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© sxc.hu, Alessandro Paiva

Sanfte Reinigung

Log- und Cache-Dateien automatisch entfernen

23.07.2009
Linux-Dienste sind aus Sicherheitsgründen sehr protokollierfreudig. Damit die Logdateien und andere Protokolle nicht auf Dauer überhand nehmen, empfiehlt sich Bleachbit als Saubermann.

Hat Linux einmal Schluckauf, lässt sich die Ursache dafür in der Regel schnell ausfindig machen: So gut wie alle systemrelevanten Prozesse führen Log-Dateien, die die Arbeit der Software mitprotokollieren. Was des Forensikers und Systemanalytikers Freud', ist auf Dauer jedoch des Anwenders Leid: Die "Geschwätzigkeit" der Daemons und Applikationen führt zu stetig wachsenden Protokolldateien, die bei einem stabil arbeitenden System nur noch in seltensten Fällen benötigt werden. Zusätzlich legen manche Systemdienste auch noch rotierende, archivierte Protokoll- und Sicherungskopien der Logdateien an und belegen so weiteren Plattenplatz.

Doch damit nicht genug: In den Reigen der in bester Absicht gespeicherten, jedoch für den Anwender meisten nutzlosen Dateirelikte reihen sich auch noch Cache-Dateien ein, wie sie viele Anwendungen zum Zweck der Geschwindigkeitssteigerung auf die Festplatte packen. Besonders aktiv betätigen sich in diesem Fall die Webbrowser, die neben einer Historie der besuchten Webseiten auch Inhalte wie Bilder und Grafiken puffern, um sie bei einem erneuten Aufruf der betroffenen Seite schneller laden zu können. Firefox & Co. speichern zudem in den Standardeinstellungen auch sogenannte Cookies, mit denen sich unter Umständen das Nutzerverhalten nachvollziehen lässt.

Selbst Multimedia-Applikationen wie Rhythmbox, der proprietäre RealPlayer und natürlich die meisten Chat-Programme horten viele Anwenderdaten, sodass sich auf einem noch nicht einmal sonderlich intensiv genutzten Rechner mit der Zeit erkleckliche Datensammlungen aufbauen. Neben der in den meisten Fällen gegebenen Platzverschwendung stellen diese Dateien eine erhebliche Gefahr für die Privatsphäre dar: Über diemeist im Klartext vorliegenden Daten lässt sich das Nutzerverhalten teilweise über Monate hinweg nachvollziehen.

Linux bietet von Haus aus verschiedene Möglichkeiten, die Protokollflut einzudämmen: So löschen etwa entsprechende Cronjobs die Logdateien in regelmäßigen Abständen automatisch. Auch das Komprimieren, Rotieren und Löschen der Systemlogs lässt sich mithilfe von logrotate steuern. Allerdings gilt es sich dazu mit der Konfiguration dieser Kommandozeilenwerkzeuge anzufreunden.

Als kleines grafisches Helferlein, das die zwischengespeicherten Dateileichen der sensibelsten Applikationen zuverlässig aus dem System entfernt, bietet sich Bleachbit [1] an. Das Programm findet sich in den Repositories von Debian, Ubuntu und deren Derivaten. Für Distributionen wie CentOS, Fedora, Mandriva, Slackware oder die Red-Hat- und Novell-Enterprise-Varianten gibt es vorkompilierte Pakete zur bequemen Installation, unter anderen Linux-Varianten gilt es den Quellcode manuell zu übersetzen.

Die Installationsroutine von Bleachbit legt unter Gnome zwei Einträge im Menü Anwendungen | Systemwerkzeuge an: Der erste gestattet den Einsatz des Programms im Usermodus, für den Aufruf des Programms über den zweiten Punkt benötigen sie administrative Rechte. Unabhängig vom Betriebsmodus zeigt sich nach dem Start der Software das selbe zweigeteilte Programmfenster: Im linken Bereich wählen Sie aus vorgegebenen Cache- und Protokolldateien diverser Applikationen und Dienste diejenigen aus, die sie löschen möchten. Bei der Anwahl blendet Bleachbit in der rechten Fensterhälfte Detailinformationen darüber ein, welche Löschvorgänge sich hinter den einzelnen Optionen verbergen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bleachbit erleichtert mit aussagekräftigen Erklärungen die Arbeit.

