Laut der Projekt-FAQ des Projekts handelt es sich bei Makagiga [1] um "eine Art Kuchen mit Karamel, Honig, Mohn und Nüssen" – eine bunte Mischung also, die sich aber dennoch irgendwie gut ergänzt. Makagiga vereint seinen Mix unter einem gemeinsamen, in Java programmierten Dach. Zur Familie gehören unter anderem ein RSS-Reader, ein To-do-Manager, ein Kalender, ein einfaches Zeichenprogramm, ein Texteditor, ein Notizbuch und ein Bildbetrachter (Abbildung 1). Makagiga lässt sich zudem über Plugins und Widgets erweitern.

Abbildung 1: Makagiga versammelt eine bunte Mischung von Programmen unter seiner Haube und funktioniert damit als Desktop auf dem Desktop.

Zunächst gilt es aber, sich mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Interface anzufreunden und dabei die Möglichkeiten von Makagiga zu erschließen. Die Software eignet sich zum Beispiel zur Projektverwaltung, wobei Sie für jedes Projekt einfach einen eigenen Makagiga-Ordner anlegen. Über den To-do-Manager planen Sie Ihre Aufgaben und behalten deren Fortschritt im Auge. Wichtige Aufgaben oder Ideen nageln Sie ans virtuelle Pinboard, über RSS-Feeds halten Sie sich über neueste Entwicklungen auf Ihrem Spezialgebiet auf dem Laufenden. Schließen Sie Makagiga, landen alle erarbeiteten Ergebnisse automatisch im passenden Projektordner: Sie müssen also beim nächsten Mal nicht mehrere Programme starten, um an Ihre Arbeitsergebnisse zu gelangen.

Zwar bringen auch Desktops wie Gnome und KDE alle Komponenten mit, die Makagiga anbietet, die Verknüpfung der Inhalte über Bewertungen und Schlagworte gibt es allerdings nur bei KDE 4 – und auch da steckt sie noch in den Kinderschuhen. Der interne Aufbau von Makagiga ergibt durchaus einen Sinn, auch wenn er von gewohnten Desktop-Konventionen abweicht.

Makagiga installieren

Sie installieren Makagiga aus einheitliche RPM- und DEB-Paketen, die mindestens unter allen OpenSuse-11- und Ubuntu-8-Versionen funktionieren. Die Päckchen für die aktuelle Version 3.2.1 der Software finden Sie auf der Heft-DVD. Zuvor müssen Sie noch Suns Java in Version 6 installieren: Das passende Paket heißt unter Ubuntu 8 sun-java6-jre und unter OpenSuse 11 java-1_6_0-sun.

Unter Ubuntu 8 kopieren Sie das DEB-Paket einfach auf die Festplatte und klicken es doppelt an. Daraufhin startet der GDebi-Installer, der die Software wie gewohnt einrichtet. Sie finden sie nach der Installation im Startmenü unter Büro | Makagiga.

Unter OpenSuse 11 speichern Sie das RPM-Paket lokal und klicken es ebenfalls doppelt an, woraufhin YaST es einspielt. Makagiga nistet sich unter Programm | Dienstprogramme | Desktop ein.

Alternativ rufen Sie die Software über [Alt]+[F2] und die Eingabe von makagiga auf. Seine eigenen Daten sammelt das Tool im versteckten Ordner .makagiga im Home-Verzeichnis des jeweiligen Benutzers.

So sieht's aus

Nach dem Start präsentiert sich Makagiga mit der Standardoberfläche, die auf der rechten Seite das leere Pinboard anzeigt (Abbildung 1). Im Bereich links sehen Sie später die von Ihnen angelegten Ordner und RSS-Feeds. Anfangs existiert lediglich ein Standardordner mit dem Namen Dateien und Ordner, und unter Feeds warten ein paar von Makagiga vorab abonnierte Datenströme. Es folgt darunter der Papierkorb, über den Sie aus Versehen gelöschte Inhalte wiederbeleben.

Tatsächlich erweist sich die Oberfläche als Desktop im Desktop: Über Anzeigen | Vollbildansicht oder [F11] strecken Sie das Hauptfenster über den gesamten Desktop und arbeiten nun "vollständig" darauf. Links unten gibt es unter einem Suchfeld, über das Sie sämtlich Inhalte vom Makagiga durchforsten, drei Buttons mit den Aufschriften Baumansicht, Übersicht und Designer. Der oberste zeigt im linken Bereich die gerade beschriebene Ansicht mit den Feeds und Verzeichnissen an. Der mittlere listet die anstehenden Aufgaben auf, die er aus der To-do-Liste generiert. Hinter dem Designer verstecken sich die Bedienfelder für die einzelnen Komponenten. Um etwa eine neue Zeichnung anzulegen, klicken Sie auf Designer: Links erscheint dann ein Menü, über das Sie die Zeichenfarbe und die Pinselgröße ändern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Über den Button Designer links unten rufen Sie die Werkzeuge für die einzelnen Softwarekomponenten auf. Legen Sie eine Zeichnung an, ändern Sie hier etwa Pinsel und Farben.

