Vermutlich kennen nicht mehr viele Gamer Warlords II: Das Strategiespiel von 1993 zog Fans stunden- und tagelang in seinen Bann, es gab einige Fortsetzungen, aber aus heutiger Sicht sieht es wenig spektakulär aus. Nun gibt es einen freien Klon von Warlords II mit dem Namen Lordsawar (LAW). Obwohl die Entwickler noch an ihm werkeln, beherrscht er bereits viele wichtige Funktionen des Originals.

Einige Wermutstropfen trüben den Spielspaß jedoch: LAW spricht bislang nur englisch. Für eine deutsche Sprachversion fehlen Übersetzer – wer sich den Job zutraut, findet online die Datei [1], die es zu übersetzen gilt. Zudem ist das Spiel noch etwas wacklig auf den Beinen und stürzt gelegentlich und unvorhersehbar ab. Um das Spiel wiederherzustellen, haben die Entwickler zwar einen Recovery-Modus eingebaut, aber wer auf Nummer sicher gehen will, speichert den Spielstand am besten nach jeder Runde. Nicht zuletzt patzen die Mehrspielermodi zur Zeit noch, die über das LAN und via E-Mail laufen sollen. Zusammen spielt man LAW am besten am selben Rechner oder Mitspieler greifen über VNC auf den Desktop zu, der das Spiel anbietet. Möglicherweise funktioniert der Mehrspielermodus aber auch in neueren Versionen von LAW (wir haben die stabile Version 0.1.4 getestet).

Installation unter Ubuntu 8.10 und OpenSuse 11.1

Die Webseite [2] verrät unter anderem den Zugang zum Subversion-Repository, das die neueste Version beherbergt. Wir haben den Quellcode der stabilen Version [3] besorgt und übersetzt. Dazu benötigen Sie unter Ubuntu 8.10 noch folgende Pakete, die Sie über den Paketmanager installieren: autoconf, build-essential, intltool, libsdl1.2-dev, libsdl-image1.2-dev, libsdl-mixer1.2-dev, libexpat1-dev, uuid-dev, libglibmm-2.4-dev, libgtkmm-2.4-dev, libglademm-2.4-dev, libgnet-de sowie libboost-dev.

Unter Opensuse 11.1 installieren Sie über YaST die Pakete intltool, autoconf, SDL-devel, SDL_image-devel, SDL_mixer-devel, libexpat-devel, libuuid-devel, glibmm2-devel, gtkmm2-devel, glademm-devel, gnet-devel und boost-devel. Zudem brauchen Sie die Entwicklerwerkzeuge: Dazu wählen Sie in YaSTs Paketmanager Schemata als Filter und setzen ein Kreuzchen bei Grundlegende Entwicklungsumgebung. Da Sie als OpenSuse-Anwender vermutlich KDE einsetzen, saugt die Distribution noch etwa 300 MByte an Gnome-Software auf die Festplatte – das sollten Sie berücksichtigen.

Dann laden Sie auf beiden Systemen jeweils das Archiv von der Webseite herunter, öffnen eine Kommandozeile und entpacken es mit tar xvzf lordsawar-0.1.4.tar.gz. Wechseln Sie nach lordsawar und kompilieren Sie das Spiel mit Hilfe des Dreischritts configure, make sowie make install, wobei Sie den letzten Befehl mit Root-Rechten eingeben. Der Prozess dauert etwas. Abschließend drücken Sie [Alt]+[F2] und tippen lordsawar, um das Spiel aufzurufen.

Nach dem Start erwarten Sie verschiedene Optionen: Da die Kampagnen (Start campaign) bisher nicht funktionieren, beginnen Sie einfach ein normales Spiel. In diesem Fall landen Sie im Menü aus Abbildung 1. Hier stellen Sie zunächst den Schwierigkeitsgrad ein, den Sie aus dem Dropdown-Menü Difficulty wählen. Zum Üben sollten Sie zunächst auf der mittleren Stufe beginnen. Nach ein paar Runden schaffen Sie auch die schwerste Stufe. In dieser ist die gesamte Spielfläche schwarz: Sie wissen nicht, wo der Gegner steckt und machen das umliegende Gebiet erst durch Erkundungen sichtbar. Über kurz oder lang sollten Sie jedoch gegen menschliche Gegner spielen.

Abbildung 1: Nach dem Start des Spiels regeln Sie, welche Spieler zum Einsatz kommen und wie LAW die Landschaft gestaltet, welche das Spiel stets neu generiert.

