Das Content Management System Silverstripe

Schmuckloser Schmetterling

Im US-Präsidentschaftswahlkampf geriet das bis dato recht unbeachtete CMS Silverstripe schlagartig ins Rampenlicht, als es eine Seite der Demokraten rund um Barack Obama antrieb.

Hinter dem CMS Silverstripe steht ein gleichnamiges Unternehmen aus Wellington, Neuseeland. Noch bis in den Spätherbst 2006 musste man für eine Lizenz das Portmonee lüften. Vermutlich aufgrund der stark wachsenden kostenlosen Konkurrenz entließ man die Eigenentwicklung schließlich im November in die BSD-Lizenz. Seitdem findet das nach einem australischen Schmetterling benannte Silverstripe immer mehr Beachtung. Insbesondere Internet-Agenturen zeigen sich ob der einfachen Bedienung und Erweiterbarkeit äußerst entzückt.

Homepage-Betreibern fällt zunächst die extrem fixe Installation auf: Das heruntergeladene Paket entpackt man auf dem Server, ruft die eigene Homepage im Browser auf, füttert das erscheinende Formular mit den Datenbankeinstellungen sowie einem Administratorpasswort, klickt auf Install Silverstripe und hält nach 30 Sekunden ein einsatzbereites Content-Management-System in der Hand. Um die Steuerzentrale zu betreten, das so genannte Backend, hängt man dem Domainnamen seines Auftritts noch ein /admin an. Nach der Anmeldung über das dort erst extra aufzuklappende E-mail & Password landet man auf der Seite aus Abbildung 1.

Abbildung 1: Die Steuerzentrale von Silverstripe gibt sich aufgeräumt und übersichtlich.

Oberflächlich betrachtet

Für ein Content Management System präsentiert sich die Oberfläche äußerst aufgeräumt und übersichtlich: Am oberen Rand hängt das Hauptmenü, dessen Einträge zu den gleichnamigen Verwaltungsfunktionen führen. Links thront der Seitenbaum mit allen auf der Homepage vorhandenen (Unter-)Seiten. Neue Pages erstellt man über die Knöpfe direkt darüber, bestehende verschiebt man innerhalb der Gliederung per Drag & Drop – ein Bedienkonzept, das Silverstripe recht häufig einsetzt.

Ein Klick auf eine Seite öffnet diese im rechten großen Bearbeitungsbereich des Backends. Dort tippt man die Inhalte über den komfortablen WYSIWYG-Editor TinyMCE ein, der auch in vielen anderen Content-Management-Systemen seine Arbeit verrichtet. Zusätzliche spezielle Seiteneinstellungen versteckt Silverstripe auf weiteren Registern. Beispielsweise schaltet ein Kreuzchen unter Behaviour die Kommentarfunktion frei. Auf der Karteikarte Meta-data vergibt man nicht nur Tags für die Seite, sondern darf ihr auch eine eindeutige URL zuordnen, unter der sie zukünftig zu erreichen ist. Das hilft dem Gedächtnis von Besuchern auf die Sprünge und kommt Suchmaschinen entgegen. Extra für Google erstellt Silverstripe auf Wunsch sogar sitemap.xml-Dateien [2].

Im Gegensatz zu vielen anderen Content Management Systemen veröffentlicht Silverstripe Änderungen an einer Seite erst auf explizite Weisung. Daher können Sie den aktuellen Stand jederzeit zwischenspeichern, ihn in einer Vorschau begutachten und somit die neuen Seiten in Ruhe vorbereiten. Dabei unterstützt Sie eine To-do-Liste, auf der Sie die noch ausstehenden Arbeiten vermerkt. Erst wenn Sie mit dem Entwurf zufrieden sind, schalten Sie ihn auf der Homepage frei – die alte Fassung wandert daraufhin automatisch in die integrierte Versionsverwaltung. Im Backend versteckt diese sich auf einem etwas unscheinbaren Register am linken unteren Rand, über das sich vorherige Fassungen einer Seite schnell einsehen und wieder zurückholen lassen.

