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Feinschliff

Die wichtigsten Neuerungen in KDE 4.3

18.06.2009 Ende Juli erscheint mit KDE 4.3 die nächste größeren Version des K-Desktops. Die aktuelle Beta-Version bietet bereits eine solide Vorschau auf die Neuerungen.

Nachdem KDE 4.2 eigentlich die Wünsche der meisten KDE-Nutzer befriedigt, feilen die KDE-Entwickler fleißig an Version 4.3. Verläuft alles planmäßig, erscheint sie im Juli 2009. Neben zahlreichen Bugfixes bringt KDE 4.3 vor allem auf dem Desktop zahlreiche Änderungen, und die Suchfunktion über Nepomuk ist nun in zahlreichen Programmen integriert. Mit KTron hält auch ein neues Spiel Einzug in das K Desktop Environment.

Plasma

Der Desktop dient quasi als Visitenkarte von KDE. Für KDE 4.3 haben die Entwickler hier in erster Linie den Schnellstarter Krunner überarbeitet. Anstelle der bisherigen horizontalen und vertikalen Liste von Programmnamen zeigt der Krunner in KDE 4.3 die Treffer sauber untereinander geordnet an (Abbildung 1). Zu jedem Eintrag gibt es zudem auch eine kurze Erklärung, die die Auswahl des gewünschten Programms vereinfacht.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der neue Krunner listet die über das Stichwort gefundenen Einträge untereinander auf.

Fährt man mit dem Mauszeiger über die Liste, erscheint der Eintrag direkt unter dem Mauszeiger in Farbe, die restlichen Einträge dagegen ausgegraut. Die Auswahlliste ist zudem hübsch animiert, so dass das Auf- und Abwärtsscrollen mit der Maus richtig Spaß macht. Der KDE-Schnellstarter wartet darüber hinaus mit einer umfassenden Hilfefunktion auf.

In den Tests hatte der neue Krunner ab und zu noch Probleme mit der automatischen Breite und öffnete den Schnellstarter gelegentlich in der vollen Bildschirmbreite – oder noch breiter. Abgesehen von diesem Beta-Fehler lässt sich mit dem neuen Krunner aber deutlich einfacher und schneller arbeiten.

Ein nettes Detail hat Aaron Seigo bei der Plasma-Cashew-Nuss implementiert (Aaron selbst nennt Sie Eishockey-Scheibe). Das kleine Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke lässt sich nun per Drag & Drop am oberen oder rechten Bildschirmrand anbringen. Über das Arbeitsflächen-Einstellungsmenü geben Sie dem Desktop zudem einen Namen. Der erscheint dann neben dem Plasma-Symbol, sofern sich die Cashew-Nuss nicht genau in der Ecke befindet.

Zeigte das K-Menü bisher nur Dokumente an, so trennt KDE 4.3 im Menü Zuletzt benutzt nun Dokumente und Anwendungen. Ebenfalls überarbeitet haben die Entwickler das Panel: Um die Symbole besser anordnen zu können, lassen sich nun Trennelemente einfügen (Abbildung 2). In den Tests führte dies jedoch nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Der Systemabschnitt unterscheidet in der neuen Version Benachrichtigungen von Programmen von den Dateitransfermeldungen. Per Mausklick entscheiden Sie, welche der zwei Informationen Sie erhalten möchten. Zudem lassen sich einzelne Miniprogramme im Systemabschnitt ein- oder ausblenden. KDE 4.3 unterteilt die Systray-Programme dazu in vier Kategorien.

Abbildung 2

Abbildung 2: Über Distanzhalter ("Spacer") lassen sich die Elemente auf der KDE-Kontrollleiste gezielter platzieren – oder auch nicht.

Neue Widgets

KDE 4.3 bringt ein halbes Dutzend neuer Miniprogramme mit. Darunter findet sich zum Beispiel eine Lupe, um Bereiche des Bildschirms auch ohne Desktop-Effekte vergrößert zu betrachten, und das Erinnerungsprogramm "Remember the Milk". Sehr gut gefiel in den Tests der neue Systemmonitor Bubble im Murmelstil (Abbildung 3). Das Widget bettet sich perfekt in den Plasma-Desktop ein und macht dabei nicht nur optisch eine sehr gute Figur, sondern bietet zudem eine äußerst umfangreiche Liste an Sensoren zur Auswahl an.

Abbildung 3

Abbildung 3: Schönheit und Funktionalität müssen sich nicht ausschließen: Der neue Systemmonitor "Bubble" von KDE 4.3.

