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Leicht gemacht

Toorox 05.2009 LinuxUser-Edition im Test

18.06.2009 Jörn Lindaus Gentoo-Ableger Toorox macht mit pfiffigen Ideen gerade Linux-Neulingen den Einstieg leicht.

README

Toorox 05.2009 liegt in einer LinuxUser-Edition vor. Es basiert auf Gentoo und nutzt den aktuellen KDE 4.2.3-Desktop.

In der Distributionslandschaft tummeln sich mittlerweile eine Vielzahl von Live-CD/DVD-Systemen, die sich aber meist nur als remasterte Abkömmlinge weniger populärerer Basis-Distributionen entpuppen. Zu den lohnenswerten Ausnahmen und Spezialfällen zählt Toorox [1]: Dieses Live-System basiert auf Gentoo (siehe Kasten "Gentoo"), erspart jedoch durch das installierbare Basissystem die zeitaufwändige Gentoo-Installation. Der Entwickler Jörn Lindau setzt außerdem auf ein Linux für Ein- und Umsteiger ohne überladene Menüs und kryptische Programmnamen.

Gentoo

Gentoo [2] unterscheidet sich grundlegend von anderen Linux-Systemen: Bei der Paketverwaltung setzt sie statt auf Binäres ganz auf den Quellcode einer Software. Sie lädt diesen herunter und kompiliert ihn unter Vorgabe bestimmter vom Anwender vorgegebener Anpassungen ("Flags"). Klassische Gentoo-Installationen beginnen mit einem kleinen Verzeichnisbaum mit den grundlegenden Systemelementen (Bootstrap) und kompilieren dann Stück für Stück das gesamte Linuxsystem neu.

Der Vorteil liegt auf der Hand: ein direkt aus den Quellen zugeschnittenes System läuft stabiler und schneller. Der Nachteil: Der Kompiliervorgang dauert erheblich länger als eine herkömmliche Paketinstallation. Vor allem eine Basisinstallation oder deren komplettes Update geraten je nach Rechnerleistung zur wahren Geduldsprobe.

Um Software aus den Repositories nachzuinstallieren, setzt man entweder mit administrativen Rechten den Befehl emerge Paketname ab oder nutzt den komfortablen grafischen Paketmanager Porthole. Er ordnet die vorrätige Software in Themengebiete, so dass Sie leicht das Gewünschte finden.

Einlegen, fertig, los …

Im übersichtlichen Bootmenü suchen Sie die für Ihren Monitor passenden Einstellungen und starten den Bootprozess mit der Eingabetaste. Wer weiß was er tut, gibt mittels [Tab] noch einige Bootparameter mit auf den Weg.

Der Bootvorgang verrät die Knoppix-Wurzeln (linuxrc), deren bewährter Funktionen sich Toorox bedient. Nach erfreulich kurzer Zeit begrüßt Sie ein eleganter KDE-4-Desktop mit vorkonfigurierten Desklets für einen Schnellzugriff auf wichtige Programme und die angeschlossenen Laufwerke. Ein Desklet informiert über den laufenden Netzwerkbetrieb. Der KDE-eigene Browser Konqueror liefert einige Informationen zur vorliegenden Toorox-Ausgabe.

Die faserig erscheinenden Fonts gründen auf einem falsch gesetztem Häkchen: Wählen Sie das Einstellungen-Symbol aus der KDE-Leiste und klicken Sie im geöffneten Fenster auf KDE-Einstellung. In dem noch nicht an die deutsche Sprache angepassten Menü Look & Feel wählen Sie den Punkt Appearance. Unter Fonts betätigen Sie den Schalter Einrichten neben der Option Kantenglättung verwenden: und entfernen besagtes Häkchen für die Funktion Bereich ausschließen.

Gerade Einsteiger dürften mit Toorox schnell zurecht kommen. So finden sich im K-Menü unter Programme nicht die für Neulinge oft unverständlichen Begriffe wie Konqueror oder Dolphin, sondern nach Funktionen benannte Einträge (Webbrowser, Dateimanager, etc.). Leider sieht der Benutzer im K-Menü zuerst den Reiter Favoriten, der sich nicht an diese Vorgaben hält.

