu den problematischen Gebieten, vor allem was die Kooperation zwischen Drucker und Scanner angeht. Vuescan von Hamrick Software hilft hier mit passender Software und Treiberunterstützung.

Fragt man Linux-Nutzer nach einem Scan-Programm für Linux, dann erhält man als Antwort in der Regel "X-Sane". Der Veteran unter der Linux-Scanprogrammen bietet zwar eine reichhaltige Featurepalette, die Bedienung lässt allerdings in manchen Bereichen zu wünschen übrig.

Als Alternative bietet sich das proprietäre Vuescan von Hamrick Software (http://www.hamrick.com) an. Die aktuelle Version 8.5 unterstützt erstmals auch Deutsch als Sprache und kostet in der Standard-Version 40 US-Dollar, in der Professional-Variante das Doppelte. Während die Standard-Edition nur kostenlose Upgrades für ein Jahr enthält und keine Farbverwaltung mitbringt, unterstützt die "Professional" ICC-Farbprofile und IT8-Farbkalibrierung. Zudem erhalten Sie damit Updates auf Lebenszeit.

Schnellstart

Die Demoversion von Vuescan finden Sie auf der Produkt-Homepage und auf der Heft-DVD als Tarball zum Download. Wollen Sie die 32-Bit-Software auf einem 64-Bit-System nutzen, müssen Sie die entsprechenden 32-Bit-Bibliotheken installieren. Nach dem Entpacken des Archivs vuesca85.tgz starten Sie das Programm im ausgepackten Verzeichnis über den Befehl ./vuescan. Die Demoversion bietet den kompletten Funktionsumfang der Standard-Edition, fügt aber in die eingescannten Bilder ein Dollar-Wasserzeichen ein (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Demoversion weist klar darauf hin, dass sich in den eingescannten Bildern ein Wasserzeichen befindet.

Das Programmfenster ist zweigeteilt: Auf der rechten Seite zeigt Vuescan auf zwei Reitern die Vorschau oder das eingescannte Bild an, zur Linken haben Sie die Auswahl zwischen verschiedenen Eigenschaften, einem Assistenten und der eigentlichen Scan-Funktion. Die nicht registrierte Version zeigt ab und zu ein Hinweisfenster zur Registrierung an. Ganz rechts findet sich unter Vorlieben auch der Dialog zur Sprachauswahl. Neben Deutsch und Englisch unterstützt die Software noch eine Liste weiterer "Lokalisierungen", die jedoch komplett über den Google-Übersetzer erstellt wurden und dementsprechend nur mit Einschränkungen zu genießen sind. Das trifft auch auf die "deutschsprachigen" Hilfeseiten zu.

Für den Scan-Vorgang gibt es zwei Möglichkeiten: Den Assistenten oder die manuelle Vorgehensweise. Ein Klick auf Erweitert (die Übersetzung ist hier nicht ganz perfekt) bzw. Geführt wechselt zwischen diesen zwei Modi hin und her. Mit dem Assistenten wählen Sie im ersten Schritt die Funktion aus. Neben der traditionellen Methode In Datei scannen bietet Vuescan hier auch die direkte Ausgabe auf einen Drucker sowie verschiedene Profile für Drucker und Scanner zur Auswahl an (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Vuescan bietet außer der obligatorischen Scan-Funktion auch noch ein paar Zusatzfeatures an.

Nach dem kompletten Einlesevorgang öffnet Vuescan das Bild für die weitere Verarbeitung in Gimp. Einfache Bearbeitungsmöglichkeiten finden Sie aber auch auf den Reitern Zuschnitt, Filter und Farbe. Möchten Sie auf den Gimp-Start verzichten, dann entfernen Sie unter Vorlieben die Checkbox vor dem Eintrag Externer Bildbetrachter.

Etwas umständlich gestaltet sich der Speichervorgang (Abbildung 3). In der Grundeinstellung sichert Vuescan alle eingelesenen Bilder automatisch im Verzeichnis, in dem Sie Vuescan gestartet haben, unter dem Namen Scan-Datum-Nummer im JPEG-Format. Über den Reiter Ergebnis lassen sich sowohl das Verzeichnis als auch die Namenskonvention ändern, wobei wir den @-Button zur Ordnerauswahl nicht sehr intuitiv fanden.

Vuescan verfügt auch über eine integrierte OCR-Funktion, die in den Tests allerdings keine Buchstaben mit Umlauten erkannte und sich somit praktisch nur für englische Texte eignet.

