slax-desktop.png

Exportschlager

Tux International (10): Slax 6.1.0 aus Tschechien

20.05.2009
Die Zuverlässigkeit von Skoda, die Schönheit von Eva Herzigova und den leckeren Duft von Karlsbader Oblaten: Das alles vereint die Slackware-Live-Distro Slax aus Tschechien.

Obwohl die Live-CD von Slax [1] keine 200 MByte umfasst, bringt sie einen kompletten KDE-Desktop in Version 3.5.10 mit. Als Browser kommt Konqueror zum Einsatz, KOffice ersetzt OpenOffice als Büro-Suite. Slax basiert auf dem Linux-Urgestein Slackware und wird vom Tschechen Thomas Matejicek entwickelt. Die Distribution lässt sich als Live-CD oder vom USB-Stick nutzen. Während die Live-CD nur zum Ausprobieren gedacht ist und keine Installation erlaubt, arbeitet die USB-Version persistent und speichert sämtliche Änderungen auf dem USB-Stick.

Steckbrief Slax

Name Slax
Aktuelle Version/Codename 6.1.1/--
Land Tschechien
Basiert auf Slackware
Medien Live-CD/USB
Paketmanager LZMA-komprimierte Archive
Primärer Desktop KDE 3
Alternative Desktops XFCE, LXDE
Kernel 2.6.27.8
Entwicklerteam 1
Release-Zyklus unbestimmt
Stärken Modularer Aufbau, in viele Sprachen übersetzt
Schwächen Kein echtes Paketmanagement

Installation auf USB

Möchten Sie Slax von einem USB-Speicher aus nutzen, dann entpacken Sie die Datei slax-6.1.1_usb.tar aus dem Verzeichnis LinuxUser/slax/ und kopieren die beiden Verzeichnisse boot und slax auf das USB-Medium. Anschließend wechseln Sie ins Verzeichnis boot auf dem USB-Stick (in der Regel /media/disk1/boot) und führen hier mit Admin-Rechten das Skript bootinst.sh aus. Es richtet die Partition als Bootmedium ein und installiert den Bootloader LILO auf dem USB-Medium. Der komplette Vorgang dauert nur ein paar Minuten.

Die Boot-Varianten

Nach dem Start zeigt Slax ein hübsches Menü mit einem vierblättrigen Kleeblatt an (Abbildung 1). Der erste Menüpunkt startet ganz normal den KDE-Desktop. Der zweite Eintrag ist für USB-Medien gedacht: Im Unterschied zur Live-CD speichert hier Slax den Zustand der Distribution. Möchten Sie die USB-Variante ohne Änderungen starten, um zum Beispiel eine fehlerhafte Konfiguration zu umgehen, wählen Sie Slax Always Fresh aus.

Abbildung 1: Bereits beim Bootbildschirm weicht Slax von den Mainstream-Distros ab.

Über Slax copy to RAM lädt der Bootloader die komplette Distribution in den Hauptspeicher, wodurch sich wesentlich flotter arbeiten lässt. Dazu muss der Rechner über mindestens 512 MByte RAM verfügen, da Slax rund 330 MByte im Hauptspeicher belegt. Der vierte Menüeintrag startet den KDE-Desktop mit einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten, ohne spezifische Einstellungen für eine bestimmte Grafikkarte vorzunehmen. Möchten Sie Slax ohne grafischen Desktop ausprobieren, wählen Sie Slax Text mode.

Ein besonderes Schmankerl stellt der PXE-Eintrag dar: Damit starten Sie Slax als PXE-Server, sodass sich im internen Netz beliebig viele Slax-Rechner über das Netzwerk-Interface booten lassen. Ein Memtest-Eintrag rundet die Auswahl des sehr guten Bootmenüs ab.

