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© sxc.hu, Moi Cody

Datentresor

Desktop-Backup mit TimeVault

14.07.2009 Überschreibt man versehentlich eine wichtige Datei, ist sie verloren. Dieses Problem geht TimeVault an, indem es automatisch in regelmäßigen Intervallen Snapshots erstellt und geänderte Files in mehreren Versionen vorhält.

Fast jeder PC-Benutzer weiß, wie wichtig Backups sind, doch nur die wenigsten können sich dazu motivieren, sie regelmäßig anzulegen. Hilfreich wäre also ein Werkzeug, das Systemeinstellungen und private Daten automatisch sichert, sodass sie bei einem Festplattenunglück oder einem Bedienungsfehler nicht unwiederbringlich verloren gehen. Für Debian und Ubuntu gibt es zu diesem Zweck das schlanke Programm TimeVault [1], das – inspiriert von Apples Time Machine [2] – auch ohne aufwendige Konfiguration zuverlässig Dateien sichert, sobald Sie diese ändern. So lässt sich bequem ein aus Versehen überschriebenes Dokument wiederherstellen oder aus historischem Interesse der Dateibestand vom vorigen Jahr einsehen.

Für vollständige Systemsicherungen eignet sich TimeVault allerdings nicht. Nach einem Festplattendefekt müssen Sie also zuerst das Betriebssystem neu installieren, erst dann können Sie die gesicherten Daten zurückspielen. Für System-Backups gibt es andere, oft leider kompliziert zu bedienende Anwendungen. Für das Sichern von Dokumenten und Einstellungen eignet sich TimeVault jedoch bestens. Zwar ist die Entwicklung des Programms noch nicht abgeschlossen, es gibt sich aber bereits recht alltagstauglich. Allerdings existiert bislang noch keine deutsche Lokalisierung für das englischsprachige TimeVault.

Oft sichern, aber wenig

In regelmäßigen Abständen den kompletten Festplatteninhalt zu sichern wäre äußerst ineffizient: Nicht nur, dass dadurch sehr viel Plattenplatz belegt würde, jedes Backup würde auch sehr lange dauern. TimeVault legt daher nur einmal ein komplettes Backup der fraglichen Verzeichnisse an und speichert bei allen darauffolgenden Sicherungen jeweils nur die veränderten Dateien. Dabei bleiben ältere Versionen der Files erhalten. Erst, wenn auf dem Backup-Medium – etwa einer externen Festplatte – der Speicherplatz knapp wird, überschreibt TimeVault alte Dateiversionen.

Die Hauptarbeit übernimmt dabei ein Hintergrunddienst, der TimeVault-Server. Ab Systemstart überwacht er die zu sichernden Ordner und erstellt ein Abbild von darin befindlichen Dateien, sobald Sie diese ändern. Über ein Applet im Gnome-Panel zeigt TimeVault den Stand der aktuellen Sicherung an und ermöglicht Ihnen den bequemem Zugriff auf die gesicherte Inhalte sowie die Backup-Einstellungen.

Installation

Die Entwicklung von TimeVault erfolgt über Ubuntus Launchpad-System und ist daher gut an die Bedürfnisse Debian-artiger Systeme auf Gnome-Basis angepasst. Mit etwas Bastelarbeit lässt sich TimeVault aber auch auf anderen Distributionen installieren. Eine KDE-Variante befindet sich in Entwicklung, die hier beschriebene Gnome-Version funktioniert jedoch auch dort hervorragend. Sie setzt freilich gewisse Komponenten des Gnome-Desktops voraus und installiert diese gegebenenfalls mit.

Das sich TimeVault noch in der Entwicklung befindet, merkt man unter anderem daran, dass es derzeit zwei Entwicklungszweige gibt, die beide spezifische Schwachstellen aufweisen. Der Hauptzweig tut sich mit Sicherungen auf externe Medien schwer: Der TimeVault-Server startet bereits beim Bootvorgang des Rechners, externe Medien – etwa eine per USB angeschlossene Festplatte – hängt das System aber erst nach der Anmeldung eines Benutzers ein. Die bisherige TimeVault-Version kann solche Medien nachträglich nicht mehr erkennen, legt einfach auf der lokalen Platte einen Ordner mit demselben Namen an und sichert dorthin. Man kann das Problem zwar dadurch umgehen, dass man den TimeVault-Server nach dem Anmelden händisch startet, was aber das Ziel einer vollautomatischen Datensicherung gewissermaßen unterläuft.

Sind Sie sich sicher, dass Sie immer auf externe Medien speichern wollen, dann setzen Sie auf den zweiten Entwicklungszweig [3]: Dessen Binaries erkennen automatisch, ob das gewünschte Medium eingehängt ist. Wenn ja, sichern sie dorthin, wenn nicht, gibt es eine entsprechende Warnung. Allerdings fehlt bei diesem Entwicklungszweig die Option, einen bestimmten Ordner auf dem Medium als Sicherungsziel vorzugeben – ein für die meisten Szenarien allerdings vernachlässigbares Manko. Die Partition, auf die TimeVault sichern soll, darf nicht FAT- oder NTFS-formatiert sein, da sonst einige der speziellen Schutzmechanismen nicht greifen.

Ubuntu stellt bislang für keinen der beiden Entwicklungszweige ein fertiges TimeVault-Paket bereit. Für den TimeVault-Hauptzweig gibt ein DEB-Paket unter [4], für die Variante mit externen Medien eines unter [5] – beide finden Sie auch auf der Heft-DVD. Beide lassen sich direkt über die Paketverwaltung installieren. Wir beschreiben hier die Arbeit mit TimeVault für externe Medien, der Hauptentwicklungszweig hat jedoch die gleiche Benutzerschnittstelle.

Nach der Installation melden Sie sich ab und wieder an, um die Änderungen wirksam werden zu lassen. Über den Menüpunkt Anwendungen | Systemwerkzeuge | TimeVault lässt sich das TimeVault-Applet starten, dessen Symbol daraufhin im Panel erscheint.

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LinuxUser 03/2012

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