Google Earth ist zweifellos ein faszinierendes Programm. Jeder Teil der Erde lässt sich stufenlos zoomen, und selbst schwach besiedelte Regionen liegen in sehr hoher Auflösung vor, so dass man das eigene Haus erkennen kann. Auch bei der "Entwolkung" besserte Google nach, sodass viele subtropische Regionen sich nun klar erkennen lassen, die vor nicht allzulanger Zeit noch unter einer Wolkendecke verschwanden. Um Google Earth [1] haben sich zahlreiche Communities gebildet: Reisende tragen ihre Reiserouten, Bilder und Videos davon ein, Hobbyflieger laden die GPS-Logs ihrer Flüge in Google Maps, sodass sie jeder nachvollziehen und -fliegen kann.

Einiger Anwender verbringen den lieben langen Tag lang nur damit, Interessantes und Kurioses in Google Earth (oder Google Streetview) zu finden [2], wie etwa einen "riesigen" Ohrwurm in der Nähe von Arlesberg [3] oder fliegende Flugzeuge. Aber auch zur Werbung dient Google Earth genutzt: Eine Zeitschrift hat das Cover ihrer Jubiläumsausgabe über Google Earth sichtbar in die Wüste gezeichnet [4], und jede größere Stadt, die etwas auf sich hält, lässt sich inzwischen in Google Earth detailliert in 3D nachmodellieren. Auch 360-Grad-Panoramen bestimmter Plätze oder extrem hochauflösende Gigapxl-Bilder [5] davon kann man in Google Earth betrachten.

Lizenz

Bei Google Earth handelt es sich um proprietäre Software unter einer unfreien Lizenz. Von der kostenlosen Standardversion kann man für 400 US-Dollar pro Jahr auch auf Google Earth Pro upgraden, das es jedoch nicht für Linux gibt. Die Pro-Version ermöglicht beispielsweise den Import von GPS-Daten oder Echtzeit-GPU-Verfolgung und integriert ein Werkzeug zum genauen Vermessen oder zum Erzeugen von Filmen.

Die Free Software Foundation listet einen freien Google Earth Client unter ihren "High Priority Free Software Projects" [6] – zusammen beispielsweise mit freien Flash-Alternativen, einem freien BIOS und freien 3D-Grafiktreibern. Dabei stört nicht nur die unfreie Lizenz die FSF, sie vertritt auch die Meinung, dass Google Earth dem User DRM aufzwingt.

Installation

Softwareseitig setzt Google Earth lediglich einen Kernel ab Version 2.4 voraus, es wurde bereits mit allen halbwegs gängigen Distributionen erfolgreich getestet. Auch die Hardwareanforderungen fallen moderat aus: Ein 500-MHz-Prozessor, 128 MByte RAM sowie eine 3D-fähige Grafikkarte (16 MByte RAM, 1024x768 Pixel) sowie 400 MByte freier Plattenplatz genügen laut Google. Da das Programm die Karten live nachlädt, empfiehlt sich eine schnelle Netzanbindung – erst mit Breitband-Internet macht Google Earth wirklich Spaß, und je schneller die Verbindung, umso nahtloser gestalten sich die Flüge über den Globus.

Google liefert die Qt-basierte Linux-Version von Google Earth mit einem schicken grafischen Installer in Form eines 24 MByte großen, selbstextrahierenden Archivs aus, das Sie nach dem Download erst einmal ausführbar machen. Nach dem Start des Binaries fragt die Einrichtungsroutine lediglich einmal nach einem Verzeichnis, in die sie die 72 MByte Programmdateien entpackt darf, und installiert dann Google Earth ohne weiteres Zutun des Benutzers.

Auf unserem Testsystem mit Ubuntu 8.10 stürzte das Programm allerdings sofort ab, als wir es über das vom Installer eingerichtete Desktop-Icon starten wollten. Wie sich herausstellte, gibt es bei vielen Distributionen einen Konflikt mit der im Standalone-Paket integrierten libcrypto.so.0.9.8 – so auch auf unserem Testsystem. Das Problem lässt sich allerdings schnell beheben, indem Sie diese Datei im Google-Earth-Installationsverzeichnis einfach umbenennen oder löschen: Dann verwendet Google Earth die systemeigene Libcrypto, die einwandfrei mit dem Programm funktioniert.