Nach dem Schwierigkeitsgrad legen Sie fest, welche Mannschaften die menschlichen Spieler übernehmen. Diesen können Sie selbst gewählte Namen verpassen und LAW so personalisieren. Rechts im Fenster sehen Sie noch weitere Knöpfe und Regler, über die Sie die Spielfläche modifizieren, die LAW für jedes Spiel neu generiert. Hier legen Sie zum Beispiel fest, aus wie vielen Prozent Wasser sie besteht und wie viel Städte und Wälder es gibt. Passen die Einstellungen, klicken Sie auf Start Game, um mit dem Spiel zu beginnen.

Anfang und Ende

Das "War" im Namen des Spiels deutet bereits an, das Sie das Spielziel nicht unbedingt auf friedlichem Wege erreichen. Die Warlords kämpfen gegeneinander (Abbildung 2) und verbünden sich auch. Anfangs startet jeder Warlord in einer Stadt mit einem Ritter und Verbündeten. Das Spiel verläuft in Runden. Haben Sie Ihre Einheiten bewegt, Kämpfe ausgeführt und die Produktion angeleiert, klicken Sie auf das Symbol mit der weißen Fahne rechts unten und läuten so die nächste Runde ein. Nach und nach erforschen Sie die Gegend, produzieren in den Orten Einheiten und erobern andere Städte.

Bis zu ihrer Besetzung durch feindliche Truppen verhalten sich die grau gefärbten Städte neutral und beherbergen meist nur eine Einheit. Anfangs erobern Sie schnell viele Ortschaften; schwieriger wird es, wenn Gegner in der Stadt sitzen, da diese häufig Einheiten in Gruppen anhäufen. Warlords sterben, sobald sie keine Stadt mehr besitzen. Sie müssen also Ihre Truppen bündeln, die Stützpunkte der Gegner erobern und so einen Warlord nach dem anderen besiegen. Haben Sie am Ende genügend Städte erobert – deutlich mehr als die Gegner – geben diese meist auf und Sie gewinnen (Abbildung 3).

Abbildung 2: Ein Held greift zusammen mit zwei "Allies" (Verbündeten) erfolgreich eine Stadt an.
Abbildung 3: Schlechte Stimmung beim Gegner: Die verbliebenen Opponenten bieten Ihnen die Kapitulation an.

Ökonomie

Die Ökonomie ist die Achillesferse des Spiels: Am unteren Bildschirmrand kennzeichnen die drei Goldstücke die Einnahmen, das Säckchen rechts zeigt die Ausgaben und der gefüllte Beutel steht für das aktuelle Vermögen (Abbildung 4). Sie sollten dafür sorgen, dass die Ausgaben nicht unverhältnismäßig wachsen, denn Sie brauchen Geld. Zwar verdienen Sie an jeder eroberten Stadt, die produzierten Einheiten belasten die Kriegskasse jedoch. Krieg führen Sie auch, um die Kosten für die Einheiten zu reduzieren. Gehen Sie pleite, können Sie keine neuen Einheiten produzieren und warten untätig auf bessere Zeiten. Ein Druck auf [G] zeigt, wie es um die Finanzen der Spieler steht, wobei die Computergegner erfahrungsgemäß recht schnell in den Bankrott geraten.

Abbildung 4: Im unteren Bildschirmbereich sehen Sie, wie es um Ihre Finanzen steht: Behalten Sie das Geld stets gut im Auge, oder Ihre Maschinerie kommt zum Stillstand.

Einheiten

Geraten Sie in Geldnot, sparen Sie, indem Sie in den Städten keine neuen Einheiten mehr produzieren. Ein Klick auf das Icon mit dem Kreuzchen versetzt Sie in den Städtebau-Modus. Bewegen Sie die Maus über eine Stadt, erscheint ein Turm-Symbol und Sie können schauen, was die Stadt produziert (Abbildung 5). Einheiten kosten unterschiedlich viel – wägen Sie immer deren Angriffsstärke (Strenght), Bewegungsreichweite (Moves) und Kosten (Cost) gegeneinander ab. Wählen Sie die zu produzierende Einheit mit der Maus aus oder klicken Sie auf Stop, um die Produktion vorübergehend einzustellen. Drastische Sparmaßnahmen erfordern mitunter die Stilllegung fast aller Produktionsstätten.

Abbildung 5: Städte produzieren neue Einheiten. Taugen diese nichts, können Sie stärkere Einheiten dazukaufen.