Abbildung 3

Abbildung 3: Mit TIFF, JPEG, PDF und RAW bietet Vuescan eine reichliche Auswahl an Formaten zum Speichern. Lediglich das PNG-Format fehlt.

Farbkalibrierung

Vuescan beherrscht auch das in der Linux-Welt aus lizenzrechtlichen Gründen eher vernachlässigte Feld der Farbkalibrierung. Dazu kann die Software IT8-Farbbeschreibungsdateien einlesen, mittels Farbschablone eine Kalibrierung des Scanners vornehmen und die passende ICC-Datei erstellen. X-Sane bringt zwar auch Support für ICC-Dateien mit, hier müssen Sie aber die vom Hersteller angebotene Datei einbinden, indem Sie diese unter /usr/share/color/icc/ ablegen.

Im professionellen Bereich kommen für die Kalibrierung fertige IT8-Schablonen als Druck oder DIA-Positiv (so genannte IT8-Targets) mit einer zugehörigen Referenzdatei zum Einsatz. Diese kosten je nach Anbieter zwischen 50 und 500 Euro, bei manchen Geräten liegt aber ein IT8-Target bei.

Für einen Farbabgleich legen Sie ein IT8-Target in den Scanner ein, hinterlegen die zugehörige Referenzdatei unter dem Namen scanner.it8 im Vuescan-Verzeichnis und wählen Scanner-Profil erstellen. Drücken Sie auf Vorschau, zeigt Vuescan einen Rahmen an, den Sie nun möglichst genau auf das IT8-Target anpassen (Abbildung 4). Starten Sie zur Sicherheit nach der Ausrichtung noch einmal die Vorschau und wählen Sie anschließend Profil | Scanner-Profil erstellen. Vuescan legt nun einen Datei mit dem Namen scanner.icc an. Arbeiten Sie nur mit einem Scanner, können Sie den Dateinamen belassen. Nutzen Sie mehrere Scanner, speichern Sie die Profildatei unter einem passenden Namen, zum Beispiel hp-psc1310.icc.

Abbildung 4

Abbildung 4: Über eine IT8-Farbvorlage erstellen Sie mit Vuescan auch ICC-Farbprofile.

Um das Profil beim Scannen auch zu nutzen, wechseln Sie auf den Reiter Farbe, klicken auf Mehr und scrollen dann zum Punkt Farbraum Scanner. Hier wählen Sie aus der Liste den Eintrag ICC Profile aus und geben dann per Klick auf den @-Button die passende ICC- und IT8-Datei an.

Über das eingescannte IT8-Target lässt sich auch der Drucker kalibrieren. Dazu wählen Sie im ersten Dialog unter den Funktionen den Eintrag IT8-Vorlage und klicken auf Vorschau. Vuescan generiert dann ein IT8-Target, das Sie über einen Klick auf Scannen ausdrucken. Das selbst erstellte Target legen Sie nun auf den Scanner, wählen auf dem Reiter Quelle den Eintrag Drucker-Profil erstellen und klicken auf Vorschau. Richten Sie das Gitter an der Vorschau aus und wählen Sie anschließend aus dem Menü Profil | Drucker-Profil erstellen. Vuescan erstellt nun eine ICC-Profildatei, die Sie wie oben beschrieben über den Reiter Farbe einbinden und bei Bedarf auf den Namen des Druckers umbenennen.

Im Praxistest

Für unsere Tests benutzten wir die Professional Version von Vuescan 8.5.19. Als Testgerät kam ein schon etwas älteres Kombigerät des Typs HP PSC 1315 zum Einsatz. Vuescan erkannte den Scanner erst, nachdem wir über den HPLIP-Treiber den Drucker eingerichtet hatten. Ein weiteres Problem trat auf, als wir in den Tests die Geschwindigkeit von Vuescan und X-Sane messen wollten: Während der Wechsel von X-Sane zu Vuescan problemlos funktionierte, ließ sich X-Sane auch nach dem Beenden von Vuescan nicht mehr starten. Wir mussten das HP-Gerät dann jeweils aus- und erneut einschalten, damit X-Sane Zugriff auf die Hardware hatte. Vuescan selbst erkannte das Gerät jedoch weiterhin.

Im direkten Vergleich mit X-Sane lässt sich Vuescan zwar etwas einfacher bedienen und bringt auch mehr Funktionen mit, in Sachen Geschwindigkeit kann die proprietäre Anwendung jedoch – zumindest beim HP PSC 1315 – nicht mit dem Sane-Frontend mithalten. So benötigte Vuescan für eine 17 x 25 Zentimeter große Grafik in 600 dpi rund zwei Minuten für den Vollscan, X-Sane zeigte das Resultat bereits nach 70 Sekunden an. Für die Vorschau benötigten beide Programme gleich lang: 12 Sekunden.

