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© Ioannis Kounadeas, Fotolia

Schneller am Ziel

Projektmanagement-Programme im Vergleich

09.06.2009 Unter Linux kann man sich mittlerweile das Projektmanagement-Werkzeug seiner Wahl aussuchen. Wir zeigen, womit Sie am schnellsten ans Ziel kommen.

Unter Linux tummeln sich zahlreiche Büroanwendungen, die einen Microsofts Windows-Produkte schnell vergessen lassen. Dazu zählen auch Projektplanungswerkzeuge – hier haben Sie mittlerweile auch unter Linux die Qual der Wahl. Wir stellen Ihnen die vier besten Projektmanagement-Werkzeuge für Linux vor: Planner, KPlato, OpenProj und Taskjuggler.

Beim Vergleich legten wir das Hauptaugenmerk auf die für die Projektplanung unabdingbaren Grundfunktionen: Projektstrukturpläne (Vorgangstabelle), Gantt-Diagramm, Meilensteine, Ressourcen- und Kostenverwaltung. Darüber hinaus nahmen wir auch die Benutzerfreundlichkeit der Werkzeuge unter die Lupe, denn wer schnell Ergebnisse benötigt, muss sich auch leicht in einer neuen Anwendung zurechtfinden. Eins vorweg: Obwohl alle Kandidaten über die wichtigsten Grundfunktionen verfügen, liegt der wesentliche Unterschied zwischen den Tools tatsächlich in der Handhabbarkeit, nicht in erster Linie im Funktionsumfang.

Planner

Aufgeräumt und übersichtlich präsentiert sich Planner [1]. Dieses Projektmanagement-Werkzeug ist in der Gnome-Arbeitsumgebung zu Hause und bietet Novizen einen einfachen Einsteig in das softwaregestützte Projektmanagement. Das Bearbeiten eines Projekts erfolgt über vier Ansichten, die Sie am linken Fensterrand über entsprechende Symbole aufrufen: Gantt, Aufgaben, Ressourcen und Ressourcenverbrauch.

Anders als die meisten Projektprogramme verteilt Planner die tabellarische Aufzählung der Vorgänge und das zugehörige Gantt-Diagramm in zwei Ansichten. Die Ansicht Gantt dient in erster Linie der Visualisierung des Projektablaufs. Die Vorgänge – hier Aufgaben genannt – erwähnt Planner nur mit Namen und Nummer in einer übersichtlichen Tabelle, wobei Sie über das Kontextmenü den Eigenschaftsdialog aufrufen, der das Bearbeiten ermöglicht.

Die Vorgänge legen Sie idealerweise in der Ansicht Aufgaben an und passen sie dort auch an (Abbildung 1). Hier finden Sie auch die für Projektplanungssoftware typische tabellarische Aufzählung der Vorgänge wieder, den Projektstrukturplan. Sie bearbeiten die Vorgänge entweder direkt in der Tabelle oder über den bereits erwähnten Dialog. Letzterer bietet die wichtigsten Optionen für die Projektplanung, ohne Einsteigern zu viel zuzumuten.

Abbildung 1: Über die Ansicht Aufgaben editieren Sie in Planner die Vorgänge. Hier zeigt das Tool auch die geplanten Projektkosten.

Haben Sie alle Vorgänge angelegt und deren Einstellungen angepasst, belohnt Planner Sie mit einem übersichtlichen Gantt-Diagramm, das auch (über das Menü Ansicht) den kritischen Pfad darstellen kann (Abbildung 2). Allerdings liegt hier die Tücke im Detail: Je komplexer der Projektstrukturplan und je kniffeliger die Beziehungen zwischen den Vorgängen ausfallen, desto mehr Darstellungsfehler offenbaren sich im Gantt-Diagramm.

Abbildung 2: Gantt-Diagramm unter Planner: Der kritische Pfad erscheint in Rot, allerdings leidet die Darstellung bei komplexeren Vorgangsabläufen.

Etwas versteckt haben die Programmierer die Möglichkeit, direkt im Gantt-Diagramm Beziehungen zwischen Vorgängen herzustellen. Mit gedrückter linker Maustaste tragen Sie eine solche Beziehung ein, ohne sich dazu umständlich durch die Vorgangseigenschaften zu wühlen.

Für das Kommunizieren des Projektplans finden sich im Menü Datei verschiedene Exportfunktionen. Zur Darstellung des Projektplans samt Ressourcen, Gantt-Diagramm und Vorgängen im Webbrowser beispielsweise exportieren Sie alles als HTML-Datei. Die lässt sich prima ansehen, weist allerdings ein paar Lokalisierungslücken auf – siehe Abbildung 3.

Abbildung 3: Planner generiert eine übersichtliche HTML-Darstellung, die allerdings bei der Lokalisierung kleinere Schwächen aufweist.

Die besondere Stärke von Planner stellt die Anzeige des Ressourcenverbrauchs dar. Darüber erkennen Sie, wann die eingesetzten Ressourcen überlastet sind beziehungsweise noch Kapazitäten zur Verfügung stehen. Für jede Ressource zeigt Planner entsprechende farbige Balken. Der durchgehende Balken beschreibt die Dauer des Projekts und kennzeichnet die Zeiträume, an denen Sie die Ressource für einen Vorgang eingeplant haben. Weitere Balken darunter signalisieren die Dauer der einzelnen Vorgänge, für welche die Ressource eingeplant ist. Überplante Ressource erkennen Sie an einem roten Teilbereich auf dem durchgängigen Projektbalken (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ressourcenverbrauch: Überplante Ressourcen kennzeichnet Planner rot.

Planner positioniert sich als solides Planungswerkzeug für weniger umfangreiche Projekte, bei denen eine tiefergehende Budgetverwaltung nicht erforderlich ist. Fortgeschrittene Projektmanager vermissen neben dem ausgeprägten Budgetmanagement sicher auch umfangreiche Berichtsfunktionen. Dafür besticht Planner durch Schlichtheit und wirkt in seinem Funktionsumfang in sich abgeschlossen. Für Gnome-Anwender ist die GTK-Anwendung ohnehin die erste Wahl.

KPlato

KPlato [2] zählt zur KDE-Familie und bildet in der aktuellen Version einen Teil des KOffice-Pakets. Dementsprechend nahtlos fügt die Anwendung sich in die KDE-Umgebung ein. Bei jedem Start fragt KPlato, ob man ein bestehendes Projekt öffnen oder ein neues anlegen möchte. Für frische Projekte stehen anfangs zwei Vorlagen zur Auswahl: ein nicht vorkonfiguriertes Template sowie eines mit einem Kalender für eine 5-Tage-Woche mit 40 Arbeitsstunden.

Starten Sie ein neues Projekt, präsentiert KPlato ähnlich wie Planner eine aufgeräumte, übersichtliche Oberfläche. Um der Vorgangstabelle respektive dem Projektstrukturplan einen Vorgang hinzufügen, gibt es zwei Möglichkeiten: den Eintrag Einfügen oder entsprechende Buttons in der Schalterleiste. Über Pfeilsymbole strukturieren Sie die Vorgänge in der Vorgangstabelle. Für Meilensteine gibt es bei KPlato einen separaten Knopf, während Sie bei OpenProj und Planner die Vorgangseigenschaften bemühen müssen.

Planner und OpenProj aktualisieren das Gantt-Diagramm automatisch, sobald sich an den Vorgängen etwas ändert. Anders KPlato: Hier müssen sie selbst auf den Knopf drücken, damit sich im Diagramm etwas bewegt (Abbildung 5). Aber auch nach der Neuberechnung des Gantt-Diagramms stehen die einzelnen Vorgänge in keinem Bezug zueinander. Wie bei der Berechnung müssen Sie selbst die Beziehung mit gedrückter linker Maustaste in das Gantt-Diagramm einfügen. Anschließend verbindet KPlato die jeweiligen Vorgänge mit einem Pfeil. Den Beziehungstyp legen Sie im Anschluss über einen Dialog fest, der sich nach Anklicken des Beziehungspfeil öffnet. Diese Vorgehensweise funktioniert zwar, erscheint aber nicht eben intuitiv.

Abbildung 5: Gantt-Diagramm präsentiert KPlato zwar übersichtlich, lässt aber eine Zoom-Funktion vermissen.

Die Projekteinstellungen sowie die Festlegung auf Vorwärts- bzw. Rückwärtsplanung nehmen Sie über den Dialog Projekt | Hauptprojekt bearbeiten vor. Unter Projekt finden sich auch Funktionen zum Anpassen von Kalendern und Ressourcen. Vor dem Anlegen einzelner Ressourcen gilt es zunächst eine neue Ressourcengruppe zu definieren; erst dann lassen sich einzelne Ressourcen über entsprechende Dialoge hinzufügen. Für die Ressourcen-Ansicht gibt es auch keine entsprechenden Buttons wie bei den Vorgängen – die selbe Inkonsistenz in der Benutzeroberfläche findet sich auch in der Ansicht Konten wieder.

Über diese Ansicht betrachten und bearbeiten Sie Konten für das Abschätzen der Projektkosten. Diese können Sie ähnlich wie Ressourcen hierarchisch strukturieren. So legen Sie etwa für das gesamte Projekt ein Hauptkonto an und ordnen diesem verschiedene Unterkonten zu. Diese wiederum weisen koppeln Sie mit bestimmten Vorgängen.

Abbildung 6: KPlatos Ressourcenverwaltung bietet alle Grundfunktionen. Allerdings lässt sich die Währung nicht über die Programmoberfläche ändern.

KPlato wirkt in der vorliegenden Version noch unfertig: Es bietet zwar schon alle Grundfunktionen für die Projektplanung, behindert durch mangelnde Usability aber bei der Arbeit. Einsteiger überfordert es, fortgeschrittene Anwender schreckt es damit eher ab. Mit dem nächsten Release von KOffice soll es allerdings eine überarbeitete KPlato-Version geben. Noch ist allerdings unklar, ob sich Verbesserungen in der Benutzerfreundlichkeit einstellen oder die Entwickler nur Fehlerbehebung betreiben.

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LinuxUser 06/2012

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