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Scribus 1.3.3 im Praxiseinsatz

16.07.2009
Das Layoutprogramm Scribus gilt gemeinhin als Open-Source-Antwort auf professionelle Layoutprogramme. Doch wird es diesem Anspruch auch gerecht?

Das freie DTP-Programm Scribus [1] gibt es momentan in zwei Versionen: Die als stable gekennzeichnete Version 1.3.3.13 und die Entwicklerversion 1.3.5.rc2, die in den Repositories gerne auch als Scribus NG, also "Next Generation", gelistet ist. Version 1.3.5 erzeugt zu älteren Versionen inkompatible XML-Dateien, bietet aber bei einem kurzen Test keine großartigen Änderungen gegenüber der stabilen Version – mit Ausnahme eines deutlich vereinfachten Story-Editor-Fensters. Wir testen deshalb die Produktionsversion 1.3.3.13 unter Ubuntu 9.04.

Bei einem Blick auf die aufgeräumt wirkende Programmoberfläche fällt als Erstes auf, dass sich die Scribus-Entwickler für den MDI-Ansatz entschieden haben, auf den beispielsweise auch Microsoft Office setzt: Beim Start der Anwendung erscheint ein Fenster mit grauem Hintergrund ("Canvas"), an dessen Oberkante eine Werkzeugleiste prangt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Scribus-Programmfenster folgt dem MDI-Ansatz.

Benutzeroberfläche

Das für Linux, Windows, Mac OS X und sogar OS/2 verfügbare Qt-basierte Scribus erschlägt den Anwender nicht mit Knöpfen. Über das Menü Fenster lassen sich jedoch diverse frei schwebende Paletten zuschalten, darunter als zentrales Bedienelement die Palette Eigenschaften (Abbildung 2). Zu den besonders wichtigen schwebenden Paletten zählen auch Ebenen und Seiten anordnen. Bei einigen anderen, wie etwa der Druckvorstufenüberprüfung oder dem Abstandsmesser, fragt man sich, was diese im Fenster-Menü zu suchen haben. Das Problem zeigt sich auch in anderen Menüs: Scribus gruppiert und sortiert die Menübefehle nicht unbedingt sinnvoll und logisch. So finden sich beispielsweise auch die freischwebende Palette für die Musterseiten oder Linien-Stilvorlagen nicht unter Fenster, wo sie logisch hingehören würden, sondern unter Bearbeiten.

Abbildung 2: In der Eigenschaften-Palette stellen Sie Attribute ein.

Scribus verfügt über zahlreiche, zumeist gut bestückte Kontextmenüs. Bei der Suche nach einer Funktion – eine der häufigsten Tätigkeiten in Scribus – sollten Sie also immer zuerst einen Rechtsklick mit der Maus probieren, bevor Sie die Pulldownmenüs durchforsten.

In der Werkzeugleiste oben haben vier Gruppen von Icons ihr Lager aufgeschlagen: Dateioperationen, allgemeine Funktionen (Undo/Redo, Copy/Paste), allgemeine Werkzeuge sowie PDF-Werkzeuge. Letztere sind eins der Highlights in Scribus, das als das erstes Programm PDF/X-3 nach dessen ISO-Standardisierung unterstützte. Scribus beherrscht das Erstellen dynamischer PDFs mit Eingabefeldern, Pulldownmenüs, Auswahllisten, Checkboxen oder sogar Javascript (etwa zum Übermitteln der Daten eines ausgefüllten PDFs an einen Webserver).

Programmfeatures

Die von Scribus exportierten, reprofähigen PDFs unterstützen sogar Farbmanagement über ICC-Profile, die Scribus als eines von nur wenigen Linux-Programmen in Form von LittleCMS [2] integriert.

Damit die erzeugten PDFs absolut standardkonform ausfallen, stellt Scribus hohe Ansprüche an die verwendeten Schriften. Fehlerhafte Schriften, wie man sie im Überfluss auf zahllosen Free-Font-Webseiten findet, mag das DTP-Programm überhaupt nicht. Solche Schriften sind oft nicht sauber erstellt oder skalieren schlecht, sodass sie sich nicht zum Druck eignen. Stellt Scribus Ihre Lieblingsschrift also fehlerhaft dar, liegt das fast immer daran, dass sie Fehler aufweist – auch wenn sie in anderen, toleranteren Programmen vermeintlich korrekt aussieht. Die Scribus-Homepage erläutert ausführlich [3], woran Sie Schriften erkennen, die keine Probleme machen – beziehungsweise woher Sie diese bekommen. Unter Skripte | Scripte für Scribus findet sich außerdem das Python-Script FontSample, mit dem Sie bereits installierte Fonts prüfen.

Scribus unterstützt neben Truetype- auch Opentype-Fonts [4] und kann mit Bildern im CMYK-Format umgehen. Es lädt neben den gängigen Formaten auch TIFFs und neuerdings sogar PSD-Dateien im Photoshop-Format. Die Bilder dürfen Ebenen, eigene ICC-Profile und Beschneidungspfade mitbringen. Momentan versteht sich Scribus nur auf 8 Bit Farbtiefe, 16-Bit-Unterstützung stellen die Entwickler jedoch für die nahe Zukunft in Aussicht. Per Import lädt Scribus auch SVG-Vektorgrafiken (hier gelten dieselben rigiden Qualitätsstandards wie für Schriften), OpenOffice-Dokumente oder EPS/Postscript-Dateien.

Als äußerst flatter- und fehlerhaft erweist sich die Undo-Funktion, die nur sporadisch funktioniert. Selbst dann stellt sie manchmal den letzten Zustand nur teilweise wieder her, und auch ein Redo scheitert häufig. Gelegentlich kollabiert Scribus gar beim Klick auf den Undo-Knopf gänzlich. Wir raten deshalb zu regem Gebrauch von Speichern und Neu laden im Dateimenü, bis die Entwickler diesen extrem ärgerlichen Fehler beheben.

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