Pinboard-Widgets

Das Pinboard erkennen Sie am hellblauen Hintergrund, es umspannt den größten Bereich in Makagiga. Den teilt es sich allerdings mit sämtlichen Makagiga-Anwendungen, wie dem Texteditor, dem Zeichenprogramm oder der To-do-Liste. Gewöhnlich verschwindet die Pinwand hinter diesen; um sie wieder freizuschaufeln, klicken Sie auf den Schalter Widgets anzeigen ganz oben rechts. Über Widgets hinzufügen unten rechts holen Sie neue Widgets auf das Pinboard, seien es Notes oder ein Calendar (die Übersetzung von Makagiga hat noch Schwächen).

Im selben Menü können Sie der Software auch den Befehl Hole mehr Widgets geben. Sie schaut sich dann auf der Makagiga-Webseite um und entdeckt im recht überschaubaren Angebot zum Beispiel das Widget Picture. Über einen Klick auf Install weisen Sie Makagiga an, das Widget einzuspielen. Nach der Installation müssen Sie Makagiga allerdings neu starten, damit das neue Widget auftaucht. Einen Neustart erfordern übrigens auch Änderungen in den Einstellungen.

Was machen Sie nun mit den Widgets? Beim Kalender haben Sie etwa die Möglichkeit, einen Tag anzuklicken und aus dem Kontextmenü Zeige Informationen für diesen Tag zu wählen. Die Software öffnet dann eine Wikipedia-Seite, die alles auflistet, was jemals am entsprechenden Datum passiert ist. Hier handelt es sich um eine etwas merkwürdige Makagiga-Idee: Sie erscheint zwar nett, wirft aber die Frage nach dem Sinn auf, zumal beim Klick auf Nachrichten lediglich die aktuelle Webseite der BBC erscheint – ohne historische Referenz. Der Punkt Einen neue Aufgabe für diesen Tag hinzufügen hilft hingegen, um für den Tag Aufgaben festzulegen und Termine zu planen. Die Notizen auf dem Pinboard heben Sie farblich hervor und füllen sie mit Text, dem Sie dann bestimmte Font-Eigenschaften zuweisen.

Oberhalb des Pinboards wartet noch eine Suchleiste, die standardmäßig googelt, aber auch andere Suchmaschinen nutzt und die dann ihre Ergebnisse in einem externen Browser präsentiert – in welchem, das bringen Sie der Software selbst bei. Dazu klicken Sie auf den Menüpunkt Bearbeiten | Einstellungen und dann im Register Allgemein auf Fortgeschritten. In die obere Zeile tragen Sie den Browser Ihres Vertrauens ein, etwa firefox (Abbildung 3). Externe Inhalt reicht Makagiga dann zukünftig an diesen Browser weiter.

Abbildung 3: Den Browser, den Makagiga nutzt, um externe Webseiten anzuzeigen, legen Sie in den Voreinstellungen selbst fest.

Das Chaos ordnen

Dateien und Ordner verwalten Sie unterhalb des gleichnamigen Eintrags. Am besten machen Sie sich im Vorfeld schon Gedanken, wie Sie Zeichnungen, Texte und Notizen strukturieren wollen. Nutzen etwa verschiedene Personen Makagiga, macht es Sinn, für jede Person einen eigenen Ordner anzulegen. Verwenden Sie Makagiga allein, benennen Sie die Ordner zum Beispiel nach dem Datum benennen. Im Ordner 2009_03_27 landen dann alle Zeichnungen, Texte und To-do-Listen, mit denen Sie an diesem Tag arbeiten. Über einen Rechtsklick auf Dateien und Ordner und die Auswahl von Neu | Neuer Ordner legen Sie so ein Verzeichnis an und geben dann einen Namen dafür ein.

Um mit einer kleinen Skizze in den Tag zu starten, klicken Sie mit der rechten Taste auf 2009_03_27 und wählen aus dem Kontextmenü Neu | Image. Sie verpassen der Zeichnung einen griffigen Namen, dann öffnet sich rechts eine leere Zeichenfläche in einem eigenen Reiter, der den eben ausgesuchten Namen trägt. Der Button Designer links unten öffnet im linken Bereich der Programmoberfläche ein Menü, in dem Sie die Pinselgröße ebenso auswählen wie die Farbe und den Umriss der Figur (Abbildung 4). Bewegen Sie die Maus über den Namen des Reiters der Zeichenfläche, verwandelt sich dieser in ein Kreuzchen, ein Linksklick schließt nun die Zeichnung. Das schöne daran: Sie müssen die Grafik nicht explizit speichern, sie landet automatisch im Ordner 2009_03_27.

