It's better without Asus

18.06.2009

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was ein Leecher ist? So nennt man – in Anlehnung an die englische Bezeichnung für Blutegel – unter anderem Firmen, die sich zwar gern mithilfe von Open Source bereichern, aber nichts an die Community zurückgeben.

Dass der EeePC-Bauer Asus wohl in diese Kategorie gehört, ließ sich schon im Herbst letzten Jahres ahnen [1] – jetzt ist es gewiss: "EeePC – it's better with Windows" [2] heißt eine Kampagne, die der taiwanesische Netbook-Hersteller gerade zusammen mit Microsoft fährt. "Mit Windows gehen Sie schnell und einfach online und arbeiten mit Ihren Geräten und Diensten – ohne sich mit einer ungewohnten Umgebung oder enormen Kompatibilitätsproblemen herumschlagen zu müssen", erfahren wir da. Ach was? Um die eigenen Produkte millionenfach in den Markt zu drücken und raketenartig unter die Top Five der PC-Hersteller zu klettern, war die "ungewohnte Umgebung mit enormen Kompatibilitätsproblemen" dann aber schon gut genug? Und für die zahlende Kundschaft hat sie offenbar auch genügt?

Dass Asus die volle Kontrolle über die Kompatibilität hatte, weil es die Hardware selbst herstellt und es sich bei der Software um Open Source handelt, lassen wir mal geflissentlich außen vor – was offeriert Asus denn als "bessere" Alternative? Windows XP, ein acht Jahre altes Betriebssystem, das eigentlich schon abgekündigt sein sollte, von Microsoft aber notdürftig am Leben erhalten wird, weil der Nachfolger Vista floppt. Eine Brutstätte für Viren und Würmer, die man nur ohne Netzwerkanschluss installieren kann, weil ansonsten der PC schon beim Einrichten infiziert wird. Aber mit Windows XP braucht man sich die Schadsoftware nicht einmal selbst zu holen, da kommt sie schon werksseitig vorinstalliert auf dem Netbook ins Haus [3].

Selbst den Machern der "It's better"-Kampagne scheinen diese Widersprüche aufgefallen zu sein – oder es handelt sich um guerillamäßig operierende heimliche Linux-Fans: Nimmt man Asus' Werbespots für Windows-EeePCs für bare Münze, eignen sich solche Geräte offenbar hauptsächlich für kichernde Teenies, die zu blöde sind, Badeklamotten und eine Decke mit an den Strand zu nehmen, für deren etwas beschränke Väter, die keinen Kaffee trinken können, ohne sich vollzukleckern, und die dazugehörigen aufgestylten Ehefrauen, die den ganzen Tag süßlich lächelnd auf den Bildschirm starren, aber mit den lackierten Fingernägelchen kaum jemals eine Taste betätigen.

Die Szenarien der Spots wirken derart skurril, dass viele Betrachter erst vermuteten, bei "It's better with Windows" handele es sich um einen Hoax. Doch Asus verlinkt die Kampagnen-Website direkt [4], das Ganze ist also durchaus ernst gemeint. Da fällt mir nur noch eines ein: "Linux – it's better without Asus".

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Asus und Vista: Jörg Luther, "Hasta la Vista?", LinuxUser 09/2008, S. 5, http://www.linux-community.de/artikel/16513/

[2] "It's better with Windows": http://www.itsbetterwithwindows.com

[3] Malware auf neuem Windows-Netbook: http://www.itbusiness.ca/it/client/en/home/news.asp?id=53225

[4] Asus-Link auf "It's better": http://www.asus.co.uk/eeepc/1008HA/features.html

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Kommentare
Dumm nur wegen der Microsoft Tax
Brainiac (unangemeldet), Sonntag, 05. Juli 2009 16:49:34
Ein/Ausklappen

Man kann allenfalls der eingesparten Microsoft Tax beim Kauf eines Asus nachweinen. Ich habe den 901go mit diesem Xandros Schmutz erstanden, keine HT Unterstützung im Kernel, kein HPET, das Gerät frisst 14W weil vieles im Powermanagement verschlafen wurde. Ein grausamer Launcher dessen Free-Pendant lxlauncher bereits da ist, Miese Paketquellen, Software Verdongelung des UMTS Modems.
Die Maschine selbst ist einfach klasse, da kann man nichts sagen und mit CrunchEEE läuft sie perfekt. So hätte Asus das verkaufen sollen, da wird viel Sympathie zu Acer überlaufen die mit Android und Moblin flüssig laufende Netbooks statt Windows Bloat, Bugs und Geruckel anbieten.


