Neuen Festplatten sieht man selten an, ob sie morgen oder erst in vier Jahren den Geist aufgeben (es sei denn, Sie nutzen im Vorfeld Smartmontools [1] zur Festplattenanalyse). Fest steht, dass der Tag kommt – und dann möchten Sie Ihre Daten gern in Sicherheit wissen. Diese speichern sich jedoch nicht von allein: Programme wie Sbackup helfen beim Sichern der Datenflut.
Die Software gilt als Standard-Backup-Programm von Ubuntu, da sie im Rahmen von Googles Programm "Summer of Code" für die Distribution entwickelt wurde. Tatsächlich bringt sie gegenüber anderen etablierten Backup-Lösungen wie Rsnapshot und Rsync den Vorteil mit, eine grafische Oberfläche zu besitzen (Abbildung 1). Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, blind auf irgendwelche Knöpfchen zu drücken. Solange Sie nicht genau wissen, wie das Programm funktioniert, sollten Sie Sbackup keine wertvollen Daten anvertrauen: Im schlimmsten Fall verlieren Sie diese, im Regelfall funktioniert das Backup schlicht nicht. Denn trotz der Einfachheit (das S in Sbackup steht für "simple") bringt die Software ein paar Fallstricke mit.
Die aktuelle Version 0.10.5 installieren Sie unter dem aktuellen Ubuntu 9.04 einfach über den Paketmanager Synaptic. Im Anschluss finden Sie die zwei neuen Einträge Simple Backup Config und Simple Backup Restore im Menü System | Systemverwaltung. Das deutet auf zwei Dinge hin: Erstens fehlt der Software noch eine vernünftige deutsche Lokalisierung, zweitens besteht Sbackup aus zwei Subprogrammen. Über Simple Backup Config richten Sie Sbackup ein. Hier legen Sie fest, welche Daten die Software sichert, wo sie diese ablegt und wie häufig sie das tut. Über den Restore-Teil von Sbackup stellen Sie Ihre Sicherungskopien im Bedarfsfall wieder her.
Beim Sichern der Daten machen Sie dabei im Regelfall zunächst ein vollständiges Backup. Im Anschluss folgen dann gewöhnlich so genannte inkrementelle Backups: Diese speichern lediglich die Dateien, die sich seit der letzten Datensicherung verändert haben. In regelmäßigen Abständen (wöchentlich, monatlich – je nach Bedarf) folgen dann wieder Volldatensicherungen. So sammeln sich dank der inkrementellen Methode keine immensen Datenmengen an. Auf jeden Fall sollten Sie im Vorfeld errechnen, wie viel Speicherplatz Sie voraussichtlich für Ihre Daten benötigen, und die Sicherungszyklen dementsprechend einrichten. Unglücklicherweise macht Sbackup keine Meldung über Platzmangel, sondern schreibt die Daten einfach nicht.
Um das gesamte System zu archivieren und bei Bedarf zu restaurieren, eignet sich Sbackup weniger. Sie sichern aber ohne Probleme die Dateien aus Ihrem Home-Verzeichnis. Bei der Wahl des Speicherortes sollten Sie bedenken, dass auch Festplatten irgendwann das Zeitliche segnen. Gleichzeitige Backups auf zwei externen Festplatten würden Sinn ergeben, funktionieren mit Sbackup aber (noch) nicht. Wer sicher gehen will, legt seine Daten auf einem Hardware-RAID-1 ab, das die Festplatten spiegelt.
Schön an Sbackup: Die Software hinterlegt Daten auch auf SSH-Servern und FTP-Servern. Alternativ kaufen Sie also Speicherplatz bei einem Webspace-Anbieter und verschieben die Daten dorthin. Der Vorteil: Diese Anbieter erstellen meist selbst Backups ihrer Kundendaten. Diese lassen sich also nach einem Zwischenfall im Rechenzentrum wiederherstellen. Der Nachteil: Sie müssen die Daten verschlüsseln, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
Nutzen Sie auf Ihrem externen Speichermedium ein FAT-Dateisystem, droht ebenfalls Datenverlust. FAT akzeptiert keine Dateien, die eine Größe von vier GByte überschreiten. Bei Filmdateien oder Datensammlungen kann das durchaus passieren.
