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Bild und Druck

Tools für PDF und Postscript (1)

23.07.2009
Durch seine reiche Ausstattung an Werkzeugen eignet sich Linux wie kaum ein anderes Betriebssystem zum Umgang mit Postscript- und PDF-Dokumenten. Wir stellen die besten Tools zur Anzeige und Konvertierung vor.

Bestimmt haben Sie schon einmal die Erfahrung gemacht, dass die Ausgabe eines Schriftstücks auf einem anderen Monitor, Plotter oder Drucker gänzlich anders aussieht. Dieser Effekt führt insbesondere bei der projektübergreifenden Zusammenarbeit zu großen Schwierigkeiten, wo der plattform- und betriebssystemübergreifende Austausch von Dokumenten verschiedenster Formate zum Alltag zählt.

Darum hatte sich die Firma Adobe dieses Problems angenommen und im Jahr 1984 als Lösung die Seitenbeschreibungssprache Postscript [1] entwickelt: Sechs Jahre später, 1990, veröffentlichte Adobe deren Nachfolger PDF – das Kürzel steht für "Portable Document Format". PDF baut auf Postscript auf, sein Sprachumfang umfasst jedoch nur eine Teilmenge der Postscript-Kommandos [2].

PDF erfreut sich heute großer Beliebtheit, wobei das Wissen um die Qualität und die damit verbundenen Möglichkeiten von Postscript buchstäblich in den Hintergrund gerückt sind. Da viele Drucker Postscript verstehen, kommt zwischen der Anwendung und dem Ausgabegerät oftmals ein Konverter zu Postscript zum Einsatz.

Postscript und PDF

Braucht man heute Postscript noch? Schließlich gibt es ja PDF, das plattform- und betriebssystemübergreifend funktioniert. Das trifft aber nur zu, so lange es um den reinen Datenaustausch und das Verarbeiten einfacher Dokumente am Bildschirm geht. Auch für eine Voransicht oder einen Entwurf von Druckerzeugnissen eignet sich PDF bestens. Gehen die Daten jedoch an eine Druckerei, erzielt oft nur Postscript die benötigte Qualität.

Postscript ermöglicht es, die Druckdaten verlustfrei in beliebiger Größe und Auflösung auf den unterschiedlichsten Ausgabegeräten darzustellen, indem es sowohl Texte als auch Abbildungen als skalierbare Vektordaten in der Postscript-Datei kodiert. Der Postscript-Interpreter in der Firmware des Ausgabegeräts interpretiert die empfangenen Kommandos und setzt sie in eine entsprechende Rastergrafik um. Für Geräte, die Postscript nicht nativ beherrschen, bietet sich mit Ghostscript eine ausgereifte Alternative zur Umwandlung in das jeweilige Ausgabeformat an – dazu später mehr.

Bei PDF stand zunächst die plattformunabhängige, identische Darstellung eines Dokuments im Vordergrund. Erst später kamen Erweiterungen hinzu, wie etwa die Integration von Hyperlinks, Klang- und Videosequenzen, die Ablage eines Inhaltsverzeichnisses sowie das Verarbeiten von Formularen und Nutzen von Farbseparation (PDF/X3). Mit diesen neuen Eigenschaften konnte sich PDF in nahezu allen Branchen als Datenformat erfolgreich etablieren. Mittlerweile verdrängt PDF sogar zunehmend Postscript aus seiner Domäne, also dem Drucken und der Druckvorstufe: So ist auch dieser Artikel aus der Redaktion als PDF-Datei an die Druckerei gegangen.

Beide Formate glänzen mit weiteren nützlichen Eigenschaften:

  • Dokumentation: Die Spezifikationen für Postscript und PDF liegen offen und lassen von jedem Entwickler einsehen und kostenfrei nutzen
  • Schutz vor Manipulation: Ohne Detailkenntnisse lassen sich die Dokumente nicht verändern.
  • Vollständigkeit: Alle Texte, Bilder und Schriften werden in ein einziges Dokument eingebettet, sodass statt einer Dateisammlung nur ein einziges Dokument weitergegeben werden muss.

Anzeigeprogramme

Die wohl bekanntesten Programme zur Anzeige von Dokumenten im PDF- und Postscript-Format sind Adobes Acrobat Reader, Ghostview, Kghostview, Evince, Okular und Xpdf.

Der Platzhirsch unter den Betrachtern, Acrobat Reader ([3]; Abbildung 1), setzt vielfach Maßstäbe. Er unterstützt nicht nur den kompletten aktuellen PDF-Sprachumfang, sondern zusätzlich auch Formulare (PDF/X-3) sowie Javascript-Erweiterungen.

Abbildung 1: Mehrseitige Darstellung im Acrobat Reader.

Der Veteran Ghostview [4] bietet nur einen relativ überschaubaren Funktionsumfang zur Darstellung, läuft dafür aber flink und stabil. Speziell beim Drucken auf einem nicht duplexfähigen Drucker erweisen sich die Schalter zur Auswahl von geraden und ungeraden Seiten als nützlich. Ähnliches gilt für die integrierte Zoomfunktion: Ein Bereich im Dokument, den Sie mit der mittleren Maustaste auswählen, erscheint in einem zusätzlichen Fenster. Ghostview zeigt sowohl Postscript-Dokumente als auch PDFs an. Die Darstellung von PDFs funktioniert allerdings nur in begrenztem Umfang und teilweise mit sehr deutlichen Treppeneffekten. Bei Kghostview handelt es sich um ein Ghostview-Derivat mit einer Qt-Oberfläche für KDE. Es bietet alle Optionen des Originals und ergänzt diese um eine Vorschaufunktion für die einzelnen Seiten.

Abbildung 2: Ghostview mit hervorgehobenem Bildausschnitt.

Der Postscript/PDF-Betrachter des Gnome-Projekts hört auf den Namen Evince [5]. Er ist klein, flink und recht intuitiv zu nutzen. Evince wurde entwickelt, um die separaten Programme für den Dokumentenaustausch im Druckbereich, die es bei Gnome für Postscript und PDF gab, unter einem Dach zu vereinen. Es unterstützt zusätzlich die Formate DVI und TIFF und verfügt über eine Anbindung an OpenOffice Impress. Auch eine Seitenvorschau hat Evince zu bieten. Mittlerweile wurden Mankos aus früheren Versionen behoben, bei denen es zu einer unvollständigen Darstellung von PDFs kam. Das fiel besonders bei Vortragsfolien auf, die mit pdflatex und den LaTeX-Beamer-Klassen erzeugt wurden. In den aktuellen Versionen zeigt Evince alle Navigationselemente und Überblendeffekte perfekt an.

Abbildung 3: Anzeige einer Vortragsfolien mit Evince.

Bei Okular [6] handelt es sich um einen mächtiger Dokumentenbetrachter für KDE 4, der seine Wurzeln in Kghostview und KPDF hat. Okular ist das KDE-Analogon zu Evince und unterstützt unter anderem auch die Formate CHM, DjVu und XPS [7]. Außerdem glänzt es mit der Möglichkeit, Anmerkungen und Lesezeichen ins Dokument einzufügen.

Abbildung 4: Anmerkungen in einem PDF-Dokument, angezeigt mit Okular.

Xpdf [8] wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar und aufgrund seiner Geschichte etwas altmodisch. Seine Funktionen stellt es aber flink und zuverlässig bereit, zudem darf man ihm die entsprechenden Argumente auch auf der Kommandozeile übermitteln – ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Abbildung 5: Anzeige von Vortragsfolien mit Xpdf.

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