AA_ivan-philipov_sxc847109.jpg

© sxc.hu, Ivan Philipov

Spielen und Lernen

Linux für Vorschulkinder

20.07.2009
Für Kinder im Vorschulalter gibt es nur wenige altersgerechte Software. Juxlala bringt Linux samt Lernprogrammen und Spielen auch für Drei- bis Sechsjährige auf den Desktop.

Kids lieben Computer. Schon die Kleinsten sind fasziniert von der bunten Welt, die sich am Bildschirm bietet. Die speziellen Bedürfnisse von Kindern im Vorschulalter bedürfen jedoch auch entsprechend angepasster Software, die die kleinen Entdecker nicht überfordert. Während es für andere Betriebssysteme lediglich wenige, in der Regel teuer zu erwerbende Programme gibt, die man zudem umständlich auf der heimischen Festplatte installieren muss, finden sich für Linux dank innovativer Konzepte schon seit langem Live-CDs für die Kindergarten-Klientel, die weder Löcher in den Geldbeutel reißen noch zeitraubend auf Massenspeichern installiert werden müssen. Als Vorreiter im deutschsprachigen Raum sticht hier insbesondere das aus Österreich stammende Juxlala ins Auge, das soeben in der Version 2 erschienen ist.

Juxlala [1] entsteht unter dem Dach von Netbridge, einem Verein zur Förderung der außerschulischen Jugendarbeit in Wien. Bereits die 2007 erschienene, auf Knoppix basierende erste Version der Live-Distribution hatte durch ein sehr schönes Erscheinungsbild mit einem kindgerechten Desktop und einer sorgsamen Programmauswahl auf sich aufmerksam gemacht. Die brandneue Version 2 haben die Entwickler noch einmal technisch aktualisiert und durch den Umstieg auf Grml [2] als Basis auch erheblich schlanker und schneller gemacht.

Kindgerechte Oberfläche

Auf der Juxlala-Homepage finden Sie einen Torrent-Download-Link für das ISO sowie verschiedene Anleitungen, um dieses auf CD zu brennen. Anschließend starten Sie den Rechner direkt von diesem Datenträger.

Abbildung 1: Den Juxlala-Desktop kann jedes Kind sofort bedienen.

Fährt man mit der Maus über die Kindergestalten auf dem Arbeitsplatz, so verändern sich diese in aussagekräftige Symbole für die entsprechende Software, die auf einen Mausklick hin startet. Dabei hat Juxlala neben der Lernprogramm-Suite Gcompris [3] auch Applikationen zur Ausbildung motorischer Fähigkeiten (Maussteuerung, Tastaturübungen) mit an Bord, daneben bringt es auch das einfache Malprogramm Tuxpaint sowie mit Circus Linux [4] ein kindgerechtes Spiel mit. Aufgrund der durchdachten Auswahl der Software entwickelt das Kind somit nicht nur spielerisch individuelle Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer, sondern wird ganz nebenbei auch noch an schulischen Lehrinhalten herangeführt.

Dabei fällt auf, dass sich die Entwickler von Juxlala große Mühe gegeben haben, um das ganze System wie aus einem Guss wirken zu lassen: Sie haben nicht nur das Erscheinungsbild der Applikationen soweit möglich vereinheitlicht, sondern auch nahezu alle Programme komplett deutsch lokalisiert, was auch die Audiowiedergabe einschließt. Um der rasanten kindlichen Entwicklung in der angepeilten Altersgruppe Rechnung zu tragen, integriert Juxlala für die "älteren Semester" im Vorschulalter zudem noch einige weitere Applikationen. Die lassen sich per Rechtsklick auf den Desktop erreichen und sind thematisch in verschiedene Menüs gruppiert.

Neben einigen bekannten Spielen wie Frozen Bubble sowie Tuxmath für das Erlernen der Grundrechenarten finden sich hier auch der Webbrowser Iceweasel sowie im Untermenü Kleinigkeiten eine Reihe von schlanken Applikationen aus verschiedensten Kategorien. Das Hauptmenü verrät zudem das Geheimnis der enormen Geschwindigkeit, mit der Juxlala arbeitet: Als Windowmanager dient das als ressourcenschonend bekannte Fluxbox, das Programm Idesk bringt die animierten Symbole auf den Desktop.

Für Eltern, die für ihre Kinder im Internet altersadäquate Inhalte suchen, haben sich die Entwickler von Juxlala hier ein besonderes Goodie einfallen lassen: Iceweasel bringt bereits rund ein halbes Dutzend Lesezeichen für Webseiten mit, die sich für Kinder im Vorschulalter eignen. Eltern, die sich zu Themen der Medienerziehung weiterbilden möchten, kommen hier über entsprechende Bookmarks ebenfalls auf ihre Kosten.

Einstellungssache

Das Einstellungsmenü, mit dessen Hilfe sie Juxlala auch auf einen USB-Stick oder die Festplatte installieren, erreichen Sie durch einen Klick auf das Werkzeugsymbol unten rechts auf dem Desktop. Um den forschungsfreudigen Nachwuchs von Systemeinstellungen wie etwa dem Netzwerkzugang fernzuhalten, muss man hier zunächst eine Multiplikationsaufgabe lösen, bevor man Zugang zu den eigentlichen Einstellungen erhält. Die einzelnen Menüeinträge verzweigen zu verschiedenen Skripten, die meist im Terminal laufen, sich aufgrund der guten Bedienerführung aber selbst von ungeübten Anwendern nutzen lassen. Zudem hilft eine offline auf der CD-ROM befindliche, sehr umfassende Dokumentation (Abbildung 2) beim Lösen von Problemen.

Abbildung 2: Eine sehr detaillierte Dokumentation rundet Juxlala ab.

Juxlala bietet auch im Live-Betrieb die Option, individuelle Daten des kleinen Benutzers dauerhaft zu sichern. Dazu genügt ein handelsüblicher USB-Stick, den das Hotplug-System der Distribution automatisch erkennt. Es öffnet dann ein entsprechendes Dialogfenster, in dem Sie per Mausklick auswählen, ob Daten auf den Stick gespeichert oder von diesem eingelesen werden sollen. Auf diesem Weg lassen sich Anwenderdaten aus Tuxpaint oder Gcompris sichern und wieder herstellen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 09/2015: Paketverwaltung

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 2 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Scanner EPSON Perfection V 300 photo und VueScan
Roland Welcker, 19.08.2015 09:04, 1 Antworten
Verehrte Linux-Freunde, ich habe VueScan in /usr/local/src/vuex_3295/VueScan installiert, dazu d...
Empfehlung gesucht Welche Dist als Wirt für VM ?
Roland Fischer, 31.07.2015 20:53, 2 Antworten
Wer kann mir Empfehlungen geben welche Distribution gut geeignet ist als Wirt für eine VM für Win...
Plugins bei OPERA - Linux Mint 17.1
Christoph-J. Walter, 23.07.2015 08:32, 3 Antworten
Beim Versuch Video-Sequenzen an zu schauen kommt die Meldung -Plug-ins und Shockwave abgestürzt-....
Wird Windows 10 update/upgrade mein Grub zerstören ?
daniel s, 22.07.2015 08:31, 7 Antworten
oder rührt Windows den Bootloader nicht an? das ist auch alles was Google mir nicht beantw...
Z FUER Y UND ANDERE EINGABEFEHLER AUF DER TASTATUR
heide marie voigt, 10.07.2015 13:53, 2 Antworten
BISHER konnte ich fehlerfrei schreiben ... nun ist einiges drucheinander geraten ... ich war bei...