AA_zeit-welt-uhr_sxc_1161702.jpg

© sxc.hu

Zeitsprünge

Back in Time 0.9.16 im Test

23.04.2009
Jeder Computernutzer sollte darüber nachdenken, seine Daten regelmäßig zu sichern. In Back in Time 0.9.16 finden Sie ein einfaches Werkzeug, um diesen Vorgang zu automatisieren.

Linux-Anwender mit bedingt vorhandenem Feingefühl für Konsolentools schauen einem Mac-User neidisch über die Schulter, wenn dieser seine TimeMachine bedient: Eine Datei versehentlich verunstaltet, gelöscht oder gar ein Hardwaredefekt? Ohne Probleme zappt der Apfelrechner in der Zeitmaschine einen Tag oder auch nur eine Stunde zurück und stellt den damaligen Zustand wieder her.

So entzückt schaute wohl auch der Open-Source-Entwickler Dan Oprea, was ihn dazu veranlasste nach diesem Vorbild ein ähnlich arbeitendes Tool unter Linux zu schaffen. Ohne das Rad neu zu erfinden, schuf Oprea eine ansprechende grafische Oberfläche, die die Tools rsync, cp und diff zu einer eigenen Zeitmaschine für Linuxsysteme zusammenzufasst. Das entstandene Programm Back in Time [1] liegt seit kurzem in der Version 0.9.16 vor und unterstützt die beiden großen Desktops KDE und Gnome nativ. Die entsprechenden Gnome-Pakete funktionieren natürlich auch bestens unter dem schlanken Xfce. Wie Sie Back in Time auf Ihre Festplatte bannen, erklärt Ihnen der Kasten "Installation".

Wohl gemerkt: Bei Back in Time handelt es sich um ein Benutzerwerkzeug, nicht um ein System-Backup-Tool. Sie erstellen lediglich Kopien von Ordnern und Dateien, auf die Sie auch das Schreibrecht haben. Auch ein sudo backintime hilft hier nicht weiter.

Installation

Ein Blick in die Credits verrät, dass der Entwickler erst seit letztem Jahr an dem Programm arbeitet, weswegen Back in Time noch nicht den Weg in die großen Distributionen gefunden hat. Immerhin bietet Oprea ein eigenes Repository für Debian/Ubuntu an. Nutzer dieser Distributionen öffnen über den Menüpunkt System | Software-Quellen den entsprechenden Dialog und fügen im Reiter Software von Drittanbietern über den Schalter Hinzufügen die Zeile deb http://www.le-web.org/repository2 stable main ein.

Flinke Konsolenliebhaber schreiben die gleiche Zeile mit dem Editor Ihrer Wahl ans Ende der Datei /etc/apt/source.list und laden die Quellen mittels sudo apt-get update neu. Die Befehle wget http://www.le-web.org/repository2/le-web.key und sudo apt-key add le-web.key laden und installieren die GPG-Schlüssel-Informationen.

Die zu installierenden Pakete heißen backintime-common und backintime-gnome beziehungsweise backintime-kde4, falls Sie das KDE-Pendant wünschen. Allerdings verlangt die Software mindestens KDE 4.1 oder höher. Ein Ubuntu-Wiki [2] verrät Ihnen, wie Sie unter dem älteren "Hardy Heron" zur aktuelleren KDE-Version kommen.

Fedora-Nutzer fügen mit der Befehlszeile su -c 'rpm -Uvh http://www.le-web.org/contrib/fedora/backintime-repo-1-1.noarch.rpm' die neue Repository-Quelle hinzu und installieren mit dem Befehl su -c 'yum install -y backintime-gnome' respektive su -c 'yum install -y backintime-kde4' das neue Backup-Werkzeug.