Bewertung: 204 Punkte bei 45 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Keine Überraschung
Frank Schmitz, Freitag, 19. Juni 2009 21:34:10
Ein/Ausklappen

Dieses Szenario war seit dem ersten Tag der Kopplung von eePC mit Linux vorprogrammiert.
Kein Grund sich zu ärgern.
Sicher sieht Linux auf den Netbooks aufgeräumter aus als Windows. Das will niemand bestreiten.
Nun traf der Windows-User auf eine neue Oberfläche, die sich zwar komfortabel bedienen lässt, aber seine Hardware lässt sich nicht installieren (ohne Kniff hier und dieses dort). Seine Reaktion ist völlig nachvollziehbar. Unter Windows lief alles mit einem Klick. Er will es zurück. Das zwingt zB ASUS zur Rückkehr zu Windows.
"Unsere" Polemik ist fehl am Platz.
Der Rückschlag ist ärgerlich, aber ich verstehe die User in diesem Fall.
Und ich bin Linux-User, um Missverständnissen vorzubeugen.


Bewertung: 237 Punkte bei 46 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
-
Re: Keine Überraschung
Ulrich Lehmkühler (unangemeldet), Sonntag, 21. Juni 2009 10:55:42
Ein/Ausklappen

Klar, 90 Prozent der Computernutzer wollen halt keine IT-Ausbildung, um surfen, mailen oder einen Brief zu schreiben oder einen Drucker zu installieren.

Doch die Sache hat einen Hacken: Ich habe gerade miterlebt, wie ein Kumpel - Vista sei Dank ;-) - sein funktionfähige Hardware (z.B. Agfa-Scanner) entsorgen durfte, weil es keine Hardwaretreiber mehr dafür gibt und er auch keine IT-Archäologie betreiben will.

Doch jetzt sitzt er in der Bananaware-Falle: Die Ware reift bekanntlich beim Kunden, weil nicht nur die Treiber bei Erschenen mangelhaft sind, sondern auch die Endkontrolle auf den Kunden abgeschoben wird. Der neue Canon Scanner (mit Vista-Treiber) ist kurz nach dem Kauf auf dem Weg zur Reperatur - oder besser Austausch - und auch das Notebook mit dem Vista hat schon zwei Reparaturen hinter sich mit wochenlangen Ausfällen. Es funktioniert also auch da nix wirklich...

Wenn wir jetzt einen solchen Kandifdaten zu einsteigerfreundlichen Distris wie Ubuntu oder Mandriva überreden wollen, wo die vorhandene Hardware wie der Scanner vermutlich out-of-the-box funktionieren wird, stehen wir vor dem Linux Problem: Es ist halt eine andere Betriebssystem-Philosophie. Da rennen selbst Hinweise auf eine geordnete Datensicherung, die bei Vista sehr schnell 30 bis 50 genuestens auszuwählende Verzeichnisse umfaßt, sollen im Schadenfall nicht diverse persönliche Einstellungen und Daten weg sein, gegen die Wand: Neu lernen kommt nicht in Frage. Das hat ja MS mit Vista auch schmerzlich lernen müssen. Und MS hätte vermutlich dieselben Probeleme, wenn die Nutzer andauernd an der Regsitry rumfummeln müßten.

Ich arbeite mit Epson LQ-500, HP Laserjjet 4, HP PSC500 (Parallelport-ScanDrucker), HP ScanJet 3p und 3com Webcam problemlos, aber unter Suse 10.3 kriegt den Zugriff auf den Scannerteil vom PSC500 nur als Root hin. Unter Xubuntu 9.04 mußte ich zunächst mal die Hplib installieren und hatte das gleiche Problem, bis ich mal die Gruppe 'lp' zum Benutzer hinzufügte. Mandriva hatte so was nicht nötig, der Scanner funktionierte sofort. Der Drucker machte bei keiner Distri Probleme ...

Solange wir nicht demonstrieren können, daß die vorhandene, ältere Hardware bei den einsteigerfreundlichen Distris auch ohne Nacharbeit funktioniert, können wir jegliche Überredungskunst vergessen. Erst dann kann man mit den Einsparungen kommen, weil die alte Hardware noch zufriedenstellend ihren Dienst tut. Und im zweiten Schritt einige grundlegende Lösungsansätze vermitteln, wie es die Rechteporblematik oder der Kauf neuester Hardware unter Linux nun mal sind.

Wir lassen uns halt gerne vom Navi (ver)führen, doch wehe man muß mal Karten lesen ...


Bewertung: 204 Punkte bei 50 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 02/2016: Alt-PCs flott machen

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Leap 42.1 und LibreOffice
Heinz Kolbe, 09.02.2016 21:54, 0 Antworten
Moin moin, auf meinem Notebook habe ich Leap 42.1 und Win 10 installiert. Alles läuft rund nur...
Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...