Professionelle Datensicherung

Das regelmäßige Sichern der Datenbestände gehört in Firmen nicht zur Kür, sondern zum vorgeschrieben Pflichtprogramm, nicht zuletzt wegen der gesetzlich geregelten Aufbewahrungsfrist von bis zu zehn Jahren.

Als Backup-Medien kommen dabei, wie erwähnt, beinahe ausnahmslos Bänder zum Einsatz. Sie bieten zum einen den günstigsten Preis per GByte, zum anderen haben sie sich gerade für beim langfristigen Aufbewahren von Daten bewährt, da die Bänder bei richtiger Aufbewahrung extrem langsam altern. Um zu gewährleisten, dass die Daten von jedem beliebigen Zeitpunkt rekonstruiert werden können, verwenden viele Admins als Backup-Strategie das Generationen-Rotationsprinzip, auch als "Großvater, Vater, Sohn" bekannt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Generationenprinzip "Großvater, Vater, Sohn" gewährleistet, dass sich Daten von jedem beliebigen Sicherungszeitpunkt lückenlos wiederherstellen lassen.

Die "Sohn"-Medien enthalten die Tagessicherung, die "Vater"-Medien das Wochenbackup und die "Großvater"-Bänder das Monats-Backup. Das folgende Beispiel eines üblichen Szenarios veranschaulicht die Technik: An den ersten vier Tagen der Woche erfolgt jeweils eine inkrementelle oder differenzielle Datensicherung (siehe Kasten "Sicherungsmethoden") auf die "Sohn"-Medien 1 bis 4, am Freitag steht eine Vollsicherung auf das "Vater"-Band 1 an. In der nächsten Woche erfolgt die inkrementelle Datensicherung wieder auf die "Sohn"-Tapes der Vorwoche, am Freitag ein Vollbackup auf "Vater" Nummer 2. So setzt sich das über alle Wochen des Monats fort. Am Monatsende kommt der Großvater 1 an die Reihe, der eine vollständige Datensicherung aufnimmt. Damit werden die "Vater"-Medien 1 bis 4 für die wöchentlichen Komplettsicherungen des Folgemonats frei. Der "Großvater" wandert zur Archivierung in den Datenschutzschrank oder noch besser ein externes Archiv wie einen Banksafe (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Auslagern von Backupmedien verhindert, dass die vermeintlich sicheren Daten von katastrophalen Einflüssen wie etwa Bränden zerstört werden. (Bild: Kroll Ontrack)

Diese Art der Datensicherung ist zwar sehr effizient, für den Privatanwender aber zu umständlich, zu teuer und in der Regel auch nicht notwendig. Selbst der Einsatz von Streamern lohnt sich nur in Ausnahmefällen, da sowohl die Geräte als auch die Speichermedien verhältnismäßig teuer sind. Darüber hinaus erschwert die sequenzielle Speichertechnik von Bändern das Wiederherstellen einzelner Daten erheblich, da Sie unter Umständen eine Minute darauf warten, bis das Tape zur richtigen Stelle gespult ist.

Sicherungsmethoden

Die klassische Datensicherung unterscheidet zwischen drei verschiedenen Verfahren (Abbildung 3), die jede für sich ihre Vor- und Nachteile mitbringt und in der Regel in Kombination zum Einsatz kommen.

  • Full Dump (Volldatensicherung): Diese Methode speichert alle auf einem Medium lagernden Daten. So lassen sich alle Dateien einfach zu rekonstruieren. Allerdings fallen hohe Datenvolumina an, die selbst große Speichermedien schnell an ihre Grenzen bringen und lange Backup-Zeiten erzwingen.
  • Differenziell: Es werden nur jene Daten gesichert, die sich seit der letzten Vollsicherung geändert haben oder neu dazukamen. Die Daten lassen sich mittels des letzten Vollbackups und des letzten differenziellen Backups einfach wiederherstellen. Durch die Redundanzen der differenziellen Backups fällt aber auch hier ein hohes Datenvolumen an.
  • Inkrementell: Dies Backupstrategie sichert lediglich die Daten, die sich seit dem letzten inkrementellen Backup verändert haben oder neu hinzukamen. Somit enthält ein inkrementelles Backup anders als ein differentielles keine doppelten Daten. Ein Wiederherstellen erfordert aber immer alle Backupsätze seit der letzten Vollsicherung. Dafür benötigt diese Methode mit Abstand am wenigsten Speicherplatz.
Abbildung 3: Während die differenzielle Datensicherung stets alle Dateien seit der letzten Vollsicherung berücksichtigt, speichert die inkrementelle nur die jeweils geänderten Daten seit der letzten inkrementellen Sicherung.

Private Datensicherung

Der Anspruch bei der privaten Datensicherung unterscheidet sich in vielen Punkten essenziell vom jenem in Unternehmen. Hier steht eine möglichst einfache Handhabung im Vordergrund. Das betrifft sowohl das Erstellen der Backups als auch das Wiederherstellen verloren gegangener Daten. Zunächst gilt es jedoch festzulegen, welche Daten in welchem Turnus gesichert werden sollen. So lohnt es beispielsweise nicht, von der mehr oder weniger statischen Musiksammlung alle drei Tage ein Backup zu erstellen, während bei den Dokumenten oder dem E-Mail-Postfach unter Umständen sogar eine mehrfache tägliche Sicherung angebracht ist.

Generell sollten Sie externe Backupmedien nicht unmittelbar beim PC aufbewahren. Viele Firmen verwahren einen Teil ihrer Datensicherung sogar im Banktresor, um beispielsweise im Falle eines Brandes nicht alle Daten zu verlieren. Das ist für den Privatanwender sicherlich nicht praktikabel, jedoch sollten Sie zumindest die Jahressicherung im Keller oder einem anderen Raum aufbewahren.

Es macht wenig Sinn, den Rechner vor dem Zugriff Fremder abzusichern, während das Backupmedium jedem Einsicht in die persönlichen Daten gewährt, der das möchte. Deswegen sollten Sie die Daten entsprechend schützen. Das gilt in besonderem Maße, wenn Sie in Erwägung ziehen, die Daten bei einem Online-Storage-Dienstleister wie Humyo [2] zu speichern. Den sichersten Schutz vor dem Zugriff Fremder bietet zweifellos der Einsatz von Truecrypt-Containern, die sich im eingehängten Zustand wie ein normales Laufwerk verhalten ([3], [4]). Alternativ packen Sie Ihre gesicherten Dateien und versehen das Archiv mit einem Passwort.

Einen Sonderfall der Datensicherung, der sich nicht nur an private Anwender richtet, ist das Erstellen von Festplatten- oder Partitionsimages. In der Open-Source-Welt hat sich dafür das Programm Clonezilla [5] etabliert. Diese Methode eignet sich aber nur bedingt zur Datensicherung, sondern dient in erster Linie zur Systemwiederherstellung. Haben Sie Ihr Heimatverzeichnis aber auf einer eigenen Partition untergebracht, stellt Clonezilla eine durchaus brauchbare Alternative dar. Allerdings erlaubt es weder eine inkrementelle noch eine differentielle Sicherung. Dafür ermöglicht das Programm, das Image nicht nur auf einer lokalen Platte, sondern auch in einem NFS- oder SSH-Verzeichnis im Netz zu speichern.

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