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Kaventsmann

Quadcore-Laptop HP HDX X18

16.09.2009
Für Rechenleistung gibt es nur einen Ersatz: noch mehr Rechenleistung. Das demonstriert eindrucksvoll HPs Quadcore-Notebook-Bolide HDX X18-1110EG – zu einem erstaunlich günstigen Preis.

HP hat beim HDX X18-1110EG [1] in die Vollen gegriffen und integriert in den "Kaventsmann" nahezu alles, was das Herz sich wünscht: Einen mit 2 GHz getakteten Intel Core 2 Quad Q9000 mit 6 MByte Level-2-Cache, einen Grafikchip des Typs Geforce 9600 GT Mobility mit 1 GByte Speicher, 4 GByte DDR3-RAM (maximal: 8), einen 18,4-Zoll Bildschirm in 1920x1080-Full-HD-Auflösung, ein Lightscribe-fähiges Blu-ray-Laufwerk, zwei 500-GByte-Festplatten und DVB-T.

Auch an Anschlüssen lässt der HDX X18 kaum Wünsche offen (Abbildung 1): eSATA verspricht flotten Transfer von und auf externe Festplatten, ein vierpoliger Firewire-400-Anschluss bindet Festplatten oder Camcorder an, und der ExpressCard/54-Schacht fasst beispielsweise eine UMTS-Karte oder Karten für zusätzliche Ports. Ein HDMI-Ausgang liefert ein digitales Bild, ein VGA-Ausgang ein analoges – einen HDMI-DVI-Adapter legt HP aber nicht bei.

Abbildung 1: Ports zum Anschluss externer Hardware bietet das HDX X18 reichlich.

Daneben verfügt das Gerät auch über gängige Laptop-Features wie Multi-Cardreader (xD/SD/MMC/MS), WLAN, Bluetooth, vier USB 2.0-Ports, zwei Audio-out und Mikrofoneingang per Klinkenstecker sowie Gigabit-Ethernet. Auch ein Anschluss für eine HP-Dockingstation findet sich. HP legt ein Poliertuch für den spiegelnden Laptop und eine externe Antenne mit Saugnapf-Gummifuß für den integrierten DVB-T Tuner bei, Recovery-DVDs muss man jedoch selbst unter Windows brennen – bei einem Versuch verschmähte das Laufwerk allerdings unsere Verbatim-DVD-Rohlinge.

Mit stolzen 4,1 Kilogramm wiegt der Quadcore-Laptop fast dreimal so viel wie ein Netbook (Abbildung 2) – mit einer Hand lässt sich das Gerät fast nicht mehr handhaben. HP nutzt die ungewöhnliche Breite des Gehäuses, um einen vollen Ziffernblock rechts der Tastatur unterzubringen. Durch das Verschieben des Tastaturzentrums wandert auch das Touchpad etwas nach links – dies stört optisch allerdings nicht so wie erwartet. Eine Tastaturbeleuchtung hat HP nicht integriert, wohl aber ordentliche Lautsprecher, die für einen satten Sound sorgen. Es handelt sich hier um ein von Linux automatisch erkanntes 5.1-Surroundsystem mit 6 Kanälen, das über unterseitig angebrachtem "Subwoofer" auch tiefere Frequenzen liefert. Dreht man die Lautstärke allerdings voll auf, ist ein Summen zu hören: Da schwingt wohl ein nicht hundertprozentig fixiertes Bauteil zusammen mit den Lautsprechern.

Abbildung 2: David versus Goliath: Ein MSI-Wind-Netbook im Vergleich zum HDX X18.

Verarbeitung

Der HDX X18 ist sehr solide verarbeitet, glänzt aber fast so stark wie der im letzten Heft getestete Pavilion dv2-2000. Wieder hat HP den Laptop mit Mustern verziert, die Geschmackssache sind. Als etwas umständlich erweist es sich, die Fernbedienung aus dem Expresscard-Slot zu bekommen, da man sie sehr tief eindrücken muss, bis der Haltemechanismus sie freigibt. Der Scrollbereich des Touchpads liegt derart dicht an dessen Rand und fällt so klein aus, dass man häufig ungewollt den Mauszeiger bewegt. Die leichtgängigen Maustasten verfügen über einen großen Hubweg und bieten einen klaren Druckpunkt.