Abbildung 4: Verglichen mit Gimp ist der Zeichenblock von Makagiga ein Witz, erfüllt aber unter Umständen seinen Zweck.

Um statt einer Zeichnung eine To-do-Liste anzulegen, genügt ein erneuter Rechtsklick auf 2009_03_27 und die Auswahl von Neu | To-do. Sie können nun eine neue Aufgabe hinzufügen, und zwar in Form einer kurzen Beschreibung. Die Aufgabe landet dann im großen Bereich darunter. Klicken Sie auf Priorität, Fertig oder Fälligkeitsdatum, öffnet sich jedes Mal ein Popup-Menü, aus dem heraus Sie die Eigenschaft näher definieren. Unter Fertig bestimmen Sie etwa, wie viel Prozent der Aufgabe Sie bereits bewältigt haben. Der Fortschrittsbalken visualisiert das grafisch (Abbildung 5).

Abbildung 5: Dank einer To-do-Liste mit integriertem Statuscheck verlieren Sie als Makagiga-Anwender nie den Überblick über anstehende Aufgaben.

Oben in der Menüleiste warten noch weitere Möglichkeiten: Sie können sich über Statistics ein grafische Übersicht aller erledigten und offenen Aufgaben anzeigen lassen. Über Erledigte löschen entfernen Sie bewältigte Tasks. Klicken Sie links unten auf den mittleren Button Übersicht, erscheint der Status sämtlicher Aufgaben, sofern diese ein über ein Abgabedatum verfügen. Unter Fällig landen Tasks, deren Abgabe am aktuellen Tag fällig ist. Auch die To-do-Liste landet nach dem Schließen automatisch im Ordner 2009_03_27.

Feed your head

Um sich nachrichtentechnisch auf dem Laufenden zu halten, bringt Makagiga einen integrierten RSS-Reader mit. Die voreingestellten Feeds entfernen Sie über einen Rechtsklick und den Eintrag Löschen aus dem Kontextmenü. Über Datei | Importieren | Importiere Feed-Liste holen Sie eine bereits existierende Liste an RSS-Feeds in das Programm. Praktisch: Über Bearbeiten | Einstellungen und den Schieberegler im Register Feeds stellen Sie das Haltbarkeitsdatum der Inhalte ein und entfernen alte Artikel automatisch, wenn Sie zum Beispiel älter als ein Tag sind. Allerdings funktionierte das Feature im Test nicht.

Wählen Sie einen Feed in der Baumansicht aus, aktualisiert sich dieser und zeigt seine Einträge farbig unterlegt an. Der Klick auf einen Eintrag ändert dessen Farbe, wodurch rechts eine Zusammenfassung des RSS-Eintrags mit einem Link erscheint. Folgen Sie diesem, erscheint die vollständige Webseite im voreingestellten Browser.

Klicken Sie hingegen nicht auf den Link, sondern mit der rechten Maustaste auf die freie Fläche darunter, erhalten Sie über das Kontextmenü den Eintrag Feste Notiz hinzufügen. Der Menüpunkt kopiert den Inhalt des Feeds auf einen Notizzettel und klebt diesen auf das anfangs erwähnte Pinboard. So legen Sie schnell eine Notiz über einen wichtigen Feed-Eintrag an. Leider besitzt der Feed-Reader einen weiteren Nachteil: Versammeln Sie mehrere gleichartige Feeds in einem Ordner, so zeigt ein Klick auf diesen nicht sämtliche vorhandenen Beiträge an, wie es Feed-Reader häufig tun.

Und vieles mehr

Weitere Fähigkeiten sollen aus Platzgründen nur kurz Erwähnung finden: Über Werkzeuge | Plugins ergänzen Sie zahlreiche Bereiche von Makagiga über Erweiterungen um zusätzliche Funktionen. Die Plugins laden Sie aus dem Internet herunter [2]. Eine Extension bereichert etwa das oben erwähnte Suchfeld um eine YouTube-Suche. Über den Klick auf Hole mehr Plugins ganz unten im Fenster greifen Sie auf eine Liste im Internet verfügbarer Erweiterungen zu und richten diese per Mausklick ein. Es gibt noch weitere Werkzeuge im gleichnamigen Menü: Über Delete private data löschen Sie Ihre Cookies und Log-Dateien, über Backup sichern Sie die bisher angelegten Dateien und Ordner in einem Archiv, das Sie später auf eine DVD brennen. Die Liste geht weiter, denn Makagiga bringt sein eigenes kleines Software-Universum mit und ist einen Blick wert. Die Software spricht neben planenden Freaks und Querdenkern auch Einsteiger und Lernende an.

Infos

[1] Makagiga-Homepage: http://makagiga.sourceforge.net

[2] Plugin-Übersicht: http://makagiga.sourceforge.net/plugins.php

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