Wer mit dem Bedienkonzept des KDE-4-Menüs nicht klar kommt, nutzt das Icon direkt daneben: Hier finden Sie eine aufklappende Menüstruktur im alten Stil. Wie bei einem DVD-Live-System kaum anders zu erwarten, bietet Toorox für jede wichtige Arbeit eine entsprechende Software. Bis auf wenige Ausnahmen verfolgt der Toorox-Entwickler Jörn Lindau dabei den Ubuntu-Ansatz, jeder Aufgabe nur eine Applikation zu widmen. Das erhöht die Übersichtlichkeit und hilft dabei, gerade Neulinge nicht zu überfordern.

Neben den üblichen Brot-und-Butter-Applikationen stöbern Sie unter Toorox vor allem in den Bereichen Multimedia und Bildung/Wissenschaft einige Perlen auf. So bietet die Distribution neben den Videoeditoren Cinelerra und Kino auch professionelle Audioverarbeitung mittels Ardour2 an. Als kleine Besonderheit setzt Toorox, wie auch das Debian-Projekt, auf den Firefox-Zwilling Iceweasel. Über den Release-Stand der wichtigsten Anwendungen informiert Sie die Tabelle "Toorox 05.2009 im Überblick".

Toorox 05.2009 im Überblick

Kernel 2.6.28-gentoo-r2
Desktop KDE 4.2.3
XServer X.org 1.5.3
Paketmanager Porthole 0.6.0_rc4
Büro OpenOffice.org 3.1.0
Internet Iceweasel 3.0.10 (Firefox), Thunderbird 2.0.0.21
Multimedia Amarok 2.0.2, Audacious 2.0.2, Ardour 2.7.1, Cinelerra 20090210, K3b 1.0.5, Kino 1.3.3
Sonstiges Gimp 2.6.6, Wine 1.1.21

Hinter den Knöpfen Systemeinstellungen in der KDE-Leiste und Systemconfig im Desklet Favorite Applications verbergen sich die gesammelten Konfigurationswerkzeuge rund um den Computer. Allerdings spürt der Anwender hier deutlich das Baukastenprinzip eines Linux-Systems, aus dem stellenweise ein recht inkonsistentes Bediengefühl resultiert. So nutzt Toorox für einige Aufgaben die KDE-Bordmittel und integriert dann beispielsweise zum Einrichten der Festplatte GParted. Trotzdem lassen sich die sorgsam ausgewählten Werkzeuge gut bedienen, sodass auch Neulinge schnell zum Ziel kommen. Ein einheitliches Konfigurationskonzept wie bei YaST käme aber gerade Linux-Novizen sicher mehr entgegen, zumal die nicht durchgängig deutsche Lokalisierung der einzelnen Tools stört.

Laut und bunt

Besonderes einfach macht Toorox das Nachinstallieren von Multimedia-Elementen, die in den allermeisten Distribution aus rechtlichen Gründen fehlen. Das Paketsymbol Treiber,Multimedia in den gesammelten Systemeinstellungen verbirgt eine Ein-Klick-Installation für ATI- und NVidia-Treiber, das Flash-Plugin, MP3-Support und verschiedene Multimedia-Bibliotheken (Abbildung 1). Einfacher kann es ein Entwickler seinen Anwendern derzeit nicht machen, wenn er rechtlich auf Nummer sicher gehen will.

Abbildung 1: Mit nur einem Klick holen Sie sich MP3-Support oder einen proprietären Grafiktreiber in das System.

Die Installation dauert Gentoo-typisch ihre Zeit, weil das System die Pakete nicht nur lädt und einspielt, sondern vorher erst kompiliert (siehe Kasten "Gentoo"). Ein Mausklick auf das gewünschte Objekt startet in einer Konsole den nichtgrafischen Installationsvorgang. Das Installieren des NVidia-Treibers klappte auf unserem Testsystem hervorragend selbst aus der nicht installierten Live-DVD heraus. Anschließend waren nach einem Neustart des X-Servers ([Strg]+[Alt]+[Rückschritt]) auch die 3D-Desktop-Effekte automatisch aktiviert.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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