Oberhalb der beiden Fensterhälften befindet sich noch eine Leiste mit zwei Auswahlschaltern. Über Vorschau lokalisieren Sie die obsoleten Dateien zunächst nur, ohne sie zu löschen. So erhalten Sie einen Überblick darüber, wieviel Speicherplatz das Entfernen der Dateien frei macht. Ein Klick auf Löschen entfernt nach einer Sicherheitsabfrage die Dateien unwiderruflich. Starten Sie den Löschvorgang im Usermodus, löscht Bleachbit jedoch nur jene Dateien, für die Sie auch entsprechende Rechte besitzen. Alle Dateien, deren Löschen Root-Rechte erfordert, kennzeichnet die Software in roter Farbe. Wollen Sie Ihr System möglichst umfassend von unnötigem Ballast befreien, sollten Sie Bleachbit daher gleich als root starten.

Bei der Auswahl der zu löschenden Dateien geht Bleachbit kontextsensitiv vor: So entfernt es beispielsweise aus dem zentralen Logverzeichnis jeder Linux-Distribution zwar die rotierenden, meist komprimierten Dateien, nicht jedoch die noch in Gebrauch befindliche Systemlog-Datei. Auch die aktuelle Logdatei des X-Servers sowie des Kernels tastet das Tool nicht an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Sauber und aufgeräumt: Aktuelle Logdateien tastet Bleachbit nicht an.

Zwar befreit Bleachbit ein durchschnittlich konfiguriertes Linux-System recht effektiv von unerwünschtem Datei-Ballast, es kann aber nicht von vorne herein jede Applikation kennen. Daher bietet die Software zusätzlich die Option, eigene Programme zum Kanon der zu überwachenden Dienste hinzuzufügen. entsprechenden Module ergänzen Sie in Form einzelner XML-Dateien [2]. Mithilfe dieser Möglichkeit zur Individualisierung kann Bleachbit auch ganz spezielle Systemkonfigurationen adäquat berücksichtigen.

Fazit

Bleachbit befreit Ihr System effektiv, schnell und bequem mittels einer grafischer Oberfläche von unnötigem Dateiballast. Dabei beschränkt sich die Software nicht nur auf rotierende Logarchive oder temporäre Dateien, sondern leistet zusätzlich einen unschätzbaren Beitrag zum Datenschutz, indem sie auch Cache-Dateien verschiedenster Anwendungen sowie Cookies löscht.

Daneben überzeugt Bleachbit durch eine vollständige deutsche Lokalisierung auch der erklärenden Anmerkungen, sodass sich die einzelnen Löschvorgänge für den Nutzer leicht nachvollziehen lassen. Für Power-User ist zudem die Option interessant, auch die Log- und Cache-Dateien spezieller Anwendungen überwachen und löschen zu lassen. Das steigert den Nutzwert von Bleachbit nochmals erheblich.

Bereits in der Standardkonfiguration erbringt die Software jedoch sehr gute Ergebnisse: So machte Bleachbit auf unseren Testsystemen selbst bei konservativer Softwareinstallation durchgängig 200 MByte und mehr an Festplattenspeicher von unnötigem Ballast frei (Abbildung 3). Alles in allem eignet sich Bleachbit somit auch bestens für Linux-Einsteiger und sollte zur Pflichtaustattung eines gut gewarteten Rechners gehören.

Abbildung 3: Schnell und effizient schaufelt Bleachbit über 200 MByte Plattenplatz frei.

[1] Bleachbit-Homepage: http://bleachbit.sourceforge.net.

[2] Anleitung zum Anlegen eigener Module (englisch): http://bleachbit.blogspot.com/2009/02/cleaner-markup-language.html.

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