Für einen Laptop dieser Größe baut der HDX X18 verhältnismäßig flach und arbeitet sehr leise. Bei normaler Anwendung ist der Lüfter nahezu nicht zu hören. Erst wenn man den Prozessor auf allen vier Kernen unter Vollast setzt oder den Grafikchip mit einem komplexen Grafikbenchmark quälten, kommt der Lüfter auf Touren. Selbst dann hält sich die Lautstärke jedoch im Rahmen. Die schiere Größe und üppige Ausstattung des HDX X18 fordert zwar in Sachen Akkulaufzeit und Gewicht ihren Preis, aber nicht unbedingt in Euro. Die mobile Workstation kostet erschwingliche 1600 Euro. Vergleichbare Konkurrenzmodelle etwa von Asus (allerdings mit doppeltem Grafikchip) kommen 700 Euro teurer, das Flaggschiff von Acers kostet mit vergleichbarer Ausstattung etwa genausoviel wie der HDX X18.

Linux-Installation

HP stattet das Gerät ab Werk mit Windows Vista in der 64-Bit-Version aus. Die Installation von Ubuntu 9.04 auf dem HDX X18 verläuft jedoch nahezu problemfrei. Vom Start weg funktionieren WLAN, Bluetooth, die berührungsempfindlichen Multimediatasten (mit Ausnahme des Bass/Treble-Reglers und der Auswurftaste), der Jmicron-Multi-Cardreader, Ethernet, VGA-Ausgang, Firewire, eSATA, die integrierte, per USB angebundene Quanta-Webcam, das Alfatech AF9013 DVB-T, das Blu-ray-Laufwerk (inklusive Lightscribe, siehe Abbildung 3) und der Scrollbereich am Touchpad.

Lediglich Sound mag der HDX X18 nicht ausgeben, was allerdings ein Herunterladen des Alsa-Treiberpakets in Version 1.0.20 von der Alsa-Homepage [2] mit anschließendem ./configure, make und sudo make install behebt. Wir aktivieren über den Hardware-Assistenten den unfreien Nvidia-Treiber, der sofort anstandslos funktioniert. Den integrierten Digital-Persona-Fingerabdruck-Scanner unterstützt das Fingerabdruck-Projekt Fprint [3] momentan noch nicht, an einem Treiber wird allerdings gearbeitet.

Als problematisch erweisen sich die Windows-Mediacenter-Infrarot-Fernbedienungen, von denen HP gleich zwei beilegt: Eine in üblicher Fernbedienungsgröße mit vielen Knöpfen, und eine abgespeckte sehr flache, die sich im ExpressCard-Schacht verstaut mitnehmen lässt. Nach langem Suchen finden wir mittels lspnp (Teil des Pakets pnputils) endlich den IR-Empfänger (ENE-CIR), der allerdings den Vermerk "unsupported" trägt.

Nachforschungen ergeben, dass der Empfänger sehr ungewöhnlich über das Tastaturinterface angebunden ist. Zudem programmiert Windows ihn beim ersten Start permanent um, sodass er sich unter Linux nicht mehr ansprechen lässt. Eine Deinstallation des Treibers unter Windows oder ein Entfernen des Akkus sollte den Empfänger eigentlich in den Ursprungszustand zurückversetzen, so dass er auch unter Linux funktioniert. Das klappt bei unserem Testgerät allerdings nicht.

Ein Gegencheck unter Windows zeigt, dass jedoch auch dort nun die Fernbedienung mit installiertem Treiber keinen Mucks macht – möglicherweise hat schlicht der Infrarotempfänger unseres Testgeräts den Geist aufgegeben. Etwas unschön ist auch, dass die Lautsprecher unter Linux bei jedem System-Neustart ein lautes Knistern von sich geben, normales Herunterfahren geht allerdings lautlos vonstatten.

Als erstes ernsthaftes Manko fällt auf, dass das Suspend-to-RAM nur gelegentlich funktioniert. Ob der Nvidia-Treiber installiert ist oder nicht, spielt keine Rolle, und auch ein Firmware-Update bringt keine Besserung. Hier hat HP wohl, wie leider sehr viele Laptop-Hersteller, ACPI nicht nach dem Standard, sondern nur in Hinblick auf Windows implementiert. Der Suspend-to-Disk Schlafmodus funktioniert jedoch.

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