Noch vor nicht allzu langer Zeit mussten sich Referenten vor jeder Präsentation darüber Gedanken machen, ob der Beamer vor Ort wohl mit Linux zusammenarbeiten würde. Oft tat er das nicht, und die resultierenden Probleme führten bei vielen Vorträgen zu nervenaufreibenden und zeitraubenden Neustarts, bis der X-Server ein Bild auf den Beamer zauberte. Konferenzveranstalter forderten gewohnheitsmäßig die Referenten explizit auf, die Beamer-Ansteuerung unter Linux vorher zu testen. Auch zu Hause war es oft alles andere als einfach, Bildschirmeinstellungen zu ändern.
Treiberfrage
Inzwischen setzt glücklicherweise die X-Server-Erweiterung RandR ("X Resize and Rotate", [1]) so gut wie allen Problemen im Zusammenhang mit der Konfiguration des Monitors ein Ende. Die Fähigkeiten von RandR reichen vom simplen Ändern der Auflösung ("resize") über Rotierungsmöglichkeiten ("rotate", auch im Zusammenhang mit der Pivot-Funktion einiger Monitore oder Tablet-PCs) bis hin zum Betrieb mehrerer Bildschirme an einem PC – entweder im Klon-Modus oder als Erweiterung des Desktops.
Damit RandR funktioniert, benötigt es die Unterstützung des Grafikkartentreibers. Allerdings weigern sich die Hersteller der verbreitetsten Closed-Source-Treiber, Nvidia und AMD/ATI, RandR zu unterstützen. Sie bieten lieber eigene, zu RandR inkompatible Lösungen an. Doch die freien X.org-Treiber intel, radeon (für ATI-Boards) und nv (für Nvidia-Grafikkarten) eignen sich mittlerweile durchaus für den Produktiveinsatz. Möchten Sie wegen der besseren 3D-Leistung nicht auf die proprietären Treiber verzichten, bietet es sich an, einfach beide Treiber-Varianten zu installieren und je nach Verwendungszweck zwischen ihnen zu wechseln.
Alles im Griff
Um RandR zu steuern, stehen verschiedene Frontends zur Auswahl. Das einfachste, das alle Features von RandR unterstützt, ist das Kommandozeilenprogramm xrandr[2]. Die meisten Distributionen installieren XRandR bereits als Teil des Standardumfangs. Wo das nicht der Fall ist, liegt das Tool auf jeden Fall im Repository und lässt sich über die Paketverwaltung nachziehen. Nach der Installation können Sie XRandR sofort benutzen. Mittels
$ xrandr --query
lassen Sie sich den aktuellen Ausgabestatus ihrer Grafikkarte anzeigen. So erhalten Sie unter anderem die Information, welche Ausgabe-Ports zum Einsatz kommen (DVI, VGA, HDMI oder LVDS) und welche Auflösungen das jeweilige Ausgabegerät unterstützt. In der Auflistung markiert XRandR die zurzeit benutzte Auflösung und Bildwiederholrate mit einem Sternchen, die native Auflösung erkennen Sie an einem Pluszeichen (Abbildung 1).
Um ein Gefühl für XRandR zu bekommen, beginnen Sie am besten damit, die Auflösung des Monitors kurzzeitig zu ändern. Geben Sie dazu
$ xrandr --output LVDS --mode 800x600
ein, wobei Sie LVDS durch den von xrandr --query als verbunden (connected) angezeigten Port ersetzen und 800x600 durch eine der als verfügbar aufgelisteten Auflösungen.
Für den Schritt zurück zu Ihrer alten Auflösung gibt es zwei Wege: Entweder wiederholen Sie den Aufruf und ersetzen 800x600 durch die vorherige Auflösung, oder Sie benutzen den Befehl
xrandr --output LVDS --auto
Er setzt den Monitor in seine native Auflösung und Bildwiederholrate zurück. Apropos Bildwiederholrate: Diese setzen Sie mit dem Kommando
$ xrandr --output LVDS --rate 60
setzen, wobei auch hier 60 durch eine tatsächlich von XRandR als verträglich angezeigte Wiederholrate ersetzen.



