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iTunes-Alternative Floola

iPod mal anders

Apple weigert sich immer noch standhaft, eine Linux-Version von iTunes zu veröffentlichen. Macht aber nichts: Inzwischen gibt es Floola, das den Funktionsumfang von iTunes teilweise sogar noch übertrifft.

Zu seiner einzigen Linux-Software, dem High-End Compositing-Programm Shake, kam Apple wie die Jungfrau zum Kind: Bei der Übernahme der Herstellerfirma existierte die Linux-Version bereits. Von auch für Windows verfügbarer Consumer-Software wie Quicktime, iTunes und Safari fehlt allerdings weiterhin unter Linux jede Spur. Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Ironie, tut hier doch der Nischen-Hersteller Apple so, als wären andere Nischen-Betriebssysteme gar nicht vorhanden – um sich dennoch am reichhaltigen Linux-Open-Source-Anwendungsfundus als Basis für die eigene Software zu bedienen.

Nun setzen iPods spezielle Software voraus, um die auf dem populären Mediaplayer enthaltene iTunesDB-Datei verarbeiten zu können, denn ohne diese finden sich im versteckten Medienverzeichnis nur kryptisch benannte Dateien in einer wild verzweigten Ordnerstruktur. Aber hier gilt wie überall: Wo eine Nachfrage besteht, kommt Abhilfe von Drittherstellern. Die iTunes-Lücke füllt beispielsweise das sehr vielseitige Floola [1], das sich löblicherweise völlig ohne Installation direkt vom iPod (beziehungsweise iTunes-kompatiblen Motorola-Handys) starten lässt.

Das leider nicht im Quelltext verfügbare, aber trotzdem für Windows, Mac OS X und Linux erhältliche Programm hat der Entwickler in Realbasic programmiert. Es arbeitet daher insbesondere beim Skalieren von Fenstern etwa zäh, ansonsten lässt es sich so flott bedienen wie ein natives Programm. Wenn auch nicht Open Source, so ist das Programm zumindest kostenlos – bei Gefallen bittet der Autor um eine freiwillige Spende.

Da das Programm nicht wie iTunes von Apple selbst stammt, unterliegt es auch nicht der Apple-Agenda und muss auch keine Rücksicht auf Verträge nehmen, die Apple mit der Musikindustrie geschlossen hat. So können Sie mit Floola problemlos auf dem iPod gespeicherte Mediendateien wieder auf den jeweiligen Rechner zurück kopieren. Hierbei gilt zu beachten: Floola unterstützt nicht das Entfernen des Abspielschutzes von DRM-Dateien, die Sie im iTunes Musicstore gekauft haben. Beim Versuch des Abspielens eines gekauften Audiobooks brachten wir das Programm gar zum Einfrieren.

Nicht unter Apples Ägide zu stehen, bietet noch weitere Vorteile: So kann Floola auch auf das bei vielen Usern nicht sehr beliebte Quicktime verzichten – Ein weiterer großer Pluspunkt, insbesondere für Linux-Anwender.

Installation

Floola benötigt zwingend Libstdc++ in Version 5, das sie als libstdc++5 in den Repositories finden. Für den Output nutzt es entweder Gstreamer oder Libxine – zumindest eines von beiden sollte also installiert sein und laufen. Unter 64-Bit-Linux fallen die Anforderungen etwas umfangreicher aus: Ia32libs, Lib32gcc1, Libc6i386, Lib32asond2 und Lib32stdc++6 bilden hier die Voraussetzung.

Optional ist Ffmpeg, das Floola zum Konvertieren von Audio- und Videodateien nutzt. Fehlt auf dem Rechner ein funktionierendes Ffmpeg, stehen diese Funktionen nicht zur Verfügung. Das verwendete Ffmpeg muss die Codecs beherrschen, in deren Format die Umwandelung erfolgt, das heißt MP3 (mittels Lame), AAC (via Faac) und für Video H.264 (über x264). Die Standard-Ffmpeg-Pakete aus den voreingestellten Repositories unterstützen diese Formate aufgrund patentrechtlicher Einschränkungen nicht; kompilieren sie Ffmpeg also entsprechend konfiguriert selbst oder installieren Sie es beispielsweise unter Ubuntu wie unter [2] beschrieben. Übrigens informiert Floola Sie bei Konvertierungsversuchen nicht, dass Ffmpeg fehlt – ein entsprechender Hinweis erscheint nur dann, wenn Sie in den Einstellungen das Debug-Fenster aktiviert haben. Ansonsten macht Floola keinen Mucks, was den Anwender zu der Vermutung verleiten könnte, dass die Funktion schlicht nicht funktioniere.