Der Unterschied fiel bereits während des Scan-Vorgangs akustisch auf, so legte der Scanner mit Vuescan in kurzen Abständen kleine Pausen ein, während er bei X-Sane die Daten fortlaufend einlas – eventuell ein Problem mit dem Datendurchsatz über USB 2.0: Die von Vuescan erstellte Grafik belegte immerhin 200 MByte auf der Platte, während die X-Sane-Version mit 80 MByte auskam. Setzten wir die Auflösung hingegen auf 300 dpi herunter, lasen beide Scanner fortlaufend ein und benötigten für unser Testbild rund 35 Sekunden.

Bei entsprechendem Kontrast wählt Vuescan bei vielen Vorlagen automatisch den richtigen Scan-Bereich aus. Dadurch kann die Vorschau wegfallen, was bei größeren Aufträgen Zeit spart.

Sehr gut gefielen in den Tests die über den Button Mehr zuschaltbaren Optionen. So bleibt die Oberfläche in der Grundeinstallung aufgeräumt, und man kommt trotzdem schnell an die erweiterten Optionen heran. Während man bei X-Sane etwa die Auflösung in Ein-dpi-Schritten einstellen muss, bietet Vuescan die üblichen Werte von 150, 200, 300 und 600 dpi zur Auswahl an, erlaubt aber über Benutzerdefiniert auch feinere Einstellungen.

Praktisch fanden wir auch die Symbole unter der Bildansicht für ein schnelles Speichern, Drehen und Vergrößern der eingescannten Grafiken. Weniger gut gelungen ist Hamrick hingegen der Dialog zum Speichern, der sich als gewöhnlicher Reiter (Ergebnis) unter die übrigen Dialoge mengt. Ein Extrafenster hätte hier den Zweck besser erfüllt. Vuescan bietet kein PNG-Format zur Auswahl an, dafür lassen sich in den JPEG-Bildern gleich Exif-Informationen sichern (Abbildung 3).

Fazit

Wer einen Scanner besitzt, für den es unter Linux keinen nativen Support gibt, für den ist Vuescan die Software erster Wahl. Durch die freie Demoversion kann man zudem die Scannerunterstützung vor dem Kauf testen. Wer bereits einen von Linux unterstützten Scanner besitzt und diesen nur gelegentlich nutzt, kommt mit X-Sane ebenfalls zum Ziel. Der große Vorteil von Vuescan gegenüber X-Sane liegt klar beim Farbmanagement: Hier können Hobbyfotografen und Profis über die entsprechenden Profile noch an ihren Aufnahmen und Ausdrucken feilen, was mit freien Linux-Programmen relativ schwer fällt. Im Vergleich mit anderen proprietären Programmen fällt der Preis von Vuescan relativ moderat aus.

Glossar

ICC

International Color Consortium. Von Adobe und zahlreichen Drucker-Herstellern geführtes Konsortium für ein einheitliches Farbmanagement auf Computersystemen. Die ICC-Profile von Adobe gibt es auch für Linux. Sie stehen allerdings unter keiner freien Lizenz.

IT8

Vom Committee for Graphics Arts Technologies Standards (CGATS) verwalteter Standard für die Farbkontrolle, das ein einheitliches Farbmanagement für Scanner, Digitalkameras, Monitore und Drucker bringen soll.

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Kommentare
Empfehlung!
Frank Stefani (unangemeldet), Samstag, 17. Oktober 2009 19:25:03
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Kann vuescan sehr empfehlen: Arbeite seit Jahren damit, weil es mit Linux-Bordmitteln bisher keine Möglichkeit gibt, den Dia-und Filmscanner Nikon Coolscan 5000 ED anzusteuern. Mit vuescan geht das sofort, schnell und in sehr guter Qualität.

Gruß,
Frank

http://frank-stefani.de


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Re: Empfehlung!
anonymer Feigling (unangemeldet), Donnerstag, 26. August 2010 18:57:05
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Bekommt man für 80$ nicht schon gute Scanner die unterstützt sind? Für 40 sollten auch schon gute gebrauchte zu haben sein.

Was Sane meiner Meinung nach fehlt ist die Möglichkeit Scannertreiber für Geld entwickeln zu lassen. Wenn 100 Benutzer den selben Scanner haben sollten sich für die 40$ pro User schon ein einfacher Treiber erstellen lassen.


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