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Scribus 1.3.3 im Praxiseinsatz

Tabellen und Objekte

Tabellensatz mit Scribus ist ähnlich rudimentär implementiert und mühsam zu bewerkstelligen wie in älteren Versionen der kommerziellen Profi-Layout-Software Quark. Bei Scribus' "Tabellen" handelt es sich um nichts anderes als mehrere gruppierte Textrahmen (Abbildung 7). Das Regulieren der Anzahl oder Breite respektive Höhe einzelner Spalten und Zeilen sowie das Umsortieren, Vereinigen oder Einfärben von Zellen funktioniert also nur über das Auflösen der Objektgruppe und entsprechendes Modifizieren der einzelnen Textrahmen – ein mühseliges Geschäft.

Abbildung 7: Mit viel Handarbeit können Sie auch Scribus schicke Tabellen entlocken.

TIPP

Parallele Tastaturbedienung erleichtert auch unter Scribus das Arbeiten drastisch. Halten Sie beispielsweise beim Verziehen eines Eckpunktes [Umschalt] gedrückt, um einen Rahmen proportional zu skalieren. Mit gedrückter [Strg]-Taste verschieben Sie ein Objekt entlang der X- oder Y-Achse, mit [Strg]+[+] und [Strg]+[-] zoomen Sie hinein oder heraus.

Gelegentlich wirken sich Änderungen von Parametern nicht sofort auf die Darstellung aus, beispielsweise beim Verändern der Spaltenanzahl eines Textrahmens. Erst ein Doppelklick auf das entsprechende Objekt oder das Aus- und Wiedereinblenden der Ebene über das Menü aktualisiert die Darstellung. Als nahezu unmöglich erweist es sich, bei mehreren überlagerten Objekten ein tieferliegendes auszuwählen: Selbst nach Sperren des obersten Objekts wählt Scribus dieses bei einem Klick darauf immer noch aus – es lässt sich dann nur nicht mehr verändern. Ohne aufwändige Umsortierung der Objektreihenfolge oder Verteilung der Objekte auf unterschiedliche Ebenen gibt es keine Chance, an tieferliegende Objekte zu gelangen.

Sind mehrere Objekte markiert, wirken sich Änderungen gewisser Parameter nicht auf alle markierten Objekte aus, sondern nur auf das zuletzt geklickte (beispielsweise bei Farbänderungen eines Verlaufshintergrunds oder beim Rahmenabstand). Besonders beim Tabellensatz macht dieses inkonsequente Verhalten sehr viele einzelne Einstellungen notwendig.

TIPP

Nutzen Sie das Mausrad. In allen Zahlenwert-Feldern in Scribus können Sie durch Positionieren des Mauspfeils und Drehen am Rad die Werte ändern, in Kombination mit gedrückter [Strg]- oder [Umschalt]-Taste auch in größeren oder kleineren Schritten.

Werkzeugkasten

Im Werkzeugarsenal von Scribus finden sich außer Text- und Bildrahmen auch Linien, Bezier- und Freihand-Kurven sowie Polygone sowie einige vordefinierte Formen. Mit dem Polygonwerkzeug erzeugen Sie nicht nur Vielecke, sondern auch Sterne (einzustellen über den Eigenschafts-Dialog im Ausklappmenü). Per Kontextmenü und Umwandeln in konvertieren Sie Objektklassen in andere. Sie verlieren dadurch meist dauerhaft gewisse Möglichkeiten (beispielsweise die Bearbeitbarkeit von Text), gewinnen aber dafür in der Regel andere hinzu (beispielsweise das Füllen mit Bildern und Verläufen oder das individuelle Bearbeiten von Schriftpfaden).

An Textstyles bietet Scribus neben gängigen Dingen wie Kapitälchen oder Großbuchstaben auch andersfarbige Außenlinien und harte Schlagschatten. Jede Objektform, egal ob Polygon oder Objektrahmen, können Sie zudem mit einem soliden oder einem Verlaufshintergrund und einer eigenen Außenlinie verzieren. Im Linien-Menü des Einstellfensters finden sich einige gepunktete und gestrichelte Außenlinien zur Auswahl. Wer mehr will, muss zuerst einen eigenen Stil über Bearbeiten/Linienstile definieren.

Scribus bietet guten Support für Transparenzen, auch mittels Alpha-Kanal. Für den PDF-Export müssen Sie dann allerdings eine PDF-Version ab v1.4 verwenden, die dies unterstützt. Bei der Definition eines Verlaufs stellen Sie mit Deckkraft die Transparenz des Farbverlaufspunkts genauso ein wie seine Farbe, und Scribus interpoliert auch genauso zu den nächstliegenden Verlaufspunkten. Leider stellt Scribus auf dem Bildschirm Transparenzen nur in Weiß dar, sinnvoll wäre hier das gängige Schachbrettmuster.

Auch das Ausrichten von Text entlang von Pfaden beherrscht Scribus: Hierzu markieren Sie einen Textrahmen mit dem entsprechenden Text als Inhalt sowie einen normalen Pfad (Formen und Polygone müssen Sie zuvor in einen solchen umwandeln) und wählen im Menü Objekt den Punkt Text an Pfad ausrichten. Parameter für den Pfadtext stellen Sie über das Eigenschaften-Menü im Abschnitt Form ein. Gewisse Buchstabenkombinationen sehen auf Pfaden eher unglücklich aus und weisen zu große Abstände auf – bessern Sie in einem solchen Fall mit dem Abstandsregler bei den Schrifteinstellungen händisch nach.

Scribus integriert eine Skriptschnittstelle, die Python versteht. Damit lassen sich viele Dinge automatisieren beziehungsweise automatisch erstellen. Einige Skripts, etwa zum Erzeugen von Kalendervorlagen, gehören bereits zum Lieferumfang. Sie rufen sie über das Menü Scripts auf. Weitere, als Exempel für Python-Programmierer gedachte Skripts finden sich unter /usr/share/scribus/scripts, wo auch die vorinstallierten Skripts zu Hause sind.

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LinuxUser 06/2012

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