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Mehrere Systeme gleichzeitig bedienen mit Synergy

19.03.2009
Zum Steuern entfernter Rechner gibt es Ansätze wie VNC, Nomachine oder SSH. Das pfiffige Synergy denkt buchstäblich um die Ecke und verschaltet mehrere PCs zu einem virtuellen Desktop.

Für den Betrieb von Synergy brauchen Sie mindestens zwei PCs, jeder mit eigenem Betriebssystem, Monitor und einer funktionierenden Netzwerkkarte ausgestattet. Die Software unterstützt unter anderem Windows ab 95 bis hin zu Vista, Mac OS X ab Version 10.2 und Linux mit aktuellem X-Server. Für Windows und Mac OS X gibt es fertige Pakete auf der Synergy-Homepage [1]. Für Linux steht eine RPM-Datei zur Verfügung, die sich unter den gängigen Distributionen installieren lässt, gegebenenfalls mit Tools wie alien[2]. Einige Distributionen bieten auch fertige Pakete an: So liefert beispielsweise Ubuntu in Universe das Paket namens synergy aus.

<i>Universe<i> aktivieren

Ubuntu organisiert seine Softwarepakete in mehreren Repositories. Universe fasst Pakete zusammen, die nicht ganz so umfassend unterstützt und gepflegt werden wie andere. Um Universe zu nutzen, aktivieren Sie in der Datei /etc/apt/sources.list die betreffende Zeile durch Entfernen der Kommentar-Raute. Nach einem apt-get update können Sie die neuen Pakete installieren, darunter auch Synergy.

Fallbeispiel

Der Arbeitsplatz eines Netzwerkadministrators besteht aus einem großen Desktop-System mit Ubuntu und einem kleinen Notebook mit Vista, das rechts daneben steht. Um das ständige Hin- und Herwechseln zwischen den Tastaturen zu vermeiden, kommt ab sofort Synergy zum Einsatz. Die Hauptarbeit soll am großen PC erfolgen, dem Ubuntu-System. In Synergy-Terminologie heißt dieses Steuerungssystem, dessen Tastatur und Maus zum Einsatz kommen, der Server. Die übrigen Geräte sind entsprechend die Clients.

Konfiguration

Bevor es losgeht, konfigurieren Sie Synergy über die Textdatei /etc/synergy.conf respektive ~/.synergy.conf. Dabei denkt das Programm in so genannten Screens: Jeder zum Verbund gehörende Rechner, ob Server oder Client, ist ein Screen mit einer genau definierten Position – ähnlich wie die Bildschirmanordnung bei Multi-Monitor-Systemen. In die Konfigurationsdatei tragen Sie sowohl den Name des Screens samt etwaiger Aliase als auch die Position relativ zu den anderen Geräten ein. Dabei müssen Sie die Position immer in beide Richtungen konfigurieren, beispielsweise links und rechts. Ein Beispiel für unseren Netzwerkadministrator findet sich im kommentierten Listing 1. Zahlreiche weitere Optionen dokumentiert die Homepage von Synergy [3].

Wichtig: Schreiben Sie alle Optionen in der Konfigurationsdatei klein und achten Sie auf korrekte Zeilenumbrüche, denn Synergy ist pingelig und akzeptiert die Datei ansonsten nicht. Haben Sie alles erledigt, starten Sie der Synergy-Server unter Ubuntu als ganz normaler Benutzer mit synergys. Dabei verhindert der zusätzlicher Parameter -f, dass Synergy als Dienst im Hintergrund läuft.

Listing 1
# Screens definieren
section: screens
  ubuntu:
  vista:
end
# Alternative Namen
section: aliases
  # ubuntu -> desktop
  ubuntu:
    desktop
  # vista -> notebook
  vista:
    notebook
end
# Anordnung der Screens
section: links
  # vista: rechts von ubuntu
  ubuntu:
    right = vista
  # ubuntu: links von vista
  vista:
    left = ubuntu
end

Noch komfortabler erledigen Sie die Konfiguration mit QuickSynergy, das Sie unter Ubuntu als gleichnamiges Paket ebenfalls aus Universe installieren und über Anwendungen | Zubehör | QuickSynergy starten. In unserem Test schaffte es das Programm jedoch nicht, einen funktionierenden Server zu starten.

Einfacher zu konfigurieren ist der Vista-Client, also der PC, der vom Ubuntu-System aus gesteuert werden soll. Nach der Installation rufen Sie Synergy direkt über das Startmenü auf, und es erscheint eine aufgeräumte grafische Oberfläche (Abbildung 1). Um eine Verbindung zum Server aufzubauen, wählen Sie die Option Use another computer's shared keyboard and mouse und tragen dann den Namen des entsprechenden Rechners ein. Profis dürfen optional noch Extras wie Logging-Level, Autostart und Netzwerk-Details einstellen.

Abbildung 1: Synergy als Client unter Windows Vista.

Sicherheitshinweis

Die Autoren von Synergy weisen auf der Homepage darauf hin, dass Synergy selbst keinerlei Authentifizierung oder Verschlüsselung nutzt [4]. Um auf der sicheren Seite zu sein, bauen Sie gegebenenfalls einen SSH-Tunnel auf, der alle Daten verschlüsselt [5].

Verbinden der Screens

Haben Sie alle Clients konfiguriert, genügt der Aufruf von synergyc Server-IP (respektive unter Windows ein Klick auf Start), um die Screens miteinander zu verbinden. Zunächst erscheint alles ganz unspektakulär – auf jedem System können Sie wie gewohnt arbeiten.

Bewegen Sie jedoch am Server die Maus über den rechten Bildschirmrand, so bewegt sich der Mauszeiger auf den Vista-Desktop, ganz so wie bei einem System mit mehreren Monitoren – hier jedoch über zwei verschiedene Plattformen hinweg. Auch Tastatureingaben kommen am Client an, solange dessen Bildschirm den Fokus (sprich: Mauscursor) hat. Doch nicht nur das, auch die Zwischenablage koordiniert Synergy zwischen den Systemen, wobei es laut Angaben der Entwickler automatisch den jeweils korrekten Zeichensatz einstellt und die Zeilenumbrüche zwischen den Betriebssystemen konvertiert – ideal also, um längere Texte und Konfigurationsdateien zentral zu kopieren. Mit einem Druck auf [Rollen] deaktivieren Sie Synergy bei Bedarf vorübergehend.

In der Konfigurationsdatei können Sie zahlreiche weitere Optionen einstellen. Synergy beherrscht unter anderem das Mapping von Tasten zwischen Server und Client, die Konfiguration von Bildschirmbereichen, in denen kein Screen-Wechsel vorgenommen wird, sowie das Ausführen bestimmter Aktionen auf Tastendruck. Bei einigen Funktionen patzt Synergy jedoch: In unseren Tests funktionierte die Synchronisation der Bildschirmschoner genauso wenig wie das zentrale Sperren aller Bildschirme. Laut Homepage ist insbesondere die Mac-OS-X-Variante des Programms noch nicht so ausgereift wie die Linux- und Windows-Pendants.

Fazit

Synergy bietet einen interessanten Ansatz, um mehrere Computer zentral zu steuern, ohne in zusätzliche Hardware zu investieren. Anders als bei herkömmlichen Lösungen behält jedes System seinen eigenen Monitor. Das Programm stellt auf jeden Fall eine Bereicherung für Besitzer mehrerer PCs dar. Besonders pfiffig ist vor allem die betriebssystemübergreifende Zwischenablage, die das Kopieren von Textdateien überflüssig macht. Eine einfachere Konfiguration unter Linux wäre aber wünschenswert.

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