Kids lieben Computer. Schon die Kleinsten sind fasziniert von der bunten Welt, die sich am Bildschirm bietet. Die speziellen Bedürfnisse von Kindern im Vorschulalter bedürfen jedoch auch entsprechend angepasster Software, die die kleinen Entdecker nicht überfordert. Während es für andere Betriebssysteme lediglich wenige, in der Regel teuer zu erwerbende Programme gibt, die man zudem umständlich auf der heimischen Festplatte installieren muss, finden sich für Linux dank innovativer Konzepte schon seit langem Live-CDs für die Kindergarten-Klientel, die weder Löcher in den Geldbeutel reißen noch zeitraubend auf Massenspeichern installiert werden müssen. Als Vorreiter im deutschsprachigen Raum sticht hier insbesondere das aus Österreich stammende Juxlala ins Auge, das soeben in der Version 2 erschienen ist.

Juxlala [1] entsteht unter dem Dach von Netbridge, einem Verein zur Förderung der außerschulischen Jugendarbeit in Wien. Bereits die 2007 erschienene, auf Knoppix basierende erste Version der Live-Distribution hatte durch ein sehr schönes Erscheinungsbild mit einem kindgerechten Desktop und einer sorgsamen Programmauswahl auf sich aufmerksam gemacht. Die brandneue Version 2 haben die Entwickler noch einmal technisch aktualisiert und durch den Umstieg auf Grml [2] als Basis auch erheblich schlanker und schneller gemacht.

Kindgerechte Oberfläche

Auf der Juxlala-Homepage finden Sie einen Torrent-Download-Link für das ISO sowie verschiedene Anleitungen, um dieses auf CD zu brennen. Anschließend starten Sie den Rechner direkt von diesem Datenträger.

Abbildung 1: Den Juxlala-Desktop kann jedes Kind sofort bedienen.

Fährt man mit der Maus über die Kindergestalten auf dem Arbeitsplatz, so verändern sich diese in aussagekräftige Symbole für die entsprechende Software, die auf einen Mausklick hin startet. Dabei hat Juxlala neben der Lernprogramm-Suite Gcompris [3] auch Applikationen zur Ausbildung motorischer Fähigkeiten (Maussteuerung, Tastaturübungen) mit an Bord, daneben bringt es auch das einfache Malprogramm Tuxpaint sowie mit Circus Linux [4] ein kindgerechtes Spiel mit. Aufgrund der durchdachten Auswahl der Software entwickelt das Kind somit nicht nur spielerisch individuelle Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer, sondern wird ganz nebenbei auch noch an schulischen Lehrinhalten herangeführt.

Dabei fällt auf, dass sich die Entwickler von Juxlala große Mühe gegeben haben, um das ganze System wie aus einem Guss wirken zu lassen: Sie haben nicht nur das Erscheinungsbild der Applikationen soweit möglich vereinheitlicht, sondern auch nahezu alle Programme komplett deutsch lokalisiert, was auch die Audiowiedergabe einschließt. Um der rasanten kindlichen Entwicklung in der angepeilten Altersgruppe Rechnung zu tragen, integriert Juxlala für die "älteren Semester" im Vorschulalter zudem noch einige weitere Applikationen. Die lassen sich per Rechtsklick auf den Desktop erreichen und sind thematisch in verschiedene Menüs gruppiert.

Neben einigen bekannten Spielen wie Frozen Bubble sowie Tuxmath für das Erlernen der Grundrechenarten finden sich hier auch der Webbrowser Iceweasel sowie im Untermenü Kleinigkeiten eine Reihe von schlanken Applikationen aus verschiedensten Kategorien. Das Hauptmenü verrät zudem das Geheimnis der enormen Geschwindigkeit, mit der Juxlala arbeitet: Als Windowmanager dient das als ressourcenschonend bekannte Fluxbox, das Programm Idesk bringt die animierten Symbole auf den Desktop.

Für Eltern, die für ihre Kinder im Internet altersadäquate Inhalte suchen, haben sich die Entwickler von Juxlala hier ein besonderes Goodie einfallen lassen: Iceweasel bringt bereits rund ein halbes Dutzend Lesezeichen für Webseiten mit, die sich für Kinder im Vorschulalter eignen. Eltern, die sich zu Themen der Medienerziehung weiterbilden möchten, kommen hier über entsprechende Bookmarks ebenfalls auf ihre Kosten.

Einstellungssache

Das Einstellungsmenü, mit dessen Hilfe sie Juxlala auch auf einen USB-Stick oder die Festplatte installieren, erreichen Sie durch einen Klick auf das Werkzeugsymbol unten rechts auf dem Desktop. Um den forschungsfreudigen Nachwuchs von Systemeinstellungen wie etwa dem Netzwerkzugang fernzuhalten, muss man hier zunächst eine Multiplikationsaufgabe lösen, bevor man Zugang zu den eigentlichen Einstellungen erhält. Die einzelnen Menüeinträge verzweigen zu verschiedenen Skripten, die meist im Terminal laufen, sich aufgrund der guten Bedienerführung aber selbst von ungeübten Anwendern nutzen lassen. Zudem hilft eine offline auf der CD-ROM befindliche, sehr umfassende Dokumentation (Abbildung 2) beim Lösen von Problemen.

Abbildung 2: Eine sehr detaillierte Dokumentation rundet Juxlala ab.

Juxlala bietet auch im Live-Betrieb die Option, individuelle Daten des kleinen Benutzers dauerhaft zu sichern. Dazu genügt ein handelsüblicher USB-Stick, den das Hotplug-System der Distribution automatisch erkennt. Es öffnet dann ein entsprechendes Dialogfenster, in dem Sie per Mausklick auswählen, ob Daten auf den Stick gespeichert oder von diesem eingelesen werden sollen. Auf diesem Weg lassen sich Anwenderdaten aus Tuxpaint oder Gcompris sichern und wieder herstellen.

Fazit

Juxlala glänzt in der neuen Version nicht nur mit einer deutlich gesteigerten Start- und Ausführungsgeschwindigkeit auf, sondern lässt Kinder im Vorschulalter altersgerecht aufbereitet erste Erfahrungen mit dem Computer sammeln. Die sorgfältige Programmauswahl macht schon die Kleinsten ohne Leistungsdruck oder Zwang spielerisch mit Lehrinhalten der Grundschule vertraut. Dank der von Debian abgeleiteten Basis Grml arbeitet die Distribution stabil und ressourcenschonend, besonderes Augenmerk legten die Entwickler neben der kindgerechten Oberfläche auch auf eine durchgängige Lokalisierung inklusive der Multimedia-Inhalte. Juxlala ist daher eine der besten Distributionen für die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen und lässt sich ohne jeden Vorbehalt zum regen Gebrauch empfehlen.

Infos

[1] Juxlala-Homepage: http://www.jux-net.info/juxlala/

[2] Grml 2009.05 LU-Edition: Mika Prokop, "Chirurgisches Besteck", LinuxUser 08/2009, S. 16, http://linux-community.de/artikel/19046/

[3] Gcompris: Mirko Albrecht, "Virtueller Spielplatz", LinuxUser 02/2009, S. 52, http://linux-community.de/artikel/17358/

[4] Circus Linux: http://www.newbreedsoftware.com/circus-linux/

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