Kurzbeschreibung: CMS Silverstripe

Aktuelle Version 2.3.1
Homepage http://www.silverstripe.org
Lizenz BSD
Voraussetzungen PHP 5.2.0, MySQL 4.1, Apache 1.3 (mit mod_rewrite) oder Lighttpd 1.4
Mehrere Homepages Nein
Barrierefreiheit Über das Template
Enthaltene Zusatzfunktionen Kommentare, Kontaktformular
Funktionserweiterung Ja
Templates Ja (HTML mit speziellen Platzhaltern)
Template-Editor Nein
Benutzer-/Rechteverwaltung Ja, rudimentär
Externe Authentifizierung OpenID
Moderation der Inhalte Nein
Mehrsprachige GUI / Homepage Nein / Nein
Medienmanager Nur einfacher Dateimanager
WYSIWYG-Editor Ja
Vorschau möglich Ja
Versionierung der Inhalte Ja
Benutzerfreundlichkeit Einfach und klar strukturierte Oberfläche
Drag&Drop-Unterstützung Ja (teilweise)
Bildmanipulation Nein
Assistent für neue Inhalte Nein
Rechtschreibprüfung Nein
Statistiken Ja (nur einfache Auswertungen)
Geschwindigkeit Langsam, sehr Leistungshungrig
Sicherheit Entwickler reagiert schnell
Sandbox Nein
SSL-Unterstützung Nein
Dokumentation Auf Entwickler ausgerichtet
Support kostenpflichtiger Support, Forum
Automatische Updates Nein
Suchmaschinenoptimierung Ja (URL-Rewrite, sitemap.xml)
Backup der Inhalte Nein (nur im Rahmen der Versionierung)

Baukasten

Standardmäßig nimmt jede Seite unter Silverstripe ausschließlich Text auf. Um diesen beispielsweise durch ein Kontaktformular zu ersetzen, weist man der Seite einfach den entsprechenden Seitentyp zu und klickt sich dann in einem komfortablen Editor das gewünschte Formular zusammen (Abbildung 2). Damit ist jedoch schon Schicht im Schacht: Wer außer dem Kontaktformular mehr wünscht, wie etwa Umfragen oder gar ein Forum, der muss entweder seine PHP-Kenntnisse auspacken oder aber zu fertigen Erweiterungen greifen. Das gilt sogar für Funktionen, die bei anderen CMS zum Standardrepertoire gehören, wie eine Suchfunktion oder eine Sitemap. Entwickler mit PHP-Kenntnissen dürfen sich immerhin freuen: Mit kaum einem anderen Content-Management-System erzielt man mit so wenig Programmcode so schnell ansehnliche Ergebnisse.

Abbildung 2: Ein eigener Formulareditor hilft beim Erstellen von individuellen Kontaktformularen.

Neben den Erweiterungspaketen kennt Silverstripe noch so genannte Widgets, die ähnlich wie die Plasmoids aus KDE 4 funktionieren. Jedes Davon produziert eine kleine Ausgabe oder Funktion, wie beispielsweise einen Kalender oder ein Bild. Sie ziehen die kleinen Kerle bei Bedarf einfach per Drag & Drop an eine gewünschte Stelle auf der Homepage, wo sie ab sofort ihre Arbeit verrichten.

Die Integration von Erweiterungen und Widgets gestaltet sich jedoch mangels Installationsassistenten ziemlich fummelig: So müssen Sie die Pakete manuell entpacken und in das richtige Verzeichnis auf den Server kopieren. Liegt die Erweiterung erst einmal dort, gibt es häufig kein Zurück mehr – wohl dem, der die Zusammenarbeit in einer Testinstallation schon vorher ausprobiert hat.

Für das Layout der Seite sorgen Stilvorlagen, so genannte Templates. Sie bestehen aus HTML und CSS, gepaart mit speziellen Markern und Variablen, die Silverstripe später gegen die eigentlichen Inhalte austauscht. Wer keine Kenntnisse in den genannten Sprachen besitzt, Schaut entweder in die Röhre oder muss auf eine der wenigen fertigen Vorlagen aus dem Internet zurückgreifen.

Die Benutzerverwaltung von Silverstripe hat ihren Namen eigentlich nicht verdient: Unter dem Menüpunkt Security erstellt man zunächst eine neue Benutzergruppe, deren Mitglieder man dann in eine Liste einträgt. Mehr als Vor- und Nachname, E-Mail-Adresse sowie Passwort kann sich Silverstripe zu einem Benutzer jedoch nicht merken. Abschließend legt man noch für jede Seite fest, welche Gruppen auf sie zugreifen dürfen. Allerdings können sich die neuen Benutzer auf der Homepage überhaupt nicht anmelden, ein entsprechendes Formular glänzte zumindest noch in Silverstripe 2.2.3 durch Abwesenheit.

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