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Tux International (11): Kongoni 1.12.2 aus Südafrika

Gnu-Linux

Bei Linux und Südafrika denken die meisten Nutzer spontan an Ubuntu. Die Region ums Kap der Guten Hoffnung bietet jedoch noch eine viel interessantere Distribution.

J. A. Venter arbeitete als Hauptentwickler für OpenLab [1], eine in Afrika relativ weit verbreitete Linux-Distribution mit kommerziellem Hintergrund. Irgendwann merkte er, dass die Arbeit keinen Spaß mehr machte und ihn die ständigen Deadlines belasteten. Statt mit freier Software das tun zu können, was er wollte, musste er für seinen Arbeitgeber präzise Aufgaben erfüllen. Das hielt er eines Tages nicht mehr aus und nahm sich nur noch dafür Zeit, was ihm Spaß machte [2]: eine Linux-Distribution, die die Stabilität von BSD, die Flexibilität des Portage-Systems und die Schönheit von KDE 4 vereint. Das Resultat heißt Kongoni [3] und findet sich in der Alpha-Version auf der Heft-DVD.

Kongoni

Der Name der Distribution bedeutet in der Bantu-Sprache Shona "Gnu". Das Gnu im Namen ist kein Zufall: Kongoni hat sich strikt freier Software verschrieben, proprietäre Zusatzprogramme wie Nvidia-Treiber, Skype oder Flashplayer findet man in den Repos nicht. Obwohl die aktuelle Version offiziell als Alpha gilt, arbeitete Kongoni 12.1 in den Tests sehr stabil, sodass wir ausnahmsweise die Vorabversion auf die Heft-DVD packten.

Name Kongoni
Aktuelle Version/Codename 1.12.2/Sophocles
Land Südafrika
Basiert auf Slackware
Medien Live-CD
Paketmanager Portage-ähnliches System
Primärer Desktop KDE 4
Alternative Desktops keine
Kernel 2.6.27.8
Entwicklerteam 10
Release-Zyklus unbestimmt
Stärken ausschließlich Open-Source
Schwächen Updates brauchen sehr viel Zeit

Das Bootmenü der Live-CD bietet die Menüpunkte Run/Install Kongoni und Install Kongoni zur Auswahl (Abbildung 1). In beiden Fällen startet eine grafische Oberfläche, wie bei aktuellen Ubuntu-Versionen. Eine Installation im Textmodus bietet die Distribution zurzeit nicht an. Der Bootvorgang verläuft im Textmodus und dauert mit einer knappen Minute relativ lange. Kongoni fragt dabei, ob es die Auflösung der grafischen Oberfläche selbst einstellen soll. Dieses Feature hat in den Tests sehr gut funktioniert, sodass kein Bedarf für ein manuelles Setup bestand.

Abbildung 1: Das mit einem orangefarbenen Gnu-Schädel verzierte Bootmenü von Kongoni.

Nach dem Bootvorgang startet automatisch der KDE-4-Desktop. Hier finden Sie in der Ordneransicht neben dem Mülleimer und einem Home-Icon eine Verknüpfung auf den Installer. Dieser erklärt zunächst den Ablauf der Installation (Abbildung 2), startet anschließend zur Partitionierung GParted und stellt dann die üblichen Fragen zum Root- und Benutzeraccount. Achten Sie darauf, eine Swap-Partition anzulegen, da das Installationsprogramm darauf besteht.

Abbildung 2: Der Standarddesktop von Kongoni mit dem über KDialog realisierten Installationsprogramm.

Beim Installer handelt es sich um ein per Shell-Skript gesteuertes KDialog-Fenster. In den Tests funktionierte die Verknüpfung zwischen den einzelnen Schritten ausgezeichnet. Nach der Partitionierung wählen Sie in den ersten zwei Dialogen die Gerätedateien für die Rootpartition und die Swap-Partition aus, danach entpackt das Installationsprogramm die in einem per LZMA komprimierten Squashfs-Container verpackten Inhalte der Live-CD auf die Festplatte. Anschließend richten Sie den Root-Account und einen Benutzer ein. Zum Abschluss wählen Sie aus, in welche Partition Kongoni den Bootloader installieren soll.

Der ganze Vorgang dauert zwischen 30 und 60 Minuten, Kongoni richtet die meisten Komponenten komplett automatisch ein. Gut gefiel die Wahl des Default-Rechnernamens: Auf 32-Bit-Systemen lautet er kongoni32, bei 64-Bit-Rechnern kongoni64.

Der KDE-4-Desktop von Kongoni zeigt sich im Theme "Perfection" mit einem südafrikanischen Wallpaper. Im Unterschied zu den meisten Distributionen mit KDE 4 nutzt Kongoni anstelle des Kickoff-Menüs den Lancelot-Launcher (Abbildung 3). Negativ fiel in den Tests KNotify auf, das sich von Zeit zu Zeit mit einer Crashmanager-Meldung verabschiedete. Positiv überraschte hingegen, dass Kongoni anstelle des Networkmanagers zur Verwaltung der Netzwerkgeräte auf Wicd [4] setzt.

Abbildung 3: Der Lancelot-Launcher ersetzt unter Kongoni das KDE-4-Standardmenü Kickoff.

Paketmanagement

Die große Besonderheit von Kongoni ist das Paketmanagement. Die Distribution basiert zwar auf Slackware und nutzt auch dessen Kernel, neue Programme spielen Sie jedoch wie unter Gentoo oder BSD über Ports direkt aus dem Quellcode ein. Zusätzlich kommt Kongoni aber auch mit fertig kompilierten Slackware- oder Bluewhite64-Paketen klar. Für einen möglichst schnellen Download sind auch die Kongoni-Quellpakete mit LZMA komprimiert.

Auf der Konsole verwalten Sie Programme mit portpkg. Das grafische Frontend dazu nennt sich "Ports Installation GUI" oder kurz P.I.G. (Abbildung 4). Es befindet sich allerdings noch in der Entwicklung und zählt nicht zum Umfang der Standardinstallation. Das Einrichten des in Free Pascal programmierten Tools über portpkg pig scheiterte in den Tests, da sich Lazarus nicht kompilieren ließ – das Problem dürfte in der Zwischenzeit allerdings behoben sein.

Abbildung 4: P.I.G. soll die Handhabung der Kongoni-Ports mit einem grafischen Frontend vereinfachen. Zurzeit befindet sich die Software jedoch noch im Alpha-Stadium.

Um die Liste der verfügbaren Software zu aktualisieren, rufen sie portpkg -s auf ("sync"). Der Befehl portpkg -l gibt eine Liste der verfügbaren Ports aus, eine Suche starten Sie über portpkg -f Stichwort. Um ein Programm zu installieren, rufen Sie portpkg Paketname auf. Da Kongoni das Programm inklusive Abhängigkeiten aus dem Quellcode übersetzt, sind dazu vorerst keine Root-Rechte nötig. Ein entsprechender Eintrag in der Sudoers-Datei sorgt zudem dafür, dass die Installation auch ohne Eingabe des Root-Passworts klappt. Zum Löschen gibt es ein separates Binary: Hier rufen Sie removepkg Paketname auf.

Über portpkg -d zeigt Ihnen der Ports-Manager die verfügbaren Updates an, die eigentliche Aktualisierung nehmen Sie über portpkg -n -u vor. Dieser Vorgang dauert je nach CPU-Leistung mehrere Stunden, wobei lästige Nachfragen den Nutzer an den Rechner binden. Abgesehen vom Problem mit Lazarus und pig funktionierte portpkg in den Tests einwandfrei.

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