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Massenspeicher überwachen mit Gsmartcontrol

Wellness-Center

Mit Gsmartcontrol bleiben Sie auch ohne Ingenieursdiplom jederzeit über den aktuellen Gesundheitszustand der Festplatten in Ihrem Rechners auf dem Laufenden.

Festplatten stellen eine der wichtigsten Komponenten des PCs dar. Als Geräte mit vielen mechanischen Bauteilen weisen sie aber im Vergleich zu rein elektronischen Komponenten eine erhöhte Störanfälligkeit auf. So zeigen sie sich beispielsweise sehr empfindlich gegenüber Erschütterungen, und auch die Hitze der schnell drehenden Festplatten kann in ungenügend belüfteten Gehäusen zu Schäden führen.

Um sich besser gegen mechanisch-physikalisch bedingten Verschleiß, Alterungserscheinungen und daraus resultierende Datenverluste zu wappnen, begannen in den 90er Jahren alle Festplattenhersteller, die von IBM entwickelte "Self-Monitoring, Analysis, and Reporting Technology" oder kurz SMART in die Firmware ihrer Speichermedien zu implementieren. Diese standardisierte Methode überwacht und protokolliert die Leistungsdaten der Plattenlaufwerke. Zusätzlich integriert sie verschiedene Testroutinen, die Schwachpunkte des betreffenden Laufwerkes aufdecken. Mithilfe der gewonnenen Daten lässt sich ein drohender Ausfall absehen und meist ein Datenverlust verhindern.

Unter Linux dienen die Smartmontools [1] dazu, die in der Firmware moderner SMART-Festplatten gespeicherten Daten auszulesen und notwendige Tests vorzunehmen. Nahezu jede Distribution bringt sie ihren Repositories bereits mit. Da das Paket aus zwei Programmen – der Kontrollsoftware smartctl und dem Daemon smartd – besteht, steht auch einer vollautomatischen Überwachung der Festplatten nichts im Weg: Dazu wird der Daemon beim Systemstart in den entsprechenden Runleveln aktiviert.

Doch die Smartmontools weisen einen gravierenden Nachteil auf: Als reine Kommandozeilenprogramme mit aufwendiger Syntax und einer Vielzahl von Parametern und Funktionen sind recht kompliziert zu bedienen. Zudem fällt die Ausgabe der Plattenparameter und SMART-Werte etwas unübersichtlich aus.

Vereinfachung

Diesen Schwachstellen hilft der Einsatz des kleinen Pakets Gsmartcontrol [2] ab, das die Ausgabe von Smartctl grafisch aufbereitet in einer ansprechenden GUI präsentiert. Aus der grafischen Oberfläche starten Sie auch ohne umständliche Parametereingabe im Terminal Festplattentests.

Zwar führen zahlreiche Distributionen Gsmartcontrol bereits in ihren Repositories; da die Software jedoch einer laufenden Weiterentwicklung unterliegt und zudem systemnah arbeitet, empfiehlt sich der Einsatz der jeweils aktuellsten Version. Entsprechende Binärpakete finden Sie für erfreulich viele Distributionen auf der Website des Programms. Alternativ laden Sie von dort den Quellcode des Programms herunter.

TIPP

Gsmartcontrol übersetzen Sie mit dem üblichen Dreisatz aus den Quellen. An Abhängigkeiten benötigt es die Smartmontools, GTK+ und Gtkmm in Version 2.12 sowie Pcre (Perl Compatible Regular Expressions). Die genauen Paketnamen für verschiedene Distributionen finden Sie auf der GDownload-Website [3].

Auf unserem Ubuntu-Testsystem installierten wir das DEB-Paket mittels Gdebi. Anschließend fand sich unter Gnome im Menü Anwendungen | Systemwerkzeuge der neue Eintrag GsmartControl. Ein Klick darauf startet das Tool, das sich sofort mit einem wenig spektakulären Fenster meldet. In dessen unterer Hälfte zeigt es die im Rechner eingebauten Massenspeicher an. Hier wählen Sie per Mausklick die zu prüfende Festplatte aus.

