Wer einen Webserver betreibt, der steckt meist in dem Dilemma, dass er mehrere teils systemkritische Dienste auf einer Plattform laufen lassen muss. Benötigt beispielsweise der Webserver außerplanmäßig viele Ressourcen, weil die Seite plötzlich starken Zulauf erfährt, zieht das die anderen Dienste in Mitleidenschaft. Darüber hinaus spielt der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle: Gelingt es einem Angreifer, einen Dienst zu korrumpieren, erlangt er oft auch Zugriff auf die anderen.
Abhilfe schaffen hier so genannte Virtual Hosts. Sie ermöglichen es, auf einer realen Maschine mehrere Systeme gleichzeitig und unabhängig voneinander zu betreiben. Strato [1] bietet mit seiner neuen Produktreihe "Multiserver" seit April eine Hardware-Appliance an, auf der Sie über eine Weboberfläche mit wenigen Klicks bis zu 25 solcher Maschinen anlegen und maximal 8 gleichzeitig starten.
Ausstattung
Strato bietet seine Multiserver in acht verschiedenen Geschmacksrichtungen an: Vier mit maximal 4 gleichzeitig gestarteten Hosts und vier mit bis zu 8 parallel laufenden Instanzen. Die Angebote unterscheiden sich in der verwendeten CPU sowie dem Haupt- und Festplattenspeicher. Die Preise liegen je nach Ausstattung zwischen 117 und 295,12 Euro. Hinzu kommt eine Einrichtungsgebühr von 58 Euro bei 6 Monaten Laufzeit beziehungsweise 117 Euro bei 12 Monaten Laufzeit.
Die Hardware steht dem Kunden dediziert zur Verfügung. Zum Test stellte uns Strato einen Rechner mit einem AMD Opteron Quad-Core 2347-HE-Prozessor, 16 GByte RAM und einer 700 GByte Festplatte zur Verfügung. Das System erlaubt das Anlegen von 25 virtuellen Maschinen sowie den gleichzeitigen Betrieb von 8 davon. Diese Kombination kostet etwa 260 Euro monatlich. Als Virtualisierungsplattform kommt Xen 3.2 [2] zum Einsatz, das vor allem durch seine hohe Performance glänzt.
Den Traffic limitiert Strato nicht, drosselt jedoch die Bandbreite bei Erreichen von 1000 GByte monatlich automatisch von 100 Mbit/s auf 10 Mbit/s. Nach Angaben der Firma soll das einen Missbrauch des Accounts durch Fremde, etwa Spam-Versender oder File-Sharer, verhindern. Allerdings ermöglicht der Hoster, die Bandbreite im Kundencenter wieder auf 100 Mbit/s zu erhöhen.
Über das eingesetzte Betriebssystem gibt Strato ohne Angabe von Gründen keine Auskunft. Auch über die Nutzungsbeschränkungen äußert sich der Anbieter nur vage. So steht in der AGB [3] im Abschnitt III, Absatz 3: "Eine unentgeltliche Nutzungsüberlassung (ganz oder teilweise) an anonyme Dritte ist in jedem Fall untersagt." Das schließt den Betrieb als offenen Game- oder Proxy-Server aus, erlaubt dies jedoch mit einer vorgeschalteten Login-Abfrage.
Einrichten
Die webbasierte Benutzeroberfläche (Abbildung 1) wirkt schlicht und übersichtlich aufgebaut. Zum Anlegen einer virtuellen Maschine genügt es, im Abschnitt Serverkonfiguration | Start auf VM anlegen zu klicken.
Im folgenden Einrichtungsdialog legen Sie nach der Bezeichnung das Betriebssystem fest, das Sie verwenden möchten – Strato bietet in der Grundeinstellung Opensuse 11.0/64. Ein Klick auf Image selbst wählen öffnet ein Zusatzfeld, über das Ihnen auch Debian 4.0/64 zur Verfügung steht.
Im folgenden Fenster wählen Sie aus, wie viel Hauptspeicher Sie der Maschine zuteilen möchten. Theoretisch besteht die Möglichkeit, zwei Maschinen jeweils den kompletten realen Speicher zuzuteilen. Läuft eine davon, verweigert die zweite dann jedoch den Start.
Im nächsten Schritt wählen Sie, wie viele der Prozessorkerne die virtuelle Maschine verwenden darf, und weisen ihr CPU-Zeiten von 1 bis 1000 zu. Wie ein Benchmark belegt, erhöht oder reduziert diese Einstellung die Leistung des Hosts aber nur, wenn mehrere virtuelle Maschinen laufen. Dann bekommt der Host mit dem höchsten Wert entsprechend mehr Zeiten als andere mit niedrigeren Limits. Abschließend stellen Sie die Größe der Festplatte ein. Hier gilt es zu beachten, dass Sie diesen Wert nachträglich nicht mehr ändern können.
Nach Abschluss der Konfiguration richtet ein Klick auf Installation starten das System mit den gewählten Parametern als virtuelle Maschine ein, die Sie danach über den Menüpunkt Serverkonfiguration | VM Übersicht erreichen. Das Setup dauert pro virtueller Maschine etwa eine halbe Stunde.
Als zusätzliches Feature bietet Strato ein FTP-Backup mit der Kapazität der realen Festplatte. Sie aktivieren es unter Serverkonfiguration | FTP-Backupspace. Dieser FTP-Server lässt sich jedoch ausschließlich von den Virtual Hosts aus erreichen. Tests ergaben eine Up- und Downloadrate von exakt 4 MByte/s, was darauf hindeutet, dass Strato den Traffic auf diesen Wert begrenzt. Einen externen Zugriff auf den FTP-Server unterbindet Strato aufgrund von Sicherheitsbedenken. Eine automatische Backuplösung, die selbständig Sicherungskopien anlegt, fehlt völlig.