Nachdem das Programm ohne Murren startete, stießen wir auf ein weiteres Problem: Wildes Geflacker im 3D-Teil des Programmfensters. Offenbar kommt Google Earth noch nicht mit Compiz-Desktops klar – ein Deaktivieren der Desktopeffekte unter System | Einstellungen | Erscheinungsbild | Visuelle Effekte sorgt für Ruhe.

Neue Features

Seit der letzten Version 4.3 vom April 2008 integriert das Programm Google Streetview, und auch Version 5 hat wieder einige interessante Neuerungen zu bieten. So blendet Google Earth nun, sobald Sie den entsprechenden Knopf anklicken, oben links eine Zeitleiste ein, in der sich frühere Aufnahmen des dargestellten Ortes anwählen lassen, sofern verfügbar. Diese reichen teilweise zurück bis in die 40er Jahre (Abbildung 1). So vollziehen Siebeispielsweise die Entwicklung eines Ortes nach oder beobachten das Entstehen eines größeren Bauwerks. Freilich gibt es immer weniger unterschiedliche Aufnahmen, je weiter Sie in der Zeit zurückgehen, und auch die Bildqualität nimmt ab. Außerhalb der USA werden Sie zudem selten fündig: Von Moskau beispielweise gibt es in Google Earth offenbar kein Kartenmaterial aus der Zeit vor 2000.

Abbildung 1: Die Golden Gate Bridge 1946, gerade mal 9 Jahre nach ihrem Bau.

Google Earth taucht nun auch unter die Meeresoberfläche ab und zeigt den Meeresboden. Dort lassen sich viele neue Layer einblenden, die beispielsweise Videos von Tauchgängen in der Region und zahlreiche andere interessante Informationen zeigen. So können Sie per Google Earth nun die Wanderung einiger mit Satellitensender ausgestatteter Meeresbewohner nachvollzieren. Doch abgesehen davon erweisen sich die (nicht überall verfügbaren) Unterwasserkarten als primär von akademischem Interesse, da sich die Google-Earth-Unterwasserwelt in Ermangelung von Bildern nur durch Höheninformationen ("Bathymetrie") definiert. Das macht sie im Gegensatz zum realen Pendant etwas dröge (Abbildung 2).

Abbildung 2: Optisch nicht gerade aufregend: Einer der wenigen hochauflösenden bathymetrischen Bereiche unter Wasser.

Nachdem Google in Version 4.2 das – zum Programmnamen leicht in Widerspruch stehende – Feature eingeführt hat, mit Google Earth den Weltraum ("Sky") zu erforschen, kommt nun der Mars an die Reihe: Google hat dazu die Aufnahmen aller Mars-Sonden ausgewertet. Es finden sich erstaunlich hochauflösende Bilder und präzise Höheninformationen (Abbildung 3), insbesondere von den letzten Missionen, deren Hauptzweck die Kartografierung des Mars war. Sogar detaillierte Panoramabilder der Mars-Lander-Missionen von bestimmten Plätzen können Sie direkt per Doppelklick bewundern.

Abbildung 3: Marsflug am heimischen Rechner: Nun können Sie auch den roten Planeten genau in Augenschein nehmen.

Die Tour-Erstellung fällt nun kinderleicht. Mit einem Klick fügen Sie einer Tour neue Orte hin und versehen diese darüber hinaus mit einem Audiokommentar. So reichern Web-2.0-Bewohner ihre Wanderungen, Radtouren oder Safaris mit Videos und Bildern an und kommentieren diese gleichzeitig.

Fazit

Insgesamt läuft Google Earth äußerst stabil und wirkt ausgereift, obwohl es gelegentlich nach der Umschaltung von Earth, Sky und Mars durcheinanderzukommen scheint und Orte aus den anderen Bereichen im momentanen Kartenmaterial darstellt. Ein Neustart des Programms behebt dann den Fehler.

Infos

[1] Google Earth Homepage: http://earth.google.com

[2] Google Earth Blog: http://www.gearthblog.com/

[3] Ohrwurm auf Google Maps: http://www.theregister.co.uk/2006/09/28/giant_insect/

[4] Werbung via Google Earth: http://tinyurl.com/googleearthwerbung

[5] Gigapxl-Projekt: http://www.gigapxl.org/

[6] High-Priority-Projekte der FSF: http://www.advogato.org/article/959.html

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