Nach dem Übersetzen startet Floola flott entweder direkt vom iPod oder von der Platte – wo das Programm liegt, spielt keine Rolle. Nicht ganz so unerheblich ist, wie Sie den iPod einhängen: Er sollte in den Standard-Mountverzeichnissen wie /mnt oder /media auftauchen, andernfalls findet Floola ihn nicht. Eine Ausweichstrategie, die beispielsweise auch über lsusb nach dem iPod sucht, wäre sinnvoller gewesen.

In Sachen Benutzerschnittstelle (Abbildung 1) geht Floola eigene Wege und orientiert sich nicht an iTunes. In den Spalten oben wählen Sie aus, was Floola unten auflisten soll. Zur Auswahl stehen hierbei Genre, Künstler, Album und Playlisten. Ganz oben befinden sich die grundlegenden Bedienelemente zur Medienwiedergabe, am unteren Rand finden sich eine Informationsanzeige und ein Suchfeld. Allerdings sucht Floola immer global über die gesamte Library und nicht etwa nur innerhalb eines Genres oder einer Playliste, Sie können Ihre Suche also nicht eingrenzen.

Abbildung 1: Das Floola-Hauptfenster sieht komplett anders aus als das von iTunes.

Floola öffnet für alle weiteren Funktionen entsprechende eigene Fenster, so zum Beispiel zum Hinzufügen/Konvertieren von Mediendateien, Verwaltung von Fotos, Notizen, Podcasts oder Terminen sowie zum Finden von doppelten Songs. Als dritten Fenstertyp gibt es bei Floola schwebende rahmenlose Textfenster, die beispielsweise bei Beginn eines neuen Stücks kurzzeitig erscheinen oder die Songtexte anzeigen.

Kleinere Schwächen

Wir fanden im Test zahlreiche Fehler. Viele waren trivial zu beheben, was der Autor auch prompt erledigte, als wir ihm unsere Fehlerberichte schickten. Ein paar fielen schwerwiegender aus: So hatten wir auch mit der extra für uns erstellten Vorab-Betaversion 5.1 unter Ubuntu 8.10 noch einige Probleme, beispielsweise mit Album-Art, Songtexten und Instabilitäten, die das Amazon-Popupfenster zu verursachen scheint.

Obwohl es sich bei der Unterstützung von Album-Art und Songtexten um interessante Features handelt, raten wir von deren Benutzung momentan noch ab: Im Test ergaben sich hier zahlreiche Probleme. Floola weigerte sich zum einen, manche Songtexte anzuzeigen. Zum anderen brachte das Hinzufügen eines Textes in Floola unseren iPod Nano aus dem Tritt: Er blendete die die Texte nicht mehr korrekt ein, sodass mehrere Songs denselben Text zu haben schienen. Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Umgang mit Cover-Art: Floola erwies sich generell als unfähig, mit Cover-Art umzugehen, die größer ausfällt als die Thumbnail-Previews für die Auflösung der jeweiligen iPod-Modelle.

Da Apple seit einiger Zeit dazu übergegangen ist, die Cover-Art als separate Datei vorzuhalten, statt diese in die Audiodatei selbst einzubetten, erschiene das Floola-Feature save Artwork sehr attraktiv, das die Bilddateien mit den Audiodateien verheiratet. Darüber könnten Sie sicherstellen, dass Cover-Art und Audiodatei immer zusammenbleiben. Floola ersetzte jedoch, als wir das Feature testeten, all unsere hochaufgelösten Bilder durch winzige Thumbnails in iPod-Nano-Auflösung (176x132). Obwohl der Autor hier nachgebessert hat, war es uns auch in der Beta-Version nicht möglich, ein schon vorhandenes Coverart-Bild zu ersetzen. Floola quittierte den Versuch mit einer artwork delete exception.

Mehr als ein Bild pro Datei unterstützt das Programm generell nicht. Allerdings ließen sich Cover-Rückseiten oder Booklet-Scans bei der winzigen Thumbnail-Auflösung von Floola ohnehin nicht lesen. Obendrein löscht iTunes ohne Rückfrage alle von Floola hinzugefügten Album-Art-Thumbnails, weshalb Sie bei paralleler Nutzung von iTunes und Floola Songtexte und Album-Art besser unter iTunes verwalten. Dann tauchen sie allerdings meist unter Floola nicht auf.

Problemlos zu funktionieren scheint die Suche nach Duplikaten. Hier gilt zu beachten, dass Floola alle aktiven Suchkriterien nach dem Und-Prinzip verknüpft und daher nur Dateien anzeigt, bei denen alle gewählten Kriterien identisch sind. Titel und Länge sollten für die meisten Zwecke ausreichen.

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