Drüberbügeln

HP liefert das Pavilion dv2 mit vorinstalliertem Windows Vista, eine Linux-Version sucht man wie so oft vergebens – zu Unrecht, wie unsere Erfahrungen mit Ubuntu zeigen. Flugs ist das installierte Microsoft-OS inklusive der HP-entwickelten Mehrwertsoftware mit einem freien Betriebssystem überspielt.

Zuerst prüfen wir die Lauffähigkeit unter Ubuntu 9.04, das sich allerdings nicht im Live-Modus von DVD booten oder über den grafischen Installer aufspielen lässt. Mit der Installation im Textmodus klappt es dann, nahezu alle Komponenten erkennt "Jaunty" direkt und bindet sie korrekt ein: Die Chicony-Webcam, der Scrollbereich auf dem Touchpad, Bluetooth, WLAN, Ethernet und die Multimediatasten funktionieren sofort, für den Radeon-Grafikchip installierten wir mit dem in Ubuntu integrierten Assistenten für proprietäre Treiber den offiziellen ATI-Treiber.

Lediglich zwei relativ gängige Komponenten funktionieren überraschenderweise unter Ubuntu 9.04 nicht: der integrierte Multi-Cardreader und die Sound-Ausgabe, die ausschließlich über den Kopfhörerausgang klappt. Der intern per USB angeschlossene Multi-Cardreader ist durch einen simplen Eintrag von usb-storage in der Datei /etc/modules schnell zur Mitarbeit überredet. Warum Ubuntu 9.04 dieses Wald- und Wiesen-Modul nicht von selbst lädt, bleibt ein Rätsel.

Etwas schwieriger wird es beim Sound: Der im ATI-Chipsatz integrierte Conexant-Audiokern weigert sich standhaft, über das für ihn geladene Modul snd-hda-intel, das Geräte nach Intels HD-Audio-Standard "Azalia" bedient, Töne auszugeben. Abhilfe schafft ein spezieller ALSA-Treiber von der Conexant-Linux-Seite [1], flankiert durch dazu passende Einträge in /etc/modprobe.d/alsa-base.conf (Listing 1). Allerdings gibt sich die Lautstärkeregelung nicht besonders linear: Regelt man nur vier Schritte von der Maximallautstärke herunter, hört man schon nichts mehr, obwohl der Balken noch dreiviertel der Lautstärke anzeigt.

Listing 1
alias snd-card-0 snd-hda-intel
alias sound-slot-0 snd-hda-intel
options snd-hda-intel model=hp-dv5
options snd-hda-intel enable_msi=1

Da es sich bei AMDs Neo um einen 64-Bit-fähigen Chip der K8-Athlon-Generation handelt, probieren wir auch die Installation von 64-Bit-Ubuntu. Das verhält sich exakt genauso verhält wie die 32-Bit-Version. Testweise installieren wir auch Ubuntu 8.10 und stellen zu unserer Verwunderung fest, dass hier zwar die Audioausgabe und der Kartenleser funktionieren, aber dafür das integrierte Netzwerk nicht. Der etwas ungewöhnlich per PCI Express angebundene Realtek RTL8101E will partout nicht mit dem geladenen, etwas veralteten Kernelmodul r8169 harmonieren. Also laden wir den aktuellen amtlichen und quelloffenen Treiber für den 8101 von der Realtek-Homepage [2], kompilieren und installieren ihn wie im Readme beschrieben.

Doch auch bei Ausschließen des Kernelmoduls r8169 durch den Eintrag blacklist r8169 in /etc/modprobe.d/blacklist können wir nicht verhindern, dass es geladen wird und dem r8101-Modul in die Suppe spuckt. Der Grund: init.d lädt diesen Treiber schon sehr früh im Bootprozess noch vor Abarbeiten der Blacklist. Ein Rekonfigurieren des Kernels (Listing 2) bringt schließlich die Lösung. Ansonsten funktioniert unter Ubuntu 8.10 alles genauso vom Start weg wie unter Ubuntu 9.04.

Listing 2
# kv=`uname -r`
# mv /lib/modules/$kv/kernel/drivers/net/r8169.ko /lib/modules/$kv/kernel/drivers/net/r8169.ko.old
# depmod -a
# mv /boot/initrd.img-$kv /boot/initrd.img-$kv.ubuntu
# mkinitramfs -o /boot/initrd.img-$kv $kv

Der Suspend-to-RAM-Schlafmodus funktioniert nur ohne den ATI-Treiber, mit ihm bleibt nach dem Aufwachen der Bildschirm schwarz – ein altbekanntes Problem.

Nicht ganz so gut das Bild unter OpenSuse 11.1: Hier funktionieren nach der Installation einige Komponenten nicht. Die Webcam verweigert den Dienst ebenso wie der ATI-Treiber für den Radeon-HD-Grafikchip. Nach dessen Installation über das in YaST eingebundene ATI-Opensuse-Repository bleibt der Bildschirm nach einem Neustart komplett schwarz.