Ein weiterer Stolperstein: Beim Anstecken einer Festplatte weist Linux dieser einen Pfad zu, etwa /media/disk. Hängt die externe Festplatte einmal nicht am Backup-Rechner, schreibt Sbackup die Daten trotzdem nach /media/disk – also auf die lokale Platte. Das bemerken Sie in den meisten Fällen erst, wenn die Platte plötzlich vollläuft. Zugleich stellen Sie fest, dass Ihre letzten Datensicherungen auf der externen Festplatte fehlen. Über eine Option im Konfigurationsmenü verhindern Sie solche Fehlleistungen allerdings.
Als erstes konfigurieren Sie Sbackup über System | Systemverwaltung | Simple Backup Config. Der Aufruf verlangt nach dem Systemverwaltungspasswort, dann landen Sie im Reiter General (Abbildung 1). Hier entscheiden Sie sich für den vom Programm voreingestellten Sicherungsweg (Use recommended backup settings), selbst gesetzte Settings (Use custom backup settings) oder für ein explizit manuelles Backup (Manual backups only).
Die Wahl der ersten Option bedeutet, dass Sbackup eigene Standardeinstellungen auswählt: Es sichert typische Systemdateien (die Benutzerdateien, die Dateien in /etc/, in /usr/local und in /var), die ein Benutzer theoretisch verändern kann. In /etc befinden sich zum Beispiel die systemweiten Konfigurationsdateien. In die schreiben Sie unter Umständen auch einmal etwas, um einen Dienst automatisch zu starten oder einen Treiber zu deaktivieren. Von anderen Dateien lässt die Software in dieser Einstellung hingegen die Finger: von Multimedia-Dateien, von temporären Dateien und solchen, die mehr als 100 MByte auf die Wage bringen.
Die Wahl der Option Manual backups only führt dazu, dass Ubuntu Daten nicht automatisch und regelmäßig sichert. Backups per Hand schieben Sie ganz einfach an, indem Sie den Button Backup now ganz unten im Fenster bedienen. Vorher gilt es aber, über Speichern die Konfigurationseinstellungen zu übernehmen.
In den meisten Fällen, in denen Sie regelmäßige Backups wünschen, wählen Sie die zweite Option. Welche Dateien Sie sichern wollen, bestimmen Sie in den Registern Include und Exclude auf der Konfigurationsoberfläche. Die Optionen in diesen Reitern erklären sich selbst. Über Add file füttern Sie das Register Include mit zu sichernden Dateien (Abbildung 2), über Exclude nehmen Sie einige dieser Dateien von der Sicherung aus – dazu können zum Beispiel MP3-Dateien oder Filme gehören. Um sämtliche Dateien eines bestimmten Typs zu erwischen, nutzen Sie im Register Exclude ein Tab namens File types. Darüber schließen Sie Dateien nach Endungen aus und fügen auf Wunsch auch eigene Endungen hinzu. Über Max Size unterbinden Sie das Sichern von Files, die eine bestimmte Größe überschreiten. Im Tab Regex definieren Sie Filter mit Hilfe von Regular Expressions, die bestimmte Dateien ausschließen. Die drei Tabs finden Sie ausschließlich im Exclude-Register.
Widmen Sie sich dann dem Reiter Destination, der den Zielort für Ihre Datensicherung definiert (Abbildung 3). Standardmäßig sichert Sbackup Dateien nach /var/backup (Use default backup directory), Sie wollen aber vermutlich einen anderen Speicherort verwenden. Über Use custom local backup directory suchen Sie den passenden Ordner heraus. Dieser darf sich auf Ihrer Festplatte befinden, es kann sich aber auch um externe Festplatten und USB-Sticks handeln, die im Verzeichnis /media hängen. Auch per NFS eingebundene Laufwerke zählen dazu. Die Sicherungsdaten schreibt Sbackup übrigens mit Root-Rechten auf die Festplatte, ohne diese hilft Ihnen das Programm also nicht weiter.