Nutzer von Novells OpenSuse und alle anderen Linux-Anwender sind derzeit noch auf die Quellen angewiesen, die drei Installationsskripte enthalten. Mit dem Befehl su ./install-common.sh übersetzen und installieren Sie das Hauptpaket. Beachten Sie dabei die Abhängigkeiten python und rsync. Anschließend führen Sie das entsprechende Skript install-gnome.sh bzw. install-kde4.sh aus. Genauere Angaben zu den wenigen Abhängigkeiten verrät die Datei README im Quellen-Ordner.

Prinzipiell funktionieren die RPM-Pakete auch unter anderen RPM-basierten Distributionen. Dabei kommt es aber gelegentlich zu unschönen optischen Problemen: So zeigt eine Installation der Fedora-Pakete unter Opensuse 11.1 keine Umlaute an.

Sichern leicht gemacht

Das Hauptfenster von Back in Time untergliedert sich in drei Bereiche: Links finden Sie die Snapshots Ihrer vordefinierten, zu sichernden Ordner. Der rechte Bereich unterteilt sich in die Spalten Orte und deren Inhalte. Die Oberfläche des gesamten Programms ist durchgängig ins Deutsche übersetzt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die übersichtliche Oberfläche erlaubt auch weniger versierten Anwendern Ihre sensiblen Daten regelmäßig zu sichern.

Sehr angenehm überrascht neben der wohlüberlegten Gliederung auch die Konzentration der Einstellungsmöglichkeiten auf das Wesentliche. Dieser Umstand erlaubt es auch Neulingen, mit der Software umfangreiche Backups der Foto- oder Dokumentenordner anzufertigen. Der erster Weg sollte jedoch zum das Zahnrädersymbol der Menüleiste gehen.

Mehr als Sie in diesem Dialog finden, gibt es nicht einzustellen (Abbildung 2). Im ersten Pulldown-Menü bestimmen Sie, wo Back in Time Ihre Daten sichert – für das ausgewählte Verzeichnis müssen Sie Schreibrechte besitzen. Zur Datensicherung liegt es nahe, dafür ein angeschlossenes USB-Laufwerk zu wählen, das sich meistens unter /media oder /mnt findet.

Abbildung 2: Die wenigen Einstellungen erledigen Sie in einem einzigen Dialog.

Eine Etage tiefer bestimmen Sie die Ordner, die Back in Time sichern soll, oder entfernen unwichtige. Im rechten Fensterteil fügen Sie Ausschlussmuster hinzu. Diese legen fest, welche Dateien und Ordner nicht in die Snapshots gelangen. Voreingestellt unterbindet die Software das Sichern aller versteckten Elemente sowie von Dateien und Ordnern, deren Name auf *.backup oder .~ endet. So sichern Sie beispielsweise Ihr komplettes Home-Verzeichnis und schließen lediglich einige wenige Dateien oder Ordner aus.

Die nächste Zeile erlaubt das Anfertigen automatischer Backups anzufertigen. Back in Time nutzt dazu das Tool cron, das auf den meisten Distributionen bereits im Hintergrund seine Arbeit verrichtet. Dank cron muss das Hauptprogramm backintime nicht aktiv bleiben, um im Hintergrund Snapshots zu erstellen. Sie sehen währenddessen aber ein Symbol in der Kontrollleiste. Ein Klick auf dieses Icon präsentiert in einer Textbox die gerade ausgeführte Tätigkeit (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein Symbol im Systemabschnitt des Panels informiert Sie über den Fortgang der automatisierten Backups.

Der Einstellungsdialog bietet die Sicherungsintervalle 5 Minuten, 10 Minuten, jede Stunde, jeden Tag, jede Woche und jeden Monat an. Leider lassen sich diese Zeiträume noch nicht für verschiedene Ordner bestimmen – ein Feature, das unbedingt in eine der nächsten Programm-Versionen einfließen sollte.

Damit Ihr Backup-Verzeichnis nicht irgendwann überquillt, hat der Entwickler einige intelligente Vorsichtsmaßnahmen getroffen. So legen Sie fest, nach Ablauf welchen Zeitraums oder bei Erreichen welchen Datenvolumens die Software die jeweils ältesten Snapshots löschen soll.