Live-CD

Die Live-CD bietet eine solide Auswahl an KDE-Anwendungen. Das einzige Nicht-KDE-Programm im Menü System ist der "Paketmanager" von Slax, der Slax Module Manager. Strenggenommen handelt es sich dabei nicht wirklich um einen Paketmanager, da er weder die CD noch Repositories aus dem Internet als Quelle einbindet. Vielmehr richten Sie hier über Add a new module fertig kompilierte Module ein. Bei den LZM-Paketen handelt es sich eigentlich um die von Slackware her bekannten TGZ-Pakete, allerdings mit LZMA-Komprimierung und in einen Squashfs-Container verpackt. Für die Konvertierung von Slackware-Paketen bringt Slax das Kommandozeilentool tgz2lzm mit.

Um ein neues Programm zu installieren, laden Sie zunächst das gewünschte Modul von der Slax-Homepage herunter und richten es dann über den Modul-Manager ein. Da dieser Weg relativ umständlich ist, lässt sich die Installation auch direkt aus dem Browser aus vornehmen. Dazu wählen Sie im Modul-Repository [2] die gewünschte Software aus und entscheiden sich dann anstelle des Downloads für activate (Abbildung 2). Ein kleines Popup in der oberen linken Fensterecke informiert Sie über den Status der Installation.

Abbildung 2: Die Modulsammlung von Slax enthält auch zahlreiche Multimedia-Programme.

In den Tests kam es dabei mit Smplayer und einigen weiteren Programmen zu Abhängigkeitsproblemen, der größte Teil der Module funktionierte hingegen einwandfrei. Das Paketmanagement von Slax stellt eine seiner größten Stärken, aber zugleich auch den größten Schwachpunkt der Slackware-Distribution dar: Die Suche über das Webfrontend erfordert viel Geduld, ein Kommandozeilentool gibt es nicht.

Slax nimmt bei der Live-CD keine wirkliche Installation vor, sondern hängt die Module über das Fuse-Dateisystem Httpfs [3] im aktuellen Dateibaum unter /mnt/live/memory ein. Wie bei jeder Live-CD steigt hier der RAM-Verbrauch mit jeder zusätzlichen Anwendung stark an. Achten Sie deshalb beim Testen von Programmen darauf, dass Ihr Rechner über genügend Hauptspeicher verfügt. Die USB-Version speichert die Module hingegen permanent.

Slax bauen

Genügen Ihnen die Features der Live-CD nicht, dann stellen Sie mit wenigen Mausklicks im Buildservice [4] ein eigenes Slax zusammen. Zur Auswahl stehen mehrere hundert Module, die der Buildservice in empfohlene, geprüfte, Sandbox- und Slackware-Module unterteilt. Um ein Programm hinzuzufügen, markieren Sie den gewünschten Eintrag per Mausklick auf add to build und wählt anschließend ganz unten auf der Seite, ob Sie das ISO-Abbild oder die USB-Version herunterladen möchten. Je nach ausgewählten Modulen löst der Service die Abhängigkeiten automatisch auf. In den meisten Fällen müssen Sie jedoch manuell eingreifen, was die Arbeit etwas erschwert. Alle Abhängigkeiten mit einem einzigen Klick hinzuzufügen, steht auf der Todo-Liste des Slax-Entwicklers (Abbildung 3).

Abbildung 3: Wer seine eigene Slax-Version bauen möchte, muss eventuell einige Abhängigkeiten von Hand lösen.

Fazit

Slax ist eine sehr schlanke Distribution und bringt dennoch einen kompletten KDE-Desktop mit. Die Distribution verfügt über eine gute Hardware-Erkennung, auf der Homepage stehen zudem rund 100 zusätzliche Hardware-Module bereit, darunter auch proprietäre Treiber. Für die tägliche Arbeit eignet sich das Slackware-Derivat weniger. Die einfache und schnelle Installation auf einen USB-Stick macht Slax aber zur idealen Distro für unterwegs.

Glossar

Fuse

Filesystem in Userspace. Erlaubt normalen Benutzern ohne Root-Rechte das Mounten von Dateisystemen. Durch zusätzliche Treiber gewährt es den Zugriff auf praktisch beliebige Dateisysteme.

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.slax.org

[2] Software-Module: http://www.slax.org/modules.php

[3] Httpfs: http://httpfs.sourceforge.net/

[4] Slax-Buildservice: http://www.slax.org/build.php

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare