Zim bietet die als Widget durchaus beliebten Desktop-Notizzettel, aber statt den Bildschirm nur mit unzusammenhängenden Notizzetteln zuzukleben, nutzt es die digitalen Möglichkeiten: So beherrscht das Werkzeug beispielsweise Querverweise und Hierarchien, die das Programm per Wiki-Code umsetzt. Auch Bilder lassen sich direkt einfügen und Dateien klickbar verlinken. Um den Überblick zu wahren, gibt es zusätzlich eine Todo-Liste und einen Kalender.

Ein großer Vorteil gegenüber anderen digitalen Notizblöcken: Zim legt alle Notizen im Wikicode-Format als normales Plaintext-ASCII in einem beim ersten Start des Programms definierten Ordner ab. Dabei erstellt es für jeden Notizzettel eine entsprechend benannte eigene Textdatei.So können Sie die Notizen beispielsweise auch im Terminal lesen, was gerade bei einem SSH-Remote-Login sehr von Vorteil ist. Auch das Weiterverarbeiten der Daten in anderen Programmen geht so leicht von der Hand.

Installation

In den Paketquellen gängiger Distributionen findet sich – wenn überhaupt – nur eine veraltete Version von Zim. Aufgrund der umfangreichen Verbesserungen in letzter Zeit lohnt sich die Installation der aktuellen Version 0.28 von der Homepage [1]. Hier bietet der Autor ein Quelltextpaket an, das sie mittels Perl-Skript oder Make übersetzen und installieren.

Vor das make install haben die Götter allerdings den Schweiß gesetzt: Es gilt mehrere Dependencies händisch aufzulösen, diverse Perl-Bindings und einige CPAN-Perl-Module wollen installiert werden. Ubuntu- und Debian-Usern sei deshalb die stressfreie Installation des DEB-Pakets empfohlen, das ebenfalls auf der Homepage zum Download bereit steht. Alternativ hält das Medibuntu-Repository [2] eine aktuelle Version bereit, die sich komfortabel über Apt-get oder Synaptic installieren lässt.

Funktionswunder

Obwohl Zim intern mit Wiki-Code arbeitet, muss der Anwender dessen nicht mächtig sein, um das Programm zu benutzen. Alle nötigen Funktionen lassen sich auch direkt per Tastaturkürzel oder über Schalter nutzen, für alles andere können Versierte auch direkt Wiki-Code schreiben. Das Programm unterstützt auch die automatische Verlinkung über den sogenannten Camel-Code (auch Wikiwords genannt), der sich durch Zusammenschreibung von Wörtern mit Großbuchstaben ohne Leerzeichen oder Bindestrich definiert.

Auch Unterhierarchien zu einem Begriff definieren Sie recht einfach, indem Sie die Hierarchie-Ebene per Doppelpunkt abtrennen, beispielsweise Sendmail:Installation und Sendmail:Konfiguration. Unten in der Statusleiste zeigt Zim an, wieviele andere Notizen auf diesen Eintrag verlinken ("Backlinks"). Im Pulldown-Menü können Sie sich alle auf den Eintrag verweisenden Seiten anzeigen lassen.

Sie dürfen die digitale Zettelwirtschaft freilich auch über bezugslose Einzelnotizen betreiben. Die Seitenleiste bietet dazu einen Überblick und ermöglicht so den schnellen Zugriff auf die einzelnen Notizzettel: Die öffnen sich auf einen Mausklick hin in einem eigenen Reiter. Eine neue Notiz erzeugt Zim automatisch beim Verlinken, macht sie aber erst permanent, wenn Sie sie auch mit Inhalt füllen. Erst dann erstellt Zim eine entsprechende Datei und übenimmt die Notiz dauerhaft in die Seitenleiste. Das Programm speichert alle Notizen und Änderungen daran automatisch, so dass Sie sich nicht darum kümmern müssen.

In Sachen Textformatierung bietet Zim alles, was man so braucht: Fett, kursiv, unterstrichen, durchgestrichen sowie verschiedene Textgrößen lassen sich genauso einfach anwenden wie die von Textverarbeitungen bekannten automatischen Aufzählungen oder Listen. Obendrein dürfen Sie auch Bild-Referenzen in die entsprechende Notiz einfügen, wobei Zim die Grafik dann auch gleich darstellt (Abbildung 1). Dateiverweise fügen Sie als anklickbaren Link ins Dateisystem an die Notizen an. Alternativ hängen Sie Files auch direkt an eine Notiz an; Zim speichert diese in seinem Verzeichnis in einen eigenen Ordner mit dem Namen der Notiz. Für Todo-Listen unterstützt das Programm auch Checkboxen, die Sie abhaken oder durchstreichen. Sie erzeugen sie einfach mit eckigen Klammern ([ ], [x] und [*]).

