Weg mit dem FAT

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

besitzen Sie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte? Vielleicht eine Digitalkamera oder ein Navi? Liebäugeln Sie mit einem E-Book-Reader a la Amazon Kindle oder vielleicht mit einem Android-Handy? Dann verwenden Sie entweder bereits das Dateisystem FAT oder planen, das in nächster Zukunft zu tun.

Tatsächlich kommt man an FAT kaum vorbei, besitzt man irgendein Gerät oder Gadget, das Dateien auf einem Wechselmedium speichert. Die Industrie hat das von Microsoft entwickelte Dateisystem millionenfach in Systemen implementiert, als so genannten Industriestandard – also als allgemein akzeptierte Gebrauchsnorm, die nicht durch ein formelles Gremium geregelt wird, sondern aufgrund allgemeiner Übereinstimmung zum Einsatz kommt. Warum auch nicht – jeder tut es, das ist schließlich der Zweck eines solchen offenen Industriestandards: Interoperabilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller. So unterstützt denn auch praktisch jedes Betriebssystem den Zugriff auf die entsprechenden Medien.

Das tut natürlich auch Linux, das immer mehr Hersteller elektronischer Gadgets statt des teuer zu lizenzierenden und obendrein für viele Einsatzzwecke zu fetten Windows in ihren Geräten einsetzen. Dies wiederum wurmt Microsoft inzwischen offenbar so sehr, dass es gegen einen eher unbedeutenden Navigationsgerätehersteller aus den Niederlanden, TomTom, vor kurzem die Patentkeule aus der Tasche gezogen hat [1]. Dessen mit Linux laufende Navis, so Microsoft in der Klagebegründung, verletzten Microsofts Patente auf FAT, insbesondere was die Verwendung langer Dateinamen ("FAT LFN") beträfe.

TomTom schoss zurück [2] und reichte mit Unterstützung des Open Invention Network (OIN, [3]) Gegenklage ein. Das OIN, in dem sich Firmen wie Google, IBM, Red Hat, Sony und Novell zusammengeschlossen haben, will innovative Softwaretechnologien im Open-Source-Bereich fördern und Rechtssicherheit anbieten. Das tut es, indem es Softwarepatente erwirbt und diese weiter vergibt, wobei die Nutzer jedoch erklären müssen, sie nicht gegen Linux und die assoziierten Firmen einzusetzen.

TomTom kam trotz der Unterstützung durch das OIN dennoch schließlich nicht umhin, mit Microsoft eine Lizenzvereinbarung zu schließen und muss die beanstandeten FAT-LFN-Funktionen binnen zwei Jahren aus seinen Produkten entfernen [4]. Was auf den ersten Blick wie ein Sieg für Microsoft aussieht, könnte sich aber letztlich zum Bumerang für Redmond entwickeln: Ein "Industriestandard", bei dem sich die Industrie nicht sicher sein kann, bei dessen Einsatz nicht verklagt zu werden, besitzt keinerlei praktischen Nutzwert. Das gilt umso mehr, als Microsoft seine Rechte offenbar gezielt gegen Linux einsetzt, das immer mehr Anbieter als ebenso schlanke wie technisch reife und kostengünstige Lösung für ihre Geräte einsetzen möchten.

Eine ebenso einfache wie elegante Lösung liegt auf der Hand: Weg mit FAT! [5] Es wäre nicht der erste Industriestandard, der daran zugrunde geht, dass ein Rechte-Inhaber Amok läuft – als Präzedenzfall ließe sich GIF zitieren, der einstige Grafikstandard im Web [6]. Und für das proprietäre und überalterte Microsoft-Dateisystem gibt es längst technisch überlegene und wirklich offene, weil der GPL unterliegende Alternativen. Ext2 zum Beispiel: Das lässt sich auf minimalem Footprint implementieren und eignet sich damit ideal als FAT-Ersatz.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 09/2016: Ciao, Windows!

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Scannen nicht möglich
Werner Hahn, 19.08.2016 22:33, 3 Antworten
Laptop DELL Latitude E6510 mit Ubuntu 16,04, Canon Pixma MG5450. Das Drucken funktioniert, Scann...
Wie kann man das berichtigen
Udo Muelle, 17.07.2016 20:39, 1 Antworten
Fehlschlag beim Holen von http://extra.linuxmint.com/dists/rosa/main/binary-i386/Packages Hash-S...
Installation Genimotion
Horst Müller, 15.07.2016 17:00, 1 Antworten
Hallo, ich kann Genimotion nicht installieren. Folgende Fehlermeldung habe ich beim Aufruf erh...
Probleme beim Hochfahren der Terastaion 5400 mit Unix-Distrib
Sheldon Cooper, 10.07.2016 09:32, 0 Antworten
Hallo ihr lieben, habe seit zwei Tagen das Problem, das das NAS (Raid5) nicht mehr sauber hoch...
Mit Firewire Videos improtieren?
Werner Hahn, 09.06.2016 11:06, 5 Antworten
Ich besitze den Camcorder Panasonic NV-GS330, bei dem die Videos in guter Qualität nur über den 4...