Ebenfalls Premiere feiern mit KDE 4.3 ein neues Mediaplayer-Widget und ein Miniprogramm, um mit anderen KDE-Nutzern soziale Kontakte zu knüpfen. Die bestehenden Widgets haben zum Teil starke Verbesserungen erfahren. So zeigt zum Beispiel das Kalenderprogramm, das Sie auch über die Uhr im KDE-Panel erreichen, die lokalen Feiertage an (Abbildung 4). Dazu nutzt es den für KDE 4.3 komplett neu programmierten Systemabschnitt. Eine Rundum-Integration in Kontact für private Termine gibt es allerdings noch nicht. Die gelben Notizzettel lassen sich ab der nächsten KDE-Version mit zusätzlichen Formatierungen verschönern.

Abbildung 4

Abbildung 4: Per Klick auf die Uhr öffnet sich der Kalender. Neu zeigt dieser auch Feiertage an.

Die meisten KDE-User nutzen den Desktop vermutlich mit einem statischen Hintergrundbild. KDE 4.3 bietet zusätzlich bewegte Hintergrundbilder an, zum Beispiel Fraktale oder die Wettervorschau. Wählen Sie für den Hintergrund als Typ Virus, frisst ein unbekanntes Wesen langsam den Desktop auf (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Bewegtes Wallpaper: Ein Virus macht sich am KDE-Standardhintergrundbild zu schaffen.

Zurückgekehrt

Bei der Entwicklung von KDE 4.3 nahmen die Programmierer auch auf die Wünsche von KDE-3-Nutzern Rücksicht und implementieren einige Features, die in KDE 4 so nicht vorhanden waren. So zeigen die Systemeinstellungen (ehemals KDE-Kontrollzentrum) die einzelnen Module auf Wunsch wieder in der von KDE 3 her gewohnten Baumansicht dar (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Manche mögen's arboreal: Die KDE-Systemeinstellungen gibt es ab KDE 4.3 wieder in der Baumansicht.

Dolphin

Der KDE-Dateimanager hat gleich mehrere Änderungen erfahren. Zunächst fällt das neue Schnellsuchfeld auf, das über die semantische Suche Nepomuk Dateien fix aufspürt. Dazu muss allerdings zunächst das Nepomuk-Setup funktionieren: In den von uns getesteten OpenSuse-Paketen war als Nepomuk-Backend soprano-backend-redland installiert, das wie schon bei früheren Tests nicht funktionierte [1]. Nach der Installation von soprano-backend-sesame und java-1_6_0-sun-devel verrichtete Nepomuk aber seinen Dienst ohne weitere Einstellungen automatisch.

Geben Sie anstelle eines Suchbegriffs in das Dolphin-Adressfeld nur die URI nepomuksearch:/ ein, zeigt der Dateimanager vier vordefinierte Suchen an. So finden Sie zum Beispiel mit Dateien von heute alle am aktuellen Tag neu angelegten Dateien (Abbildung 7). Dieses Feature erwies sich in den Tests unter anderem bei der Suche nach Screenshots als nützlich.

Abbildung 7

Abbildung 7: Nepomuk kennt, sucht und findet alle neuen Dateien des aktuellen Tages.

Verfeinert haben die KDE-Entwickler die Vorschau von Dolphin: So spielt der Dateimanager nun im Infokasten ([F11]) für Videos direkt eine Vorschau ab. Befinden sich in einem Ordner vorwiegend Bilddateien oder Musikstücke, zeigte Konqueror unter KDE 3 zusätzlich zum Ordnersymbol ein kleines Icon mit dem überwiegend vorhandenen Dateityp an. Eine ähnliche Funktion gibt es nun auch in Dolphin, die sich allerdings zunächst auf Bilddateien beschränkt: Befinden sich in einem Verzeichnis mehrere Bilder, zeigt der Dateimanager diese als Minibild direkt ins Verzeichnissymbol integriert an (Abbildung 8) – quasi eine Vorschau ohne zusätzlichen Mausklick.

Abbildung 8

Abbildung 8: Die im Verzeichnissymbol integrierte Vorschau auf Bilddateien erspart manchen Mausklick.

Fazit

Die Beta-Version von KDE 4.3 macht keinen so wackeligen Eindruck, wie das bei früheren KDE-4-Versionen noch der Fall war, sondern bietet eine solide Vorschau auf die anstehenden Features. Wer jetzt immer noch auf KDE 3 besteht, ist selber schuld.

Infos

[1] Semantischer Desktop: Marcel Hilzinger, "Wo steht KDE 4.2?", LinuxUser 03/2009, S. 67, http://www.linux-community.de/artikel/18092

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