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Weg mit dem FAT

23.04.2009

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

besitzen Sie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte? Vielleicht eine Digitalkamera oder ein Navi? Liebäugeln Sie mit einem E-Book-Reader a la Amazon Kindle oder vielleicht mit einem Android-Handy? Dann verwenden Sie entweder bereits das Dateisystem FAT oder planen, das in nächster Zukunft zu tun.

Tatsächlich kommt man an FAT kaum vorbei, besitzt man irgendein Gerät oder Gadget, das Dateien auf einem Wechselmedium speichert. Die Industrie hat das von Microsoft entwickelte Dateisystem millionenfach in Systemen implementiert, als so genannten Industriestandard – also als allgemein akzeptierte Gebrauchsnorm, die nicht durch ein formelles Gremium geregelt wird, sondern aufgrund allgemeiner Übereinstimmung zum Einsatz kommt. Warum auch nicht – jeder tut es, das ist schließlich der Zweck eines solchen offenen Industriestandards: Interoperabilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller. So unterstützt denn auch praktisch jedes Betriebssystem den Zugriff auf die entsprechenden Medien.

Das tut natürlich auch Linux, das immer mehr Hersteller elektronischer Gadgets statt des teuer zu lizenzierenden und obendrein für viele Einsatzzwecke zu fetten Windows in ihren Geräten einsetzen. Dies wiederum wurmt Microsoft inzwischen offenbar so sehr, dass es gegen einen eher unbedeutenden Navigationsgerätehersteller aus den Niederlanden, TomTom, vor kurzem die Patentkeule aus der Tasche gezogen hat [1]. Dessen mit Linux laufende Navis, so Microsoft in der Klagebegründung, verletzten Microsofts Patente auf FAT, insbesondere was die Verwendung langer Dateinamen ("FAT LFN") beträfe.

TomTom schoss zurück [2] und reichte mit Unterstützung des Open Invention Network (OIN, [3]) Gegenklage ein. Das OIN, in dem sich Firmen wie Google, IBM, Red Hat, Sony und Novell zusammengeschlossen haben, will innovative Softwaretechnologien im Open-Source-Bereich fördern und Rechtssicherheit anbieten. Das tut es, indem es Softwarepatente erwirbt und diese weiter vergibt, wobei die Nutzer jedoch erklären müssen, sie nicht gegen Linux und die assoziierten Firmen einzusetzen.

TomTom kam trotz der Unterstützung durch das OIN dennoch schließlich nicht umhin, mit Microsoft eine Lizenzvereinbarung zu schließen und muss die beanstandeten FAT-LFN-Funktionen binnen zwei Jahren aus seinen Produkten entfernen [4]. Was auf den ersten Blick wie ein Sieg für Microsoft aussieht, könnte sich aber letztlich zum Bumerang für Redmond entwickeln: Ein "Industriestandard", bei dem sich die Industrie nicht sicher sein kann, bei dessen Einsatz nicht verklagt zu werden, besitzt keinerlei praktischen Nutzwert. Das gilt umso mehr, als Microsoft seine Rechte offenbar gezielt gegen Linux einsetzt, das immer mehr Anbieter als ebenso schlanke wie technisch reife und kostengünstige Lösung für ihre Geräte einsetzen möchten.

Eine ebenso einfache wie elegante Lösung liegt auf der Hand: Weg mit FAT! [5] Es wäre nicht der erste Industriestandard, der daran zugrunde geht, dass ein Rechte-Inhaber Amok läuft – als Präzedenzfall ließe sich GIF zitieren, der einstige Grafikstandard im Web [6]. Und für das proprietäre und überalterte Microsoft-Dateisystem gibt es längst technisch überlegene und wirklich offene, weil der GPL unterliegende Alternativen. Ext2 zum Beispiel: Das lässt sich auf minimalem Footprint implementieren und eignet sich damit ideal als FAT-Ersatz.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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Infos zum Autor

Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

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