AA_70er-tv-testbild_sxc1010789.jpg

© sxc.hu

Altes aus der Anstalt

Online fernsehen

23.07.2009
Die Mediatheken öffentlich-rechtlicher TV-Anstalten glänzen mit schönen Weboberflächen, doch mit der Funktionalität hapert es. Mit dem Java-Programm Mediathek fällt das Online-Fernsehen leichter.

Einige öffentlich-rechtliche Sender stellen seit geraumer Zeit ihre Beiträge online kostenfrei zur Verfügung. Der geneigte Gebührenzahler braucht nur auf die entsprechende Website zu wechseln und kann dort die Beiträge als Videostream abrufen. Doch einen Haken hat die Sache: Die Beiträge lassen sich nur über die jeweiligen Webinterfaces abrufen. Die sehen zwar schön aus, doch mit ihrer Funktion hapert es ab und an (Abbildung 1).

So funktioniert der Abruf dank diverser Skripte nicht mit jeder Rechnerkonfiguration. Einer der vielen PCs, die sich beharrlich weigern, das Angebot richtig anzuzeigen, gehört dem Autor dieses Artikels. Da der jedoch ab und an das Angebot der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Anspruch nehmen möchte, ohne vor dem Fernseher auf die richtige Sendung zu warten oder mehrere Webportale anzusurfen, musste eine Lösung her.

Abbildung 1: Schon bei der Anzeige der Sender-Mediatheken sind Mängel zu erkennen, hier zu sehen ist die Mediathek der ARD, die mit Darstellungsproblemen auffällt.

Zentrale Mediathek

Die Lösung war schnell gefunden. Sie heißt schlicht "Mediathek" [1] und ist genauso einfach wie genial: Das Java-Programm ruft die Inhaltslisten der Mediatheken von ARD [2], ZDF [3], 3sat [4] und Arte [5] ab. Das Angebot stellt es dann hintereinander in einer langen Tabelle dar. Nun kann man es nach diversen Kriterien filtern oder nach speziellen Schlagworten suchen.

Doch vor dem Fernsehspaß am Heim-PC steht die Installation. Sie dauert wie im Kasten "Mediathek einrichten" beschrieben nur wenige Sekunden bis Minuten. Anschließend rufen Sie eine Konsole auf und starten die Mediathek mit der Befehlszeile

$ java -jar /Installationsort/Mediathek.jar

Für mehr Komfort empfiehlt es sich, die Startzeile ins Programmmenü einzubinden. Bei der vom Autor verwendeten Desktopumgebung Fluxbox erfolgt das schnell und einfach durch Editieren der Datei Menu im versteckten Verzeichnis .fluxbox.

Mediathek einrichten

Die Installation gestaltet sich erfreulich einfach. Die Mediathek in der aktuellen Version 0.9.3 benötigt lediglich eine aktuelle Java-Laufzeitumgebung mindestens der Version 1.6 [6], die so gut wie jede Distribution im Repository hat. Die restlichen Abhängigkeiten in Form dreier Dateien bringt das gezippte Programmverzeichnis selbst mit. Die ZIP-Datei entpacken Sie in ein neu erstelltes Verzeichnis Mediathek entweder im Userspace oder im System (etwa unter /opt/. Darin erblicken Sie nun die Datei Mediathek.jar sowie ein Verzeichnis, das die drei Dateien jdom.jar, rome-1.0.jar und commons-lang-2.4.jar enthält. Nach dem Entpacken sollten Sie sich noch nach einem gewünschten Player umschauen – mit VLC, Kaffeine oder Totem sind aber meist bereits passende Exemplare installiert.

Anpassungen

Ganz fertig ist die Einrichtung der Mediathek aber noch nicht. Erst müssen Sie noch Ihr Lieblingsabspielprogramm für bewegte Bilder einbinden. Dazu schauen Sie in den unteren Teil der gestarten Programmoberfläche: Hier sehen Sie im unbearbeiteten Zustand die Einträge Linux und Windows. Die Untereinträge unter Windows können Sie ohne Zögern entfernen. Dazu klicken Sie auf die Schaltfläche Pfade, markieren die entsprechenden Zeilen in der Übersicht und drücken die Schaltfläche mit dem Minus-Symbol. Nun sollten nur noch die Einträge für Linux in der Tabelle stehen.

Als Beispieleinträge (Abbildung 2) führt die Mediathek das Abspielen mit dem VLC sowie zwei Einträge für das Aufnehmen mit dem MPlayer an. Möchten Sie ein anderes Programm zur Wiedergabe nutzen, markieren Sie die letzte Zeile. Drücken Sie nun auf das Plus-Symbol. Die neu erstellte Zeile befüllen Sie über den kleinen Dialog am unteren Fensterrand. Ins Feld Programm schreiben Sie den Pfad zum Abspielprogramm. Für den KDE-Player Kaffeine lautet die Zeile beispielsweise /usr/bin/kaffeine, den Pfad erhalten Sie durch die Abfrage which kaffeine auf der Kommandozeile.

In die Zeile Schalter kommt ein einsames %f. Das bewirkt, dass die URL des gewünschten Beitrags an den Mediaplayer übergeben wird. Unter Name vergeben Sie dann noch einen aussagekräftige Namen für die neue Schaltfläche, etwa Abspielen mit Kaffeine. Anschließend können Sie die Schriftfarbe der neu erstellten Schaltfläche ändern. Zu guter Letzt rücken Sie die neue Schaltfläche noch an die erste Stelle, indem Sie den Button auf solange klicken, bis die Zeile an der gewünschten Position steht. Ein Klick auf OK schließt den Dialog, und Sie erblicken den frisch erschaffenen Schalter in der Programmoberfläche.

Abbildung 2: Programm-Pfad, Schalter und Bezeichnung – mehr ist für die Einrichtung eines neuen Players nicht einzutragen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Die Neunte
    Auch wenn ARD, ZDF und Co. inzwischen mehrheitlich auf den Einsatz von Flash in ihren Mediatheken verzichten, erleichtert MediathekView weiterhin den Zugang zu den Online-Videotheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender.
  • Mediathek 2.2.1 im Test
    Wenn Sie es leid sind, Filmbeiträge mühsam aus den Online-Archiven der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten herausfischen zu müssen, sollten Sie einen Blick auf Mediathek werfen.
  • Fernsehen, das begeistert
    Vor allem öffentliche Fernsehstationen bieten viele ihrer Produktionen als Streams im Internet an. Mit den richtigen Tools verwandeln Sie Ihren PC im Handumdrehen in einen Fernseher mit Programm on demand.
  • Freies Fernsehen mit MediathekView
    Mit MediathekView greifen Sie unkompliziert auf die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland und Österreich zu. Mit dem Programm sehen Sie die Sendungen nicht nur an, sondern laden sie auch herunter.
  • MediathekView: Videos von ARD, ZDF & Co.
    Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland bieten fast alle Sendungen auch online an. Mit MediathekView laden Sie diese manuell oder automatisch herunter und speichern sie lokal.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 02/2016: Alt-PCs flott machen

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...
Windows 10 verhindert LINUX
Hans Wendel, 17.11.2015 17:47, 7 Antworten
Hallo alle, mit einem W10-Laptop (vorher war Win7) wollte ich LINUX ausprobieren. Alles, was ni...