Abbildung 1: Das Zim-Hauptfenster mit Todo-Einträgen, Checkboxen und angefügtem Bild.

Zwischen den Notizen navigieren Sie wahlweise über die Seitenleiste, die Vor/Zurück-Knöpfe oben links oder die Reiter-Leiste, die kürzlich genutzte Notizen mit einem einzigen Klick wieder öffnet. Das Suchen und Ersetzen erlaubt Zim nur pro Notiz, jedoch funktioniert das Suche über alle Notizen. Undo macht Änderungen rückgängig, einen Wort- und Buchstabenzähler integriert das Programm ebenfalls.

Erweiterung per Plugins

Zim kommt mit einigen Plugins geliefert, von denen es die Todo-Liste und den Kalender standardmäßig aktiviert. Letzterer erlaubt eine datumshierarchische Ansicht, so dass Sie die Notizen und Todo-Listen auch chronologisch sortieren können. Weitere nützliche Helfer wie eine Rechtschreibkorrektur, ein Formeleditor (er benötigt LaTeX) sowie ein Screenshot-Tool müssen Sie bei Bedarf erst aktivieren.

Die Todo-Liste (Abbildung 2) sammelt aus allen Notizen sämtliche Vorkommnisse des Wortes TODO: und listet den dahinter stehenden Text als Aufgabe. Über die Anzahl der anhängenden Ausrufezeichen legen Sie die Priorität des Tasks fest, auch ein Datum in derselben Zeile erkennt Zim und übernimmt es in die Todo-Liste. Auch offene Checkboxen tauchen in der Todo-Liste auf.

Durch Hinzufügen des Wortes DONE in der To-Do-Zeile oder das Abhaken der Checkbox markieren Sie offene Aufgaben als erledigt. Hier bietet Zim aber keine Alarm-Funktion, die auf bald fällige Aufgaben hinweist.

Abbildung 2: Die Zim Todo-Liste sammelt automatisch alle Einträge und offene Checkboxen aus allen Notizen.

Konkurrenz

Der wohl größte Konkurrent von Zim ist das Mono-basierte Tomboy, das beispielsweise in Ubuntu seit langem zur Standardausstattung gehört. Tomboy bietet einige Features, mit denen Zim nicht aufwarten kann, wie etwa eine Alarmfunktion, eine Synchronisation über WebDAV oder SSH oder auch ein Blogposter-Addin, mit dem man komfortabel seine Notizen als Blog-Eintrag veröffentlicht.

Im Gegenzug bietet Zim einige Vorteile gegenüber Tomboy: So lassen sich die Notizen im Plaintext-Format mit Fremdsoftware gut lesen und tragen passende Dateinamen, während Tomboy seine schwer lesbaren XML-Notizen im versteckten Verzeichnis mit kryptischen Hash-Dateinamen speichert. Auch die Todo-Liste, das direkte Einbinden von Bildern oder die Checkbox-Unterstützung hat Zim Tomboy voraus.

Das in KDE enthaltene KNotes hingegen kann weder Tomboy noch Zim das Wasser reichen und erlaubt wirklich nur, Text in fester Größe auf gelbe Fenster zu schreiben.

Fazit

Zim glänzt mit einigen sehr nützliche Features wie speziell der To-Do-Listen-Funktion: Der größte Teil der weltweit klebenden Zettelchen dürfte mit Aufgaben beschriftet sein, die es noch zu erledigen gilt. Auch den zweitpopulärste Nutzen als Notizblock decken Zims Wiki-Funktionen sehr gut ab. allerdings fehlen die Möglichkeit, das Wiki dann auch direkt als Webseite zu exportieren, und eine Alarmfunktion, die auf bald fällige Aufgaben hinweist.

Wie bei Tomboy benötigen im Programmfenster Menü und Schalterleiste sehr viel Platz, eigentlich sollte ein Notizprogramm so wenig Platz auf dem Desktop belegen wie möglich. Wie bei anderen digitalen Notizblöcken fehlt außerdem eine einfache Möglichkeit, eine Notiz an jemand anderen weiterzuschicken: Einem Kollegen, der gerade nicht am Platz ist, klebt man schließlich gern einen Zettel an den Monitor – es muss ja nicht immer gleich Groupware sein.

Infos

[1] Zim-Homepage: http://www.zim-wiki.org

[2] Medibuntu: http://www.medibuntu.org

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