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Datenschubser

Simples Backup für Ubuntu

23.07.2009
Schnell mal ein Backup einrichten? Mit Sbackup und seiner grafischen Oberfläche archivieren Sie wichtige Daten im Handumdrehen.

Neuen Festplatten sieht man selten an, ob sie morgen oder erst in vier Jahren den Geist aufgeben (es sei denn, Sie nutzen im Vorfeld Smartmontools [1] zur Festplattenanalyse). Fest steht, dass der Tag kommt – und dann möchten Sie Ihre Daten gern in Sicherheit wissen. Diese speichern sich jedoch nicht von allein: Programme wie Sbackup helfen beim Sichern der Datenflut.

Die Software gilt als Standard-Backup-Programm von Ubuntu, da sie im Rahmen von Googles Programm "Summer of Code" für die Distribution entwickelt wurde. Tatsächlich bringt sie gegenüber anderen etablierten Backup-Lösungen wie Rsnapshot und Rsync den Vorteil mit, eine grafische Oberfläche zu besitzen (Abbildung 1). Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, blind auf irgendwelche Knöpfchen zu drücken. Solange Sie nicht genau wissen, wie das Programm funktioniert, sollten Sie Sbackup keine wertvollen Daten anvertrauen: Im schlimmsten Fall verlieren Sie diese, im Regelfall funktioniert das Backup schlicht nicht. Denn trotz der Einfachheit (das S in Sbackup steht für "simple") bringt die Software ein paar Fallstricke mit.

Abbildung 1: Sbackup unterscheidet sich von anderen Backup-Programmen durch seine grafische Oberfläche, die in zwei Komponenten zerfällt.

Die aktuelle Version 0.10.5 installieren Sie unter dem aktuellen Ubuntu 9.04 einfach über den Paketmanager Synaptic. Im Anschluss finden Sie die zwei neuen Einträge Simple Backup Config und Simple Backup Restore im Menü System | Systemverwaltung. Das deutet auf zwei Dinge hin: Erstens fehlt der Software noch eine vernünftige deutsche Lokalisierung, zweitens besteht Sbackup aus zwei Subprogrammen. Über Simple Backup Config richten Sie Sbackup ein. Hier legen Sie fest, welche Daten die Software sichert, wo sie diese ablegt und wie häufig sie das tut. Über den Restore-Teil von Sbackup stellen Sie Ihre Sicherungskopien im Bedarfsfall wieder her.

Auftakt

Beim Sichern der Daten machen Sie dabei im Regelfall zunächst ein vollständiges Backup. Im Anschluss folgen dann gewöhnlich so genannte inkrementelle Backups: Diese speichern lediglich die Dateien, die sich seit der letzten Datensicherung verändert haben. In regelmäßigen Abständen (wöchentlich, monatlich – je nach Bedarf) folgen dann wieder Volldatensicherungen. So sammeln sich dank der inkrementellen Methode keine immensen Datenmengen an. Auf jeden Fall sollten Sie im Vorfeld errechnen, wie viel Speicherplatz Sie voraussichtlich für Ihre Daten benötigen, und die Sicherungszyklen dementsprechend einrichten. Unglücklicherweise macht Sbackup keine Meldung über Platzmangel, sondern schreibt die Daten einfach nicht.

Um das gesamte System zu archivieren und bei Bedarf zu restaurieren, eignet sich Sbackup weniger. Sie sichern aber ohne Probleme die Dateien aus Ihrem Home-Verzeichnis. Bei der Wahl des Speicherortes sollten Sie bedenken, dass auch Festplatten irgendwann das Zeitliche segnen. Gleichzeitige Backups auf zwei externen Festplatten würden Sinn ergeben, funktionieren mit Sbackup aber (noch) nicht. Wer sicher gehen will, legt seine Daten auf einem Hardware-RAID-1 ab, das die Festplatten spiegelt.

Schön an Sbackup: Die Software hinterlegt Daten auch auf SSH-Servern und FTP-Servern. Alternativ kaufen Sie also Speicherplatz bei einem Webspace-Anbieter und verschieben die Daten dorthin. Der Vorteil: Diese Anbieter erstellen meist selbst Backups ihrer Kundendaten. Diese lassen sich also nach einem Zwischenfall im Rechenzentrum wiederherstellen. Der Nachteil: Sie müssen die Daten verschlüsseln, um Ihre Privatsphäre zu schützen.

Nutzen Sie auf Ihrem externen Speichermedium ein FAT-Dateisystem, droht ebenfalls Datenverlust. FAT akzeptiert keine Dateien, die eine Größe von vier GByte überschreiten. Bei Filmdateien oder Datensammlungen kann das durchaus passieren.

Ein weiterer Stolperstein: Beim Anstecken einer Festplatte weist Linux dieser einen Pfad zu, etwa /media/disk. Hängt die externe Festplatte einmal nicht am Backup-Rechner, schreibt Sbackup die Daten trotzdem nach /media/disk – also auf die lokale Platte. Das bemerken Sie in den meisten Fällen erst, wenn die Platte plötzlich vollläuft. Zugleich stellen Sie fest, dass Ihre letzten Datensicherungen auf der externen Festplatte fehlen. Über eine Option im Konfigurationsmenü verhindern Sie solche Fehlleistungen allerdings.

