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© sxc.hu, LesKZN

Chirurgisches Besteck

Live-Werkzeugkasten für die Shell

23.07.2009
Wer ein leistungsfähiges Rettungssystem oder eine komfortable Konsolenumgebung sucht, der wird Grml schnell ins Herz schließen.

Bei Grml handelt es sich um ein Debian-basiertes Live-System für Systemadministratoren und Texttool-User. Die 2003 in Graz/Österreich geborene Distribution ist seit Anfang Juni in der neuen stabilen Version 2009.05 "Lackdose-Allergie" verfügbar. Im Gegensatz zu den meisten anderen Live-Distributionen startet Grml standardmäßig kein X-Window-System (Abbildung 1). Stattdessen stellt es mehrere Konsolen mit einer vorkonfigurierten Z-Shell und weiteren nützlichen Werkzeugen (GNU Screen, Htop, Multitail) zur Verfügung. Die Unterstützung von LVM, Hard- und Software-RAID sowie Cryptsetup-LUKS mit der Paketauswahl von Debian bieten dem Anwender ein mächtiges Rettungssystem. Der Texttool-Benutzer findet in den über 2500 mitgelieferten Softwarepaketen mit Sicherheit auch seinen Lieblingseditor und die Shell seiner Wahl.

Abbildung 1: Der Startbildschirm von Grml nach dem Booten. Das Starten einer grafischen Oberfläche stellt hier nur eine von vielen möglichen Optionen dar.

Grml-Varianten

Wie schon bisher gibt es Grml [1] in drei Geschmacksrichtungen: grml stellt mit einem ISO von rund 700 MByte ein vollständiges Live-System zur Verfügung. Die mit 100 MByte schlankste Variante namens grml-small verzichtet auf jegliche Dokumentation (wie Manpages und Infoseiten) sowie das X-Window-System und bietet nur äußerst essentielle Tools zur Systemadministration. Als Mittelweg zwischen den beiden Varianten positioniert sich das rund 200 MByte große grml-medium. Es bringt sowohl eine grafische Oberfläche als auch Manpages und Infoseiten mit, verfügt aber im Vergleich zum großen Bruder grml über eine schlankere Software-Auswahl.

Alle Varianten basieren auf der selben Kernelversion, sodass weder das Nachrüsten zusätzlicher Kernelmodulen noch das Verwenden einer angepassten initramfs Probleme bereiten. Die drei Grml-Varianten gibt es jeweils als 32- und 64-Bit-Versionen (Grml64), damit auch die Datenrettung von 64-Bit-Systemen ohne Probleme möglich ist.

Windowmanager

Windowmanager gibt es nicht nur für die grafische Oberfläche: Ein beliebtes derartiges Tool für die Konsole ist GNU Screen. Damit nutzen Sie auf einer einzelnen Konsole (aber auch in einem X-Terminal) mehrere Konsolenfenster. Mittels [Strg]+[A],[C] erstellen Sie ein neues Fenster, [Strg]+[A],[A] wechselt zum zuletzt ausgewählten Fenster und mit [Strg]+[A],[ 2] wechseln Sie ins zweite Fenster. Dank Detach und Reattach können Sie die aktuell laufende Screen-Session schlafenlegen ([Strg]+[A],[D]) und – sofern der Rechner weiterläuft – zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder fortführen (screen -r).

Ein neu in Grml neu aufgenommenes Konsolentool ist das schlanke Dvtm, das das Konzept des "tiling window management" auf die Konsole bringt. Dabei versucht Dvtm nicht GNU Screen zu ersetzen, sondern ergänzt es sinnvoll, indem es einzelne Screen-Fenster in weitere Unterfenster (in beliebiger Kombination von horizontalen und vertikalen Fenstern) teilt.

Grml beschränkt sich trotz der Verbundenheit zur Konsole aber nicht nur auf diese. Auf Wunsch steht selbstverständlich auch das X-Window-System zur Verfügung (Abbildung 2). Auf der fünften Konsole (tty5, [Alt]+[F5]) ist der User grml angemeldet, mit grml-x $WM starten Sie den angegebenen Windowmanager. Dabei stehen viele kleine und schlanke Varianten zur Auswahl, wie etwa Awesome, Dwm, Fluxbox, Fvwm, Openbox und Ratpoison.

Abbildung 2: Der Desktop der Grml 2009.05 LinuxUser-Edition präsentiert auf alle wichtigen Tools auf einen Blick.

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