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Boot i(hn)!

Distros auf USB-Sticks installieren

15.06.2009 Mit Unetbootin spielen Sie einfach und bequem fast jede Distribution bootfähig auf einen USB-Stick.

Vampirjäger Van Helsing hatte für Notfälle stets etwas Weihwasser dabei, der Daystalker Blade verlässt sich auf Silberpflöcke. Der versierte Linux-Anwender zückt stattdessen ein Linux auf dem USB-Stick, um virenverseuchte Windows-Rechner zu exorzieren. Dank Unetbootin lässt sich ein solcher elektronischer Nothelfer in kurzer Zeit einrichten: Der Installer sorgt dafür, dass zahlreiche Linux-Distributionen schnell und sicher ihren Weg auf einen leeren USB-Stick finden. Von diesem booten Sie dann auf den Rechnern von Freunden und Bekannten.

Live-Versionen rollt die Software ebenso aus wie Installations- und Netboot-Varianten. Genügen Ihnen die von Unetbootin angebotenen Distributionen nicht, füttern Sie das Tool mit der ISO-Datei Ihrer Lieblingsdistribution. Umständliche Sonderwege, wie sie etwa Pendrivelinux [1] für Distributionen beschreitet, gehören damit der Vergangenheit an.

Um Unetbootin zu installieren, kopieren Sie die Datei unetbootin-linux-323 von der Heft-DVD oder der Webseite [2] in Ihr Home-Verzeichnis und machen sie ausführbar:

$ chmod u+x unetbootin-linux-323

Den weiteren Verlauf der Installation zeigen wir exemplarisch für Opensuse 11.1 und Ubuntu 9.04 im Kasten "Unetbootin installieren". Da es sich um eine generische Installationsdatei handelt, sollte der Weg auch für andere Distributionen funktionieren.

Unetbootin installieren

In Opensuse 11.1 erlangen Sie zunächst über su root Administrationsrechte und führen die Datei dann über ./unetbootin-linux-323 aus. Der Vollständigkeit halber spielen Sie vorher noch über YaST das Paket p7zip ein – die Software startet aber auch ohne diese Abhängigkeit.

Unter Ubuntu 9.04 geben Sie nach dem Start von Unetbootin über ./unetbootin-linux-323 als einfacher User das Administrationspasswort ein, um die Software zum Laufen zu bringen. Über Synaptic installieren Sie zusätzlich das Paket p7zip-full, nach dem die Software verlangt (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Bei der Installation beschwert sich Unetbootin zwar über eine fehlende Software, startet aber ohne Probleme. Sie benötigt dazu aber Administrationsrechte.

USB-Stick vorbereiten

Bevor Sie voll in Unetbootin einsteigen, sollten Sie Ihren USB-Stick auf die Installation vorbereiten, indem Sie alle Daten löschen und den Stick neu formatieren. Das klappt über die Kommandozeile und mit Root-Rechten. Unter Opensuse führen Sie su root aus, um diese zu erlangen, unter Ubuntu setzen Sie ein sudo vor die jeweiligen Befehle.

Sie hängen den Stick zunächst über sudo umount /dev/sdb1 aus, wobei Sie das hier im Beispiel verwendete /dev/sdb1 durch den Mountpoint ersetzen, den Ihre Distribution der Hardware zuweist. Den finden Sie heraus, indem Sie ein Terminal öffnen und kurz vor dem Anstöpseln des Sticks tail -f /var/log/messages eingeben. Die Zeile sdb: sdb1 verrät, dass Ihr System dem Stick die Gerätedatei /dev/sdb zuweist und dieser eine Partition (/dev/sdb1) enthält.

Nun geben Sie mit Root-Rechten fdisk /dev/sdb ein, um das Partitionierungs-Tool Fdisk zu starten, das Sie mit der Tastatur bedienen. Über [P] finden Sie heraus, wie viele Partitionen der Stick beherbergt. Die löschen Sie über [D] und die Angabe der Partitionsnummern. Verwendet der Stick nur eine Partition, geben Sie keine Nummer an. Nach dem Löschen legen Sie über [N] eine neue Partition an und spezifizieren diese als primär ([P]). Sie wählen [-1], um die erste Partition zu verwenden, und drücken dann zweimal [Eingabe], um alle Sektoren des Sticks zu nutzen. Über [A] und [-1] aktivieren Sie die angelegte Partition per Bootflag und lassen Fdisk über [W] (für "write") das Werk vollenden. Erst jetzt schreibt die Software sämtliche Änderungen auf den Stick, vorher brechen Sie den Vorgang jederzeit problemlos ab.