Wollen Sie Ihre Daten im Netz auf einem Root-Server oder im Web Space sichern, brauchen Sie häufig eine SSH- oder FTP-Verbindung. Diese nutzen Sie über die dritte Option (Use a remote directory). Sie geben die notwendigen Anmeldedaten sowie die URL ein und prüfen über Test, ob die Verbindung überhaupt zustande kommt. Der Eintrag
ssh://User :Passwort @192.168.111.1/home/User /Verzeichnis
sichert Ihre Daten im Ordner Verzeichnis unterhalb Ihres Home-Verzeichnisses auf dem entfernten Server 192.168.111.1 im LAN. Ersetzen Sie die IP-Adresse durch die Ihres Root-Servers und passen Sie den Pfad an, um Daten auf Servern im Internet zu sichern. Einziges Problem: Die Software zeigt Ihr SSH- und FTP-Passwort im Klartext an. Lediglich das Systemverwaltungspasswort schützt davor, dass andere Anwender auf Ihrem Desktop die Daten einsehen. Schön, dass der Restore-Teil von Sbackup die angegebene Adresse ebenfalls übernimmt: Das erleichtert, das Backup zu restaurieren.
Im Register Destination bleibt nun noch ein Punkt offen. Schreiben Sie die Daten auf ein externes Laufwerk, setzen Sie besser ein Häkchen bei Abort backup if .... Andernfalls tritt der bereits geschilderte Fall ein und Ubuntu schreibt die Daten auf Ihre lokale Festplatte, wenn es das externe Speichermedium nicht findet.
Im Reiter Time stellen Sie das Backup scharf (Abbildung 4): Über das Ausklappmenü Do backups legen Sie fest, wie oft Sbackup die Daten sichert. Wählen Sie etwa daily, lässt Ihnen Sbackup die Wahl zwischen simply und precisely. Entscheiden Sie sich für den zweiten Parameter, eröffnet sich die Möglichkeit, unter Hour und Minute den genauen Zeitpunkt des Backups festzulegen. Ist Ihnen das schnuppe, wählen Sie simply. Auf dieselbe Weise funktionieren die Optionen hourly, weekly und monthly. Über custom legen Sie hingegen einen selbst gewählten Zeitraum fest. Den definieren Sie in Form eines Cron-Jobs (siehe Kasten "Cron-Job") in der Zeile Custom cron time definition.
Cron-Job
Cron-Jobs heißen unter Linux Tasks, die das System regelmäßig ausführen soll. Für diese definiert man über spezielle Cron-Dateien Zeitabstände. Die fünf Sterne in Sbackup stehen von links nach rechts für Minute der Stunde, Stunde eines TagesTag im MonatMonat im Jahr und Wochentag. Wählen Sie etwa die Einstellung 05 * * * *, sichert die Software jeweils in der fünften Minute einer Stunde die Daten, also 10:05 Uhr, 11:05 Uhr und so weiter. Verändern Sie den Eintrag zu */5 * * * *, erstellt Sbackup alle fünf Minuten ein Backup. Um jeweils am 28. eines Monats um 13:52 ein Backup zu machen, lautet der Eintrag: 52 13 28 * *. Mehr Informationen zu Cron finden Sie zum Beispiel unter [2].
Existieren noch keine Sicherungen am vereinbarten Ort, legt Sbackup nach dem Start über Backup now ein volles Backup an, das Sie an der Endung FUL erkennen. Dann schiebt es inkrementelle Backups mit der Endung INC hinterher. Die Namen der Backups versieht es mit einem eigenen Zeitstempel, so dass Sie später wissen, von wann welche Datei stammt. Der Eintrag Do a full backup at least once every 21 days im Reiter Time zeigt die Voreinstellung für Sbackup an. Ändern Sie diesen Wert für volle Backups entsprechend der Größe Ihrer Festplatte und Ihres Bedarfs.