Lungern keine feindlichen Einheiten in der näheren Umgebung herum, brauchen Sie keinen riesigen Truppenvorrat. Die Städte bauen schwache Einheiten innerhalb von einer Runde (Time), für starke Einheiten brauchen sie bis zu vier Runden. Eroberte Städte produzieren häufig nur schwache Einheiten. Klicken Sie im Städtebaumodus auf Buy, können Sie Ihr Geld einsetzen, um starke Einheiten zu bauen – etwa Einhörner, Elefanten oder Pegasi (Abbildung 5). Bis zu acht Einheiten bündeln Sie in einer Gruppe, die dann gemeinsam durch die Gegend zieht. Kleiner Nachteil: Diese bewegt sich nur so schnell wie das langsamstes Mitglied.

Brauchen Sie dringend Geld, wählen Sie nach dem Erobern einer Stadt anstelle von Occupy (Besetzen) lieber Sack (Plündern). Sie erhalten dafür ein paar hundert Goldstücke, allerdings produziert die Stadt nun keine starken Einheiten mehr.

TIPP

Besetzen Sie Städte nicht mit zu vielen Einheiten. Wählen Sie lieber wenige von ihnen, dafür aber starke.

Wir sind Helden

Es gibt auch Einheiten, die Sie nicht bauen können: die Helden. Diese bringen meist Verbündete mit, die "Allies". Helden stoßen auch auf Allies, wenn sie Ruinen durchsuchen – das sind die kleinen weißen Punkte auf dem Spielfeld. Nur Helden dürfen diese Ruinen durchsuchen. Ein Klick auf [.] oder den Menüpunkt View | Ruins zeigt sämtliche sichtbaren Ruinen und ob Sie diese bereits besucht haben. Um eine Ruine zu durchforsten, marschieren Sie mit dem Helden auf diese und drücken auf das Symbol mit der Lupe. In den Ruinen lauern oft Monster, gegen die der Held kämpfen muss – nicht selten verliert er dabei sein Leben. Gewinnt er indes, erringt er Geld und wertvolle Ausrüstungsgegenstände oder es schließen sich ihm neue Allies an.

Stirbt ein Held, läuft das Spiel dennoch weiter. Helden machen Mannschaften zwar deutlich stärker und können Ruinen durchsuchen, für einen Sieg benötigt man sie aber nicht zwingend. Beschert Ihnen eine kluge Politik ausreichend Geld, bieten Ihnen im Laufe des Spiels immer wieder neue Helden ihre Dienste an. Je teurer diese sind (über 1000 Goldstücke), desto wahrscheinlicher bringen sie auch starke Allies mit. bt

TIPP

Gewinnen Sie mit Ihrem Helden einen Kampf gegen einen feindlichen Helden, verliert dieser mitunter ein kleines braunes Säckchen mit Ausrüstungsgegenständen. Bewegen Sie Ihren Helden auf dieses und klicken Sie auf den Menüpunkt Hero | Inspect, um den Gegenstand zu betrachten und aufzunehmen. Ausrüstungsgegenstände verleihen Helden besondere Fähigkeiten: Sie können fliegen, sich schneller bewegen, sind stärker etc.

NetzaWar

Da die Stärke der künstlichen Intelligenz begrenzt ist, macht es Sinn, gegen menschliche Gegner anzutreten. Unter New Network Game können Sie sich einem Spiel anschließen (I want to join) oder ein Spiel anbieten (I want to start a new game...). Im ersten Fall geben Sie in das Feld Hostname die IP-Adresse des Servers im LAN ein, im zweiten legen Sie in der Konfiguration (Abbildung 1) sämtliche Bedingungen für das Spiel fest, bestimmen die Zahl der menschlichen Spieler und Computergegner und warten nach einem Start auf Mitspieler. Leider funktioniert der LAN-Modus zur Zeit noch nicht richtig: Abgestürzte Spiele lassen sich nicht wiederherstellen.

Auch das Spielen per E-Mail klappte im Test noch nicht: Wählen Sie New Play By Mail Game, erzeugt LAW nach einem Spiel eine Datei, die Sie speichern und per E-Mail verschicken. Der Mitspieler öffnet die angehängte Datei, spielt seine Runde, speichert das Spiel erneut und schickt es weiter. Allerdings stürzte die getestete LAW-Version beim Öffnen der Datei stets ab.

Fazit

Bereits jetzt ist Lordsawar ungefähr auf dem Niveau der Vorlage Warlords II. Allerdings trüben die zahlreichen Abstürze und das Fehlen einer vernünftigen Mehrspielerfunktion den Spielspaß. Wer sich mit einem lokalen Spiel zufrieden gibt oder sich einen Rechner teilt, kann sich unterhaltsam die Zeit vertreiben. Ansonsten empfiehlt es sich, noch auf eine stabile Version zu warten, die den Mehrspielermodus richtig beherrscht.

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