Anpacken

Als erstes konfigurieren Sie Sbackup über System | Systemverwaltung | Simple Backup Config. Der Aufruf verlangt nach dem Systemverwaltungspasswort, dann landen Sie im Reiter General (Abbildung 1). Hier entscheiden Sie sich für den vom Programm voreingestellten Sicherungsweg (Use recommended backup settings), selbst gesetzte Settings (Use custom backup settings) oder für ein explizit manuelles Backup (Manual backups only).

Die Wahl der ersten Option bedeutet, dass Sbackup eigene Standardeinstellungen auswählt: Es sichert typische Systemdateien (die Benutzerdateien, die Dateien in /etc/, in /usr/local und in /var), die ein Benutzer theoretisch verändern kann. In /etc befinden sich zum Beispiel die systemweiten Konfigurationsdateien. In die schreiben Sie unter Umständen auch einmal etwas, um einen Dienst automatisch zu starten oder einen Treiber zu deaktivieren. Von anderen Dateien lässt die Software in dieser Einstellung hingegen die Finger: von Multimedia-Dateien, von temporären Dateien und solchen, die mehr als 100 MByte auf die Wage bringen.

Die Wahl der Option Manual backups only führt dazu, dass Ubuntu Daten nicht automatisch und regelmäßig sichert. Backups per Hand schieben Sie ganz einfach an, indem Sie den Button Backup now ganz unten im Fenster bedienen. Vorher gilt es aber, über Speichern die Konfigurationseinstellungen zu übernehmen.

In den meisten Fällen, in denen Sie regelmäßige Backups wünschen, wählen Sie die zweite Option. Welche Dateien Sie sichern wollen, bestimmen Sie in den Registern Include und Exclude auf der Konfigurationsoberfläche. Die Optionen in diesen Reitern erklären sich selbst. Über Add file füttern Sie das Register Include mit zu sichernden Dateien (Abbildung 2), über Exclude nehmen Sie einige dieser Dateien von der Sicherung aus – dazu können zum Beispiel MP3-Dateien oder Filme gehören. Um sämtliche Dateien eines bestimmten Typs zu erwischen, nutzen Sie im Register Exclude ein Tab namens File types. Darüber schließen Sie Dateien nach Endungen aus und fügen auf Wunsch auch eigene Endungen hinzu. Über Max Size unterbinden Sie das Sichern von Files, die eine bestimmte Größe überschreiten. Im Tab Regex definieren Sie Filter mit Hilfe von Regular Expressions, die bestimmte Dateien ausschließen. Die drei Tabs finden Sie ausschließlich im Exclude-Register.

Abbildung 2: Über das Register Include legen Sie fest, welche Daten Sie sichern wollen. Im Reiter Exclude schließen Sie Verzeichnisse und Dateien von der Sicherung aus.

Widmen Sie sich dann dem Reiter Destination, der den Zielort für Ihre Datensicherung definiert (Abbildung 3). Standardmäßig sichert Sbackup Dateien nach /var/backup (Use default backup directory), Sie wollen aber vermutlich einen anderen Speicherort verwenden. Über Use custom local backup directory suchen Sie den passenden Ordner heraus. Dieser darf sich auf Ihrer Festplatte befinden, es kann sich aber auch um externe Festplatten und USB-Sticks handeln, die im Verzeichnis /media hängen. Auch per NFS eingebundene Laufwerke zählen dazu. Die Sicherungsdaten schreibt Sbackup übrigens mit Root-Rechten auf die Festplatte, ohne diese hilft Ihnen das Programm also nicht weiter.

Wollen Sie Ihre Daten im Netz auf einem Root-Server oder im Web Space sichern, brauchen Sie häufig eine SSH- oder FTP-Verbindung. Diese nutzen Sie über die dritte Option (Use a remote directory). Sie geben die notwendigen Anmeldedaten sowie die URL ein und prüfen über Test, ob die Verbindung überhaupt zustande kommt. Der Eintrag

ssh://User:Passwort@192.168.111.1/home/User/Verzeichnis

sichert Ihre Daten im Ordner Verzeichnis unterhalb Ihres Home-Verzeichnisses auf dem entfernten Server 192.168.111.1 im LAN. Ersetzen Sie die IP-Adresse durch die Ihres Root-Servers und passen Sie den Pfad an, um Daten auf Servern im Internet zu sichern. Einziges Problem: Die Software zeigt Ihr SSH- und FTP-Passwort im Klartext an. Lediglich das Systemverwaltungspasswort schützt davor, dass andere Anwender auf Ihrem Desktop die Daten einsehen. Schön, dass der Restore-Teil von Sbackup die angegebene Adresse ebenfalls übernimmt: Das erleichtert, das Backup zu restaurieren.

Abbildung 3: Das Zielverzeichnis einstellen: Ihre Daten sichern Sie entweder auf externen Festplatten oder auf SSH- und FTP-Servern.

Im Register Destination bleibt nun noch ein Punkt offen. Schreiben Sie die Daten auf ein externes Laufwerk, setzen Sie besser ein Häkchen bei Abort backup if .... Andernfalls tritt der bereits geschilderte Fall ein und Ubuntu schreibt die Daten auf Ihre lokale Festplatte, wenn es das externe Speichermedium nicht findet.

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