Im nächsten Schritt formatieren Sie die jungfräuliche – und noch immer ausgehängte – Partition mit dem Ext-3-Dateisystem. Dazu geben Sie mit Root-Rechten den Befehl mkfs.ext3 -b 4096 /dev/sdb1 ein, wobei Sie sdb wieder durch die Gerätedatei mit Ihrem USB-Stick ersetzen. Linux versorgt den Speicher nun mit einem frischen Dateisystem, was mitunter einige Minuten dauert. Es schreibt dabei Blöcke in der Größe von 4 KByte (durch die Option -b 4096), was den Vorgang beschleunigt. Wollen Sie Windows-Dateien auf dem Stick speichern, verwenden Sie den Befehl mkfs.vfat -F 32 /dev/sdb1, um eine FAT32-Partition anzulegen. Der Nachteil: FAT32 kann keine Dateien verwenden, die größer als 4 GByte sind.

Nach Abschluss der Formatierung ziehen Sie den Stick ab, stecken ihn dann wieder in den USB-Port und sorgen dafür, dass das System ihn mountet. Im Dateimanager sollte nun ein Ordner namens Lost+Found auftauchen – sonst nichts.

Unetbootin in Aktion

Mit Ihrem leeren, eingehängten Stick in den Startlöchern rufen Sie nun Unetbootin auf. Neben dem Aufklappmenü Distribution wählen Sie die Variante Ihres Herzens aus, rechts die passende Versionsnummer (Abbildung 2). Ein kleiner Text darunter erklärt, was es mit der gerade gewählten Distribution auf sich hat. Ganz unten wählen Sie als Typ den Eintrag USB-Laufwerk, aus dem Dropdown-Menü rechts daneben die gerade angelegte Partition sdb1. Setzen Sie ein Kreuzchen bei Zeige alle Laufwerke, listet Unetbootin auch andere Laufwerke auf – etwa, falls Sie nicht sicher sind, ob es sich tatsächlich um den USB-Stick handelt. Über OK lassen Sie das Unetboot vom Stapel und schauen, ob es schwimmt (Abbildung 3).

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Konfiguration von Unetbootin verläuft dank einer aufgeräumten Oberfläche recht intuitiv: Oben kommt die Distribution rein, unten der fertige USB-Stick raus.

Abbildung 3

Abbildung 3: Wählen Sie eine von der Software angebotene Distribution, zieht Unetbootin diese von einem FTP-Server und installiert sie auf dem Speicherstick.

Im Erfolgsfall lädt die Software ein ISO von einem ihr bekannten FTP-Server herunter, entpackt es, spielt es auf den Stick und generiert eine passende Konfigurationsdatei für den Bootloader Syslinux. Unetbootin beendet dann die Transaktion mit einer Meldung sowie den Schaltern Jetzt neustarten und Beenden (Abbildung 4). Klappe zu, Affe tot: Zum Finale testen Sie, ob das Image auch ordnungsgemäß vom Stick bootet.

Abbildung 4

Abbildung 4: Nach drei Arbeitsschritten schließt Unetbootin den Prozess ab und bietet einen Neustart des Rechners oder das Beenden des Programms an.

Schnell und manuell

Besonders der Download der Dateien dauert mitunter eine gewisse Zeit. Die verkürzen Sie, indem Sie das ISO manuell übergeben. Laden Sie es zum Beispiel fix über Bittorrent herunter und geben Sie in der grafischen Oberfläche von Unetbootin als Image den Pfad zur ISO-Datei an. Sogar die Versionen des Kernels und der Initrd-Datei bestimmen Sie auf Wunsch selbst. Das ergibt Sinn, wenn Sie einen vom Standard abweichenden Kernel benutzen, der ein bestimmtes Feature mitbringt oder besser mit Ihrer Hardware kooperiert.

Als hilfreich erweist es sich oft auch, den Bootprozess um einige zusätzliche Optionen anzureichern, damit Linux mit der Hardware zurecht kommt. Zu den beliebten Kernel-Parametern bei Hardware-Problemen gehören etwa ide=nodma (bei problematischen IDE-Festplatten) sowie acpi=off (um Ärger mit einer nicht funktionierenden oder fehlenden Energieverwaltung zu vermeiden).

Fazit

Alles in allem macht Unetbootin nicht nur einen komfortablen, sondern auch recht ausgereiften Eindruck. Allerdings ist es noch nicht perfekt: Es kommt vor, dass sich einzelne Distributionen nicht installieren lassen. Im Test betraf das etwa Slitaz – Puppy Linux, Elive und eine selbst heruntergeladene KDE-Four-Live-Version, die auf Opensuse basiert, liefen hingegen anstandslos. Notfalls laden Sie das Image der gescheiterten Installation einfach händisch von der Webseite herunter und probieren den manuellen Weg.

Infos

[1] Pendrivelinux: http://www.pendrivelinux.com

[2] Unetbootin: http://unetbootin.sf.net/

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Kommentare
Hinweis für bootfähige USB-Sticks
DieterD (unangemeldet), Samstag, 24. Juli 2010 17:35:01
Ein/Ausklappen

Leider ist oftmals die Bootfähigkeit der USB-Sticks nicht angeben.
Unter den USB-Sticks, die USB 1.0, 1.1 und 2.0 zugleich unterstützen (ab Win 98SE oder auch Mac OS/Linux angeben), befinden sich die meisten bootfähigen USB-Sticks.





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