Auch wenn heute die günstigsten WLAN-Router keine 100 Euro mehr kosten, lohnt sich in manchen Fällen der klassische Linux-Weg, einen vollwertigen PC zu einem Router umzufunktionieren.Für diesen Artikel benutzten wir das Atom-Board D945GCLF von Intel mit Atom N230-Prozessor. Es kostet in diversen Online-Shops inzwischen unter 60 Euro. Als Hauptspeicher bauten wir einen DDR2-Riegel von Kingston mit 1 GByte RAM ein, Kostenpunkt 15 Euro. Damit der Rechner leise arbeitet, leisteten wir uns zusätzlich ein neues 300-Watt-Netzteil. Hier wurden wir bei Conrad fündig und kauften für rund 30 Euro das "Jou Jye Silent". Die restlichen Komponenten stammen aus einem alten Debian-Rechner: Gehäuse, 40 GByte P-ATA-Festplatte und eine alte 3Com-Netzwerkkarte (Abbildung 1).
Das Mini-ITX-Mainboard von Intel lässt sich problemlos in jedem ATX-Gehäuse unterbringen. Die Löcher für die Verschraubung sind genormt, eine passende Blende für die externen Anschlüsse liegt dem Board bei. Ein ATX-Tower bietet zwei Vorteile: er kostet deutlich weniger als ein spezielles ITX-Gehäuse und bietet zudem reichlich Platz für einen späteren Plattenausbau. Das Intel-Board bootet problemlos von USB, so dass wir für die Installation auf ein CD-Laufwerk verzichten konnten. Bei einem älteren Mainboard benötigen Sie eventuell zusätzlich ein optisches Laufwerk.
Nachdem sämtliche Komponenten verbaut waren, blieb immer noch viel Platz im Gehäuse (Abbildung 2). Nutzt man als Systemplatte eine traditionelle ATA-Harddisk, lassen sich später ohne Reboot zusätzliche S-ATA-Platten einbauen, falls man den Router zusätzlich als Dateiserver nutzen möchte. Das Atom-Board bringt nur einen PCI-Steckplatz mit. Möchten Sie den nicht durch die Netzwerkkarte belegen, weichen Sie auf einen USB-Ethernet-Adapter aus.
Die Software
Als Betriebssystem installierten wir die LTS-Version 8.04.2 von Ubuntu. Das Setup des Routings und eines DHCP-Servers verläuft aber unter den meisten Distributionen wie hier beschrieben. Zunächst gilt es, die einzelnen Netzwerkgeräte korrekt zuzuordnen und zu entscheiden, welches die Internetverbindung verwaltet und welches das interne Netz. Das Atom-Board bringt eine 100-MBit/s-NIC mit – möchten Sie Ihr Intranet mit einer Gigabit-Karte aufrüsten, nutzen Sie den Netzwerkadapter auf dem Mainboard als externe Schnittstelle und die zusätzliche Karte als interne Schnittstelle. Wir gehen im Folgenden davon aus, dass die Schnittstelle eth0 das interne Netz verwaltet, eth1 den Verkehr mit dem Internet.
Die erste Netzwerkkarte eth0 bekommt eine feste IP-Adresse, da über sie später ein DHCP-Server das interne Netz versorgen wird. Über eth1 stellen Sie eine Internetverbindung her. Für beides nutzen Sie entweder die grafischen Werkzeuge der Distribution oder erstellen von Hand eine entsprechende Konfigurationsdatei /etc/network/interfaces (Listing 1).
Starten Sie das Netzwerk nun mit /etc/init.d/networking restart neu, dann sollte die Ausgabe von /sbin/ifconfig für das Interface eth0 die statische Adresse 192.168.0.1 anzeigen, für eth1 die vom Provider per DHCP zugeteilte.
# /etc/network/interfaces auto eth0 iface eth0 inet static address 192.168.0.1 netmask 255.255.255.0 broadcast 192.168.0.0 network 192.168.0.0 auto eth1 iface eth1 inet dhcp
DHCP-Server
Die Clients sollen per Switch mit dem Router verbunden werden. Um deren Setup zu erleichtern, soll der Router über eth0 einen DHCP-Serverdienst anbieten, der den Clients automatisch eine IP-Adresse zuteilt. Dazu installieren Sie unter Ubuntu zunächst das Paket dhcp3-server:
sudo apt-get install dhcp3-server
Anschließend öffnen Sie mit Admin-Rechten die Datei /etc/default/dhcp3-server und tragen als Interface eth0 ein:
INTERFACES="eth0"
Den eigentlichen DHCP-Server richten Sie über die Datei /etc/dhcp3/dhcpd.conf ein. Sie enthält an den meisten Stellen schon passende Einträge, vor denen Sie nur noch die Kommentarzeichen entfernen müssen. Für ein einfaches Setup mit maximal elf Clients scrollen Sie zum Eintrag # This is a very basic subnet declaration und fügen hier den in Listing 2 gezeigten Abschnitt ein. Die passenden Nameserver-Einträge des Providers fügt der DHCP-Server in der Regel automatisch ein. Falls nicht, müssen Sie das Listing um eine Zeile option domain-name-servers NS1 NS2
; ergänzen. Die entsprechenden Nameserver-Einträge entnehmen Sie der Datei /etc/resolv.conf.
# This is a very basic subnet declaration.
subnet 192.168.0.0 netmask 255.255.255.0 {
range 192.168.0.10 192.168.0.20;
option routers 192.168.0.1;
}
Starten Sie nun den DHCP-Server über den Befehl /etc/init.d/dhcp3-server restart neu. Hat alles geklappt, erhalten die per Switch angeschlossenen Client-Rechner automatisch eine IP-Adresse aus dem vorgegebenen Bereich, und in der Datei /etc/resolv.conf auf den Clients finden sich die gleichen Nameserver-Einträge wie auf dem Server.



