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© sxc.hu

Vorschau auf Gnome 3.0

Pediküre

Die nächste große Version von Gnome bringt weitreichende Veränderungen mit sich, darunter einige völlig neue Bedienkonzepte.

Schon seit der Guadec 2005 diskutieren die Entwickler, wie eine neue Major-Version von Gnome aussehen könnte: Welche Bedienkonzepte erscheinen noch zeitgemäß, welche sollte man besser über Bord werfen? Die große Unbekannte dabei: die Anwender – werden sie sich mit einer runderneuerten Oberfläche anfreunden oder eher verschreckt Abstand nehmen?

Letzteres passierte in der Geschichte des Linux-Desktop bereits zweimal: Vor sieben Jahren setzten die Entwickler bei Gnome 2.0 den Rotstift zu radikal an, es gab plötzlich nicht mehr so viele Einstellungsmöglichkeiten wie in der Vorgängerversion. Dies empfanden viele Benutzer als zu schmerzhaft. Anfang letzten Jahres widerfuhr KDE 4 ein ähnliches Schicksal. Auf vielen Rechnern (vor allem auf solchen mit NVidia-Grafik) war der neue Desktop schlichtweg unbedienbar und vor allem ein klarer Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger. Dieser Trend hält nach wie vor an, und manch einer stellt sich berechtigt die Frage, ob die Entwickler aus der Vergangenheit nicht gelernt haben.

Notwendigkeit neuer Bedienkonzepte

Mit den bisher veröffentlichten Komponenten für Gnome 3.0 macht das Projekt einen radikalen Schritt in eine völlig neue Richtung. Alle heutigen Oberflächen, ob bei Windows Vista und 7, Mac OS X oder auch KDE 3 und 4, setzen auf das alte WIMP-Paradigma, das Apple Mitte der 80er Jahre einführte. Gnome 3.0 erfindet zwar nicht das Rad neu, jedoch ernteten die Vorabversionen des Desktops bei der Vorstellung der neuen Ansätze viel (wenn auch konstruktive) Kritik.

Das neue Konzept kommt dem Anwender bei der täglichen Arbeit durch einen logischer gestalteten Desktop entgegen. Das Panel ist zwar noch vorhanden, hat im eigentlichen Sinne ausgedient – die Gnome Shell [1] bildet die zentrale Instanz des Desktops und ersetzt das Panel, den Window- und den Compositing-Manager.

Eine frühe Version dessen, was Gnome 3.0 später bietet, können Sie bereits jetzt ausprobieren. Ein einfaches Skript kümmert sich um die Übersetzung und Installation. Es lässt Ihnen die Wahl, die Vorabversion entweder in einem eigenen Fenster oder auch als Ersatz des bisherigen Gespanns Gnome Panel und Metacity zu verwenden. Vieles befindet sich derzeit noch im Fluss – zum Beispiel spendierten die Entwickler der Shell Mitte Mai eine Seitenleiste. Andere Beiträge, die zur Verbesserung der Benutzbarkeit beitragen, fließen laufend noch ein. Dabei bleibt es nicht aus, dass durch Änderungen an einer Komponente die Shell gelegentlich nicht mehr funktioniert. Dank des Git-Repositories fällt es jedoch leicht, jederzeit zu einer älteren, funktionierenden Version zurückzukehren.

Kleine Technologiekunde

Die zentrale Instanz von Gnome 3.0 bildet die Gnome Shell (Abbildung 1). Die Entwickler haben sie soweit wie möglich – momentan noch nicht durchgängig – in Javascript geschrieben. So sind die Arbeitsflächen, der Programmumschalter oder der Ausführen-Dialog komplett in dieser Sprache programmiert. Mittels Gjs (gesprochen "geejays", [2]), das seinerseits auf Mozilla Xulrunner [3] aufsetzt, greifen die Skripte auf die darunterliegenden C-Bibliotheken zu. Der Unterbau beinhaltet unter anderem auch Clutter, eine Bibliothek, die auf OpenGL aufbaut und allerhand hübsche Effekte hervorzaubert. Das Plugin Mutter aus dem Windowmanager Metacity macht mächtig Gebrauch von den Möglichkeiten, die die Clutter-Bibliothek bietet.

Bisher lassen sich noch nicht alle Funktionen von Javascript abdecken, und so behelfen sich die Entwickler momentan mit C. Nach und nach – so der endgültige Plan – will man diese Lücken füllen, das heißt: von den Basisbibliotheken einmal abgesehen, ist Javascript eine der dominanten Sprachen für die Gnome-Kernprogramme. Das soll neue Programmierer ins Boot zu holen, lässt sich Javascript doch viel angenehmer schreiben als C oder C++. Ein weiterer Vorteil von Javascript: Der Code läuft in einer Sandbox ab, weswegen Angreifer es schwer haben, zum Zug zu kommen.

Abbildung 1: Die Gnome Shell ist die zentrale Komponente in der nächsten Major-Version von Gnome.

Gerade die Verwendung von OpenGL birgt die Gefahr, dass einige Benutzer bei grafikintensiven Programmen sprichwörtlich in die Röhre schauen. Beispielsweise bieten für NVidia-Boards derzeit nur proprietäre Treiber eine vernünftige 3D-Beschleunigung, freie Treiber kommen da nicht mit. Bei ATI-Grafikkarten sieht es schon besser aus: Zwar sind die quelloffenen Treiber für die neuesten Karten noch nicht auf dem Stand der proprietären, doch gibt AMD immer wieder Spezifikationen frei.

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