Ein Klick auf das Kästchen Geschicktes entfernen überlässt Back in Time das Löschen. Es behält auf diese Weise alle Sicherungen des vergangenen Tages, der letzten und vorletzten Woche sowie jeweils ein Backup pro Monat und eines pro Jahr. Mit OK bestätigen Sie die Einstellungen und kehren zum Hauptfenster zurück.

Backup per Mausklick

In der mittleren Spalte sehen Sie nun unter Backup-Verzeichnisse die zu sichernden Dateien und Ordner. Das Symbol ganz links in der Menüleiste fertigt davon eine erste Sicherung an. Die Statuszeile des Programmfensters hält Sie über den Stand der Dinge auf dem Laufenden. Im Backup-Verzeichnis legt das Programm den Ordner /backintime an, kopiert die zu sichernden Verzeichnisse in Unterverzeichnisse mit Tag- und Uhrzeitangabe im Namen und erstellt für alle Elemente einen Schreibschutz.

In der rechten Fensterhälfte finden Sie noch weitere wichtige Funktionen hinter Icons versteckt. Das Pluszeichen zeigt auch die versteckten Dateien an. Im Einstellungsdialog sollten Sie dann aber den Ausschlusseintrag .* entfernen, da die Software sonst die versteckten Dateien beim Backup ignoriert.

Die Mülltonne mit gelbem Wiederherstellungspfeil benötigen Sie, um Daten aus einer Sicherung wiederherzustellen. Wählen Sie dazu in der Spalte Snapshots ganz links die entsprechende Sicherung aus. Rechts im Fenster erscheinen nun die Inhalte des entsprechenden Snapshots. Hier können Sie einzelne Dateien und Verzeichnisse zur Wiederherstellung auswählen und dann mit einem Klick auf das Restore-Symbol restaurieren.

Wollen Sie dagegen den kompletten Snapshot wiederherstellen, schalten Sie dazu über den grünen Pfeil links oben neben der Pfadangabe eine Verzeichnisebene höher. War das gesicherte Verzeichnis beispielsweise /home/mirkux/Documents, darf in der rechten Spalte nur der Ordner Documents erscheinen, nicht aber dessen Inhalt (Abbildung 4). Die Inhalte landen nach einem Klick auf das Restore-Icon dennoch an der korrekten Stelle.

Abbildung 4: Etwas verwirrend: Obwohl Back in Time bei Anwahl eines Snapshots dessen Inhalte anzeigt, darf zum kompletten Restore darf nur der Quellpfad markiert sein.

Wollen Sie alte Snapshots im Backup-Verzeichnis manuell loswerden, müssen Sie dazu erst den von Back in Time gesetzten Schreibschutz entfernen. Einfacher erledigen Sie die Aufgabe über das Reißwolf-Symbol. Das Bearbeiten-Symbol erlaubt Ihnen, den Backups noch zusätzliche Namen hinzuzufügen. Back in Time setzt die vergebene Bezeichnung hinter die Datumsangabe, die dabei bestehen bleibt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare
Test mit Fragezeichen
Martin Kammlott (unangemeldet), Dienstag, 26. März 2013 15:56:13
Ein/Ausklappen

Ja, das ist schon eine Crux. Da macht man mit backintime eine durchaus vernünftige Erfahrung: Das funktioniert ja prolemlos!! und dann steht man in der Wüste, wenn es um die Wiederbelebung nach einem Festplatten-Crash geht.
Genau deswegen hatte ich BiT installiert. Aber es funktioniert nicht. Wenn ich BiT auf einer anderen Festplatte oder (und) einem neuen System installiere, erkennt es selbst angefertigte backups nicht. Es ignoriert sie.
Das ist schade, denn das mühseelige kopieren von Dateien mit falschen Rechten und der anschließenden Odysee ist nicht wirklich fein.
Ein kleines Minus also für das sonst wundervolle Programm.
Gruß
Martin


Bewertung: 89 Punkte bei 16 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 0 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.