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Dreamlinux und seine Module

Modularer Traum

Dreamlinux glänzt durch ein vielfach gelobtes Design, hervorragende Multimedia-Fähigkeiten und vor allem durch einen modularen Systemaufbau. Ein Projektmitglied zeigt hier dessen Möglichkeiten auf.

README

Das modular aufgebaute Dreamlinux lässt sich mit Hilfe der integrierten Mkdistro-Tools im Handumdrehen für eigene Zwecke modifizieren und remastern.

Selten hat ein neuer Ansatz in der Linux-Welt derart eingeschlagen wie die Live-CD, die Klaus Knopper erstmals mit seinem Knoppix vorstellte. Allerdings waren die ersten Versionen von Knoppix etwas schwierig zu handhaben: Weder konnte das System nach einer Installation dauerhaft überzeugen, noch war es ohne Klimmzüge möglich, das Live-System dauerhaft zu verändern und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Dies rief wiederum Projekte ins Leben, die sich die Entwicklung einfacher Werkzeuge für das Remastern auf die Fahnen schrieb. Dabei entwickelte sich in den letzten Jahren insbesondere der modulare Ansatz weiter, wie ihn Slax und Morphix verwenden.

Dreamlinux [1] folgte als installierbare Live-Distribution im Kielwasser von Morphix, wurde aber durch die konsequente Weiterentwicklung eigener Werkzeuge, eigener Routinen zur Hardware-Erkennung und einem gelungenen Design mit Version 3 eigenständig genug, um das modulare Konzept komplett mit eigenen Werkzeugen auf die Debian-Basis zurückzuführen. Seitdem setzt Dreamlinux auf Debian "Lenny" auf und verfügt damit über eine solide Basis und alle Vorzüge der stabilen Paketquellen. Hinzu kommen ein von Projektseite modifizierter Kernel mit umfassender Unterstützung für WLAN-Geräte sowie die Mkdistro-Tools zum Erzeugen eigener Varianten der Distribution aus den Modulen.

Module, Module

Verwendet Sie Dreamlinux als auf der Festplatte installiertes System, kratzen Sie sich womöglich erst einmal am Kopf und fragen sich: "Module? Was denn für Module?" Sehen Sie sich die Struktur einer Dreamlinux-Live-CD/DVD an, so finden Sie dort die drei Ordner /boot, /module und /xtras.

Unter /boot lagern die üblichen Einträge des Grub-Bootloaders. Die initrd.gz allerdings enthält bereits deutliche, Dreamlinux-spezifische Modifikationen. Dazu zählt beispielsweise der Aufruf der in Lua und Ruby geschriebenen Routinen zur Hardware-Erkennung sowie zur Anbindung der Module ("Flexiboost" ), die ansonsten nichts weiter wären als aufgeblähte Dokumente. Tatsächlich aber handelt es sich um installierte Programme, die mit Squashfx gepackt wurden. So nehmen sie nicht mehr Platz ein als die Installationspakete.

Im Ordner /modules finden sich die drei Unterverzeichnisse /apps, /base und /winman. Das basex-Modul im Ordner /base enthält den Kernel sowie alle anderen Betriebssystemkomponenten und bildet den Dreh- und Angelpunkt der Distribution. Wie der Name schon vermuten lässt, beinhaltet /winman den Fenstermanager, derzeit also entweder XFCE oder Gnome. Das Verzeichnis /apps schließlich sammelt alle anderen Programme – das reicht von Anwendungen wie OpenOffice bis hin zu den distributionseigenen Verwaltungs- und Remastering-Werkzeugen im Modul dreamstuff.

Der Ordner /xtras spielt derzeit eine eher untergeordnete Rolle und wird in Zukunft Verwendung finden – dazu später mehr.

Wozu Module?

Wie man sich nun schon zusammenreimen kann, handelt es sich bei Modulen um Pakete, die verschiedene Bestandteile der Distribution enthalten – mal als eigenständige Programmpakete, mal als Ansammlung verschiedener Einzelanwendungen. Einen ersten Überblick über die verfügbaren Module liefern die Dreamlinux-Homepage und das offizielle, internationale Forum [2]. Zeitnah zur Veröffentlichung dieses Artikels wird es auch begleitende Umstellungen im Wiki [3] geben, da es an der Dokumentation bisher mangelte.

Wozu dienen nun diese Module? Zunächst bieten sie die Möglichkeit, ein Live-System auf einem USB-Datenträger zu erstellen. Praktisch jede Distribution kennt inzwischen diesen Weg der Installation und erlaubt, ein Live-System mit Hilfe einer Erweiterung im laufenden Betrieb zu verändern. Bei Dreamlinux kopiert dazu der Persistentdream-Installer das Modulverzeichnis auf das Medium, installiert Grub im MBR und versieht das Ganze abschließend mit dem Aufs-Dateisystem, das Änderungen aufnimmt und in eine eigene Datei im Ordner /xtras umleitet. Auf diesem Weg lässt sich beispielsweise auch nach der Installation noch das Fenstermanager-Modul beliebig austauschen oder eine zusätzliche Anwendung wie OpenOffice 3 oder XBMC einfach in den Ordner /modules/apps ablegen. Als Quelle dazu dienen wahlweise eine Live-CD oder ein bereits installiertes Dreamlinux.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Flexiboost-Modulverwaltung von Dreamlinux.

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