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Pediküre

Vorschau auf Gnome 3.0

Die Shell selbst testen

Um selbst in den Genuss zu kommen, die neue Shell zu testen, muss Ihr Rechner nur wenige Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen ein halbwegs aktueller X-Server (etwa unter Ubuntu "Intrepid" oder "Jaunty" sowie ein Grafikkartentreiber für 3D-Beschleunigung. Gegebenfalls müssen Sie auf proprietäre Treiber ausweichen – bei mangelnder 3D-Performance erweist sich die Shell als unbedienbar.

Laden Sie das Skript gnome-shell-build-setup.sh herunter [4], führen Sie es aus und folgen Sie dabei dessen Anweisungen. Aktuell funktioniert das Skript unter Debian, Mandriva, OpenSuse und Ubuntu ohne größere Überraschungen. Sofern beim ersten Aufruf noch nicht alle Abhängigkeiten erfüllt waren, müssen Sie nach deren Auflösung das Skript ein zweites Mal starten. Es erstellt die Dateien .jhbuildrc und .jhbuildrc-custom in Ihrem Benutzerverzeichnis. Änderungen etwa hinsichtlich der Ziel- oder Repository-Verzeichnisse nehmen Sie bei Bedarf in letzterer Datei vor. In der Regel besteht dazu aber keine Notwendigkeit.

Den eigentlichen Übersetzungs- und Installationsprozess stößt der Befehl jhbuild build an. Dabei holt sich Jhbuild aus den Repositories insgesamt sechs Module und kompiliert sie anschließend, was je nach Rechner bis zu fünf Minuten dauert. Falls Sie die Shell bereits früher einmal gebaut haben und der Übersetzungsvorgang nicht mehr funktioniert, versuchen Sie es mit jhbuild build -f -a -c.

Hat alles geklappt, befindet sich unter ~/gnome-shell die fertige Gnome Shell. Wie bereits erwähnt, gibt es zwei Möglichkeiten, die Shell auszuführen. Zum Aufruf wechseln Sie in das Verzeichnis ~/gnome-shell/source/gnome-shell/src:

  • ./gnome-shell startet die Shell in einem eigenen Fenster. Bei einer Fehlermeldung installieren Sie im Falle von Ubuntu das Paket xserver-xephyr nach. Dabei handelt es sich um einen X-Server, der innerhalb eines anderen X-Servers läuft.
  • ./gnome-shell -r ersetzt, falls Gnome im Augenblick läuft, das Panel und den Window-Manager durch die Shell.

Für einen schnellen Test eignet sich die Fenstervariante: Beim Schließen des Fensters beendet sich das Programm. Bei Gefallen und um ausführlicher zu testen, wie sich die aktuelle Version im Alltag schlägt, verwenden Sie die Option -r ("replace"). Zum Beenden der Shell drücken Sie [Strg]+[C] in dem Terminal, in dem Sie den Befehl zuvor abgesetzt haben.

Die Gnome Shell im Einzelnen

Der folgende Abschnitt beschreibt die Git-Version der Gnome Shell von Mitte Mai. Da innerhalb kurzer Zeit viele Änderungen einfließen, kann bei Erscheinen dieses Artikels die Gnome Shell anders aussehen und sich anders verhalten.

Nach dem Start der Gnome Shell (Abbildung 2) zeigt sich ein fast gewohntes Bild: Zwei Leisten schmücken den oberen und unteren Bildschirmrand. Die Fensterliste in der unteren Leiste spiegelt die auf dem Desktop laufenden Anwendungen wider. Die obere Leiste beinhaltet im Wesentlichen die vier Felder:

  • Benutzer: Hier rufen Sie Informationen zum Benutzer ab und starten das Kontrollzentrum. Außerdem finden sich hier der Menüpunkt zum Sperren des Bildschirms ( Lock Screen) und zum Beenden der Sitzung (Quit...).
  • Aktuelles Datum und Uhrzeit
  • Benachrichtigungsfeld
  • Activities: Die Anlaufstelle im neuen Konzept. Ein Klick oder die Tastenkombination [Alt]+[F1] schaltet in den so genannten Overlay-Modus und wieder zurück.

Abbildung 2: Die Gnome Shell mit eingefahrener Seitenleiste. Befindet sich der Mauszeiger über Recent Docs, so fährt dieser Teil der Leiste automatisch aus.

Im Overlay-Modus (Abbildung 3) sehen Sie im rechten Teil des Bildschirms alle virtuellen Desktops. Im linken Teil listet die Shell die am häufigsten genutzten Anwendungen und die zuletzt geöffneten Dokumente. Ein Suchdialog (Abbildung 4) filtert bei Bedarf nicht gewollte Anwendungen und Dokumente heraus.Ein Klick auf More... bei Applications erweitert den linken Bildschirmteil um das Anwendungsmenü (Abbildung 5), das früher einen integralen Bestandteil des Panels bildete. Befinden sich mehr als zwölf Anwendungen in einer Kategorie befinden, teilt Gnome Shell diese in Zwölfergruppen auf. Ein Klick auf Less... lässt das Anwendungsmenü wieder verschwinden.

Abbildung 3: Im Overlay-Modus haben Sie einen Überblick über alle virtuellen Desktops. Ebenso stehen das Anwendungsmenü, die zuletzt ausgeführten Anwendungen und die zuletzt geöffneten Dokumente zur Verfügung.

Abbildung 4: Mit dem Suchdialog schränken Sie die Anzahl der Dokumente beziehungsweise Anwendungen ein.

Abbildung 5: Früher befand sich das Anwendungsmenü noch im Panel – mit der Shell ist es im Overlay-Modus verfügbar.

Ein ähnliches Verhalten bietet sich bei Recent Documents (zuletzt geöffnete Dokumente, Abbildung 6). Eine gute Idee ist die Vorschau von Dokumenten wie PDF- oder Textdateien, die im rechten Bildschirmteil vergrößert auftauchen. Derzeit geht die Shell hier sehr verschwenderisch mit dem verfügbaren Platz um – Angaben zum Dokument, wie Datum, Größe oder Eigentümer, fehlen noch. Auch eine größere Vorschau trüge positiv zum Gesamtbild bei.

Abbildung 6: Die zuletzt geöffneten Dokumente finden Sie genau wie die Anwendungen im Overlay-Modus.

Eine weitere Neuerung gibt es bei der Art und Weise, wie Sie neue virtuelle Desktops hinzufügen: Klicken Sie dazu auf das Plus-Zeichen im rechten unteren Bildschirmteil. In einer hübschen Animation fliegt der neu erzeugte Desktop in das Bild hinein. Das Minus im letzten Desktop lässt ihn bei Bedarf wieder verschwinden.

Um eine Anwendung zu starten oder ein Dokument zu öffnen, schalten Sie in den Overlay-Modus um und klicken auf das betreffende Symbol im linken Teil. Die Gnome Shell wechselt automatisch auf den aktuellen Desktop zurück und startet die Anwendung. Alternativ ziehen Sie ein Programm beziehungsweise Dokument im Overlay-Modus auf einen Desktop im rechten Bildschirmteil. Das Verschieben von Fenstern zwischen verschiedenen virtuellen Desktops funktioniert entsprechend (Abbildung 7).

Abbildung 7: Um Fenster auf einen anderen virtuellen Desktop zu schieben, ziehen Sie es einfach mit der Maus dort hin.

Seit Mitte Mai gibt es eine kleine Seitenleiste, die häufig verwendete Anwendungen und Dokumente direkt auf dem Desktop darstellt (Abbildung 8), sodass Sie zu deren Aufruf nicht mehr erst in den Overlay-Modus wechseln müssen. Die Seitenleiste können Sie bei Bedarf bequem einfahren, so dass sie nicht unnötig Platz auf dem Desktop in Anspruch nimmt. Die Anwendungssymbole und die in der Leiste befindliche Uhr zeigt die Shell dann verkleinert an.

Abbildung 8: In der Seitenleiste haben Sie Zugriff auf alle zuletzt geöffneten Dokumente und ausgeführten Programme.

Ein noch recht rudimentärer Anwendungsstartdialog erreichen Sie mit der gewohnten Tastenkombination [Alt]+[F2]. Dabei färbt die Shell den Hintergrund leicht dunkel ein, sodass das Eingabefeld besser zur Geltung kommt. Der Programmumschalter ([Alt]+[Tab]) fügt sich angenehm in das Gesamtbild ein. Das Wechseln zwischen Desktops ([Strg]+[Alt]+[Links]/[Rechts]), das Öffnen, Schließen und Verkleinern von Fenstern animiert die Shell derzeit.

Die meisten Eigenschaften der Gnome Shell sind momentan noch fest verdrahtet, Konfigurationsmöglichkeiten gibt es kaum. Die Entwickler arbeiten jedoch mit Hochdruck daran, neue Features und Ideen zu implementieren. So dürfte es auch nicht mehr lange dauern, bis Konfigurationsdialoge in die Shell Einzug halten.

Bilder sagen zwar mehr als tausend Worte, jedoch ist es damit schwierig, darzustellen, wie sich die Gnome Shell im täglichen Betrieb anfühlt. Daher sei auf die Screencasts [5] verwiesen, die die Features wesentlich besser demonstrieren.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


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