Bleibt noch der letzte Reiter Purging im Konfigurationsdialog (Abbildung 5). Setzen Sie das Häkchen bei Enable purging..., so löscht Sbackup alte und unvollständige Datensicherungen. Dabei gibt es zwei Vorgehensweisen: Über Simple cutoff... entsorgt es nach einer von Ihnen einstellbaren Zeitspanne sämtliche Backups – alte Sicherungen verschwinden also komplett. Alternativ wählen Sie die logarithmische Variante (Logarithmic). Sie dünnt die Sicherungen der Vergangenheit nach einem bestimmten Schema aus: Je älter die Daten sind, desto weniger Sicherungen gibt es. So behalten Sie nur noch ein Backup pro Woche vom letzten Monat, vom letzten Jahr bleibt nur ein Backup pro Monat übrig und so weiter. Von den vorhergehenden Jahren behalten Sie am Ende lediglich jeweils ein Backup.
Bevor das Programm aber über den Button Backup now seinen Dienst aufnimmt, klicken Sie unbedingt auf Speichern – andernfalls übernimmt Sbackup die Änderungen nicht und verwendet die Standardeinstellungen. Nach dem Klick aufs Knöpfchen erscheint das Fenster Configuration save successful. Der Klick auf Backup now informiert ebenfalls nur sehr spärlich: A backup run is initiated in the background. The process id is: 7284 oder ähnlich steht da zu lesen. Das Fenster dürfen Sie bedenkenlos schließen. Schön zu wissen: Nach einem Neustart des Systems setzt Sbackup die Sicherungen in den von Ihnen festgelegten Intervallen fort.
Meist versauern Backups ungenutzt auf einer Festplatte – und das ist auch gut so. Sollten Sie doch einmal in die Verlegenheit kommen, Dateien retten zu müssen, nutzen Sie den Menüpunkt System | Systemverwaltung | Simple Backup Restore. Im Bereich Restore Source Folder sollte neben Use default das während der Konfiguration angegebene Backup-Verzeichnis erscheinen. Das gilt auch für Verzeichnisse auf SSH- und FTP-Servern.
Handelt es sich um eine mit Sbackup auf einem anderen System erstellte Sicherung, geben Sie unter Use custom einen eigenen Backup-Ordner an. Die darin aufgefundenen Dateien listet die Software im Dropdownmenü Available Backups auf. Wählen Sie eine davon aus, erscheint im leeren Feld darunter der Verzeichnisbaum (Abbildung 6). Handelt es sich um ein volles Backup, sehen Sie dort alle zu dem Zeitpunkt gesicherten Dateien.
Bei INC-Dateien tauchen nur die seit dem letzten Backup geänderten Dateien auf. Erstellen Sie beispielsweise jeweils am Montag ein volles Backup und stellen dann am Freitag fest, dass Sie alle Änderungen seit Montag brauchen, müssen Sie alle INC-Dateien wiederherstellen, die nach dem Vollbackup am Montag hinzugekommen sind.
Wählen Sie das Backup aus und klicken Sie auf Restore, stellt Sbackup die Datei am Originalschauplatz wieder her (und überschreibt unter Umständen vorhandene neuere Versionen). Über Restore As legen Sie die neuere Datei an anderer Stelle ab.
Sbackup präsentiert sich bereits jetzt als recht durchdachtes Programm zum Backup bestimmter Dateien. Es eignet sich weniger dazu, das komplette System zu sichern und verfügt noch über ein paar Schwachstellen. Ahnungslose Anwender mit Cron zu konfrontieren, zählt beispielsweise nicht zu den benutzerfreundlichsten Idee, und die spärlichen Informationen zum Anfang und Ende eines Backup ließen sich ebenso ausbauen. Hier wäre eine Verknüpfung mit Ubuntus Benachrichtigungssystem denkbar. Insgesamt funktioniert Sbackup aber recht gut und nimmt Ihnen die lästige Arbeit ab, Backups mitsamt Cron-Jobs über die Kommandozeile einzurichten.
Glossar
Regular Expressions
Mit Zeichenketten erstellter Filter, der Text anhand bestimmter Merkmale sortiert. Der Ausdruck [abc] filtert zum Beispiel alle Wörter aus einem Text, welche die Buchstaben a, b oder c enthalten.
[1] Infos zu Smartmontools: Kristian Kißling, "Bitte freimachen", LinuxUser 10/2008, S. 62, http://www.linux-community.de/artikel/15918
[2] Cron-Basics: http://wiki.ubuntuusers.de/Cron