OpenSuse 11.1 hat dasselbe Problem mit dem Sound wie Ubuntu 9.04. Mit dem Opensuse-RPM von der Conexant-Homepage [3] können wir dem Pavilion zwar auch unter dem Chamäleon-Linux Töne entlocken, die Sound-Unterstützung erweist sich jedoch als etwas wackelig. Der Ton verabschiedet sich gerne nach dem Neustart oder bei Start der Systemeinstellungen, was sich aber zumeist durch einen Aufruf des Audio-Moduls in YaST beheben lässt. Nach einem Systemupdate blieb der Sound allerdings ganz weg – es empfiehlt sich also das Warten auf eine neue Opensuse-Version, welche die Hardware des Pavilion dann hoffentlich sauber unterstützt. Der Suspend-to-RAM-Schlafmodus funktioniert unter OpenSuse selbst ohne den ATI-Treiber nicht.

Mini-Dampfmaschine

Leistungsmäßig kann das Pavilion überzeugen. In dieser Gewichts- und vor allem Preisklasse trifft man nur selten auf einen dedizierten Grafikchip, selbst bei den teuren Ultraportables stellt das eher die Ausnahme dar. Wer nach einem ausgewogenen, erschwinglichen System sucht, das sowohl akzeptable CPU- wie auch GPU-Leistung offeriert, hat nicht viele Optionen. HP verheiratet jedoch einen mobilen K8-Athlon mit einem mehr als ordentlichen Grafikchip, der auch genügend Leistung für viele moderne Spiele und 3D-Anwendungen liefert.

So lief unser Sauerbraten-Shader-Benchmark sogar schneller als auf einem Desktop mit Athlon X2 4600+ (2,4 GHz) und Radeon HD 2400 Pro, die sonstigen Grafiktests lagen ungefähr auf demselben Niveau. 512 MByte des teuren dedizierten Video-RAMs sind fast etwas zu viel für einen so kleinen Bildschirm. Wenn zukünftige Spiele oder Anwendungen irgendwann einmal so viel Videospeicher zwingend voraussetzen, wird dafür wohl weder die CPU- noch die GPU-Leistung des Pavilion noch ausreichen. Sinnvoll erscheint so viel VRAM lediglich im Dualhead-Betrieb, der jedem Display den halben Videospeicher zur Verfügung stellt.

AMDs Neo-CPU schluckt im Extremfall 15 Watt und ist architekturell identisch mit dem für den Embedded-Bereich entworfenen Athlon 2600+. Die 1,6 GHz schnelle Einkern-CPU mit 512 KByte L2-Cache wirkt zwar keine Wunder, macht den Neo im Vergleich zu Atom-Netbooks jedoch in den meisten Tests fast doppelt so schnell. Ein Testlauf unter 64-Bit-Linux kitzelt gegenüber der 32-Bit-Version sogar noch fast 10 Prozent mehr CPU-Leistung heraus.

Im Gegensatz zu Atom-Netbooks fühlt sich der HP-Flachmann eher wie ein vollwertiges modernes Notebook an, die Anwendungen starten flott, und es gibt nur selten Wartezeiten. In Sachen Grafik ist der Kampf gegen Netbooks vorüber, bevor er überhaupt begonnen hat: Bei unseren für echte Grafikchips erstellten GPU-Tests hängen sich Netbooks mit Intel-Chipsatzgrafik nach einem bunten Strauß falsch gerenderter Grafiken entweder auf (Sauerbench-Shadertest) oder absolvieren diese so quälend langsam (Viewperf, Nexuiz), so dass man kaum mehr überhaupt von "absolvieren" sprechen kann.

Die Leistung des HP Pavilion dv2 hat allerdings ihren Preis: Der liegt beim HP-Kraftzwerg zwar deutlich unter dem anderer Subnotebooks, aber doch klar oberhalb der Netbook-Preisregion. Außerdem föhnt der Lüfter meistens etwas zu laut. Im Leerlauf mit eingeschaltetem Bildschirm, Bluetooth und WLAN hält der Akku im Test unter Ubuntu 9.04 "Jaunty" 2:41 Stunden durch, beim Abspielen von Filmen macht er schon rund eine halbe Stunde früher schlapp. Bei durchschnittlicher Office- oder Internet-Nutzung dürfte das Pavilion somit eine Akkulaufzeit von rund zweieinhalb Stunden erreichen. In Sachen Batterielaufzeit ergibt sich also erstaunlicherweise kaum ein Unterschied zu vielen Atom-Netbooks mit Drei-Zellen-Akku und Chipsatzgrafik, obwohl das HP-Notebook mit 30 (Leerlauf) bis 40 (Last) Watt nicht gerade wenig Strom verbraucht.

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