Um die SMART-Informationen zu diesem Laufwerk einzusehen, nutzen Sie den Menüeintrag Device | View details oder die Tastenkombination [Strg]+[V]. Nun öffnet die Software ein weiteres Fenster mit einer horizontal angeordneten Registerstruktur. Im zunächst geöffneten Reiter Identity sehen Sie die grundlegenden Firmware-Daten der Festplatte sowie einige Informationen zum Programm Smartctl (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gsmartcontrol stellt die Festplattenparameter übersichtlich dar.

Über den zweiten Reiter Attributes tauchen Sie in die Tiefen des Plattenzustands ab: Er gibt in in übersichtlicher tabellarischer Form alle wichtigen und von der Festplatten-Firmware unterstützten SMART-Werte aus. Die zunächst wenig aussagekräftigen Werte und Bezeichnungen gewinnen sofort an Bedeutung, sobald Sie mit dem Mauszeiger über die Begriffe fahren. In jeder Zeile blendet die Software dann kontextsensitiv eine ausführliche Erklärung ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Hier entgeht Ihnen nichts: Die SMART-Daten einer Western-Digital-Festplatte.

Neben der Anzeige der SMART-Parameter und Leistungswerte bietet Gsmartcontrol über den Reiter Perform Tests die Möglichkeit, per Mausklick verschiedene Prüfroutinen abzuarbeiten. Die nicht destruktiven Tests lassen sich im laufenden Betrieb vornehmen, ohne dass der Datenträger dazu ausgehängt werden muss.

Im Optionsfeld Test type wählen Sie, ob ein Schnelltest Ihren Ansprüchen genügt oder Gsmartcontrol eine detailliertere Überprüfung der Platte vornehmen soll. Rechts daneben teil das Programm Ihnen mit, welchen Zeitbedarf es für den ausgewählten Test veranschlagt. Das kann von wenigen Minuten für die Schnelltests bis hin zu mehreren Stunden für die eingehende Prüfung mehrerer hundert MByte großer Festplatten variieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Gsmartcontrol untersucht auf Wunsch die Festplatte auf Herz und Nieren.

Die während der Testdurchläufe entstandenen Logdateien sehen Sie unter dem Reiter Self-test Logs ein. In Kombination mit den im Register Error Log gespeicherten Fehlerdaten ziehen Sie so schnell zuverlässige Rückschlüsse auf den Gesamtzustand der Festplatte.

Tauchen trotz der übersichtlichen Darstellung der gewonnenen Daten Unklarheiten auf, prüfen Sie direkt die aus dem Aufruf des Kommandozeilenbefehls smartctl generierten Protokolle. Dazu brauchen Sie nicht in ein Terminal zu wechseln, sondern klicken lediglich im unteren Bereich des Programmfensters auf View Output.

Nach Anwahl des rechts daneben befindlichen Schalters Speichern unter legt Gsmartcontrol zudem die gesamte Tabelle als unformatierten ASCII-Text ab, der sich später mit weiteren Testprotokollen vergleichen lässt. So überwachen Sie beispielsweise Leistungsschwankungen eines Massenspeichers über einen längeren Zeitraum hinweg durch periodisch angelegte Protokolle.

Fazit

Mit dem Duo Smartmontools und Gsmartcontrol bleiben Sie über den aktuellen Leistungszustand Ihrer Festplatte bequem und nachhaltig auf dem Laufenden. Dabei ermöglicht das intuitive Bedienkonzept von Gsmartcontrol auch solchen Anwendern, die sich nicht in die Tiefen der SMART-Spezifikation einarbeiten möchten, alle wesentlichen Informationen über die im System verbauten Festplatten abzurufen. Somit lässt sich ein drohender Datenverlust rechtzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen treffen. Lediglich Anwender, die mobile Datenträger prüfen möchten, bleiben außen vor: Externe Festplatten, die via USB- oder Firewire-Schnittstelle am Rechner hängen, lassen sich mit Smartctl/Gsmartcontrol nicht überwachen.

Infos

[1] Smartmontools: Kristian Kißling, "Bitte freimachen", LinuxUser 10/2008, S. 62, http://www.linux-community.de/artikel/15918/

[2] Gsmartcontrol-Homepage: http://gsmartcontrol.berlios.de

[3] Gsmartcontrol herunterladen: http://gsmartcontrol.berlios.de/